| ROUNDUP/Ploß zu Seehäfen-Finanzierung: Tschentscher verbreitet Unwahrheiten |
| 21.02.2026 10:35:00 |
Im Streit um die Finanzierung der deutschen
Seehäfen hat der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Christoph
Ploß, Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher die
Verbreitung von "Unschärfen" und "Unwahrheiten" vorgeworfen.
In einem Brief an den Bürgermeister, über den die "Welt am Sonntag"
in ihrer Hamburger Regionalausgabe berichtet, fordert er
Tschentscher zudem auf, Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes für
den Hafen und nicht für "Prestigeobjekte wie den Elbtower"
einzusetzen.
Hintergrund waren scharfe Anwürfe des SPD-Politikers Tschentscher
gegen den Hamburger CDU-Bundestagsabgeordneten Ploß, dass dieser die
Interessen der Hansestadt in seinem Amt als Maritimer Koordinator
nicht vertrete.
Ploß: Nur Hamburg ist für Hafenfinanzierung zuständig
Tschentscher hatte in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur
bemängelt, dass Ploß die von Hamburg und den anderen Küstenländern
seit langem erhobene Forderung nach einer stärkeren finanziellen
Beteiligung des Bundes an der Finanzierung der Seehäfen nicht
unterstütze. "Es ist eher das Gegenteil", hatte der Bürgermeister
gesagt.
In seinem Brief zeigt sich Ploß von den Vorwürfen überrascht. "Da
Ihre Äußerungen mehrere Unschärfen und leider auch Unwahrheiten
enthalten, möchte ich Ihnen gern einige Fakten mitteilen", entgegnet
er und schreibt weiter, dass das Grundgesetz "die Zuständigkeit für
die Verwaltung und Finanzierung des Hamburger Hafens ausschließlich
der Freien und Hansestadt Hamburg" zuweise.
Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes erstrecke sich nur auf die
Hochsee- und Küstenschifffahrt sowie die Seezeichen, die
Binnenschifffahrt, den Wetterdienst, die Seewasserstraßen und die
dem allgemeinen Verkehr dienenden Binnenwasserstraßen. "Dies umfasst
grundsätzlich nicht die See- und Binnenhäfen, also etwa den
Hamburger Hafen, und ihre allgemeine Infrastruktur", heißt es in dem
Brief.
Sondervermögen für Hafen nutzen - nicht für Prestigeobjekte
Der Bund habe Hamburg aus dem Investitionsfonds zur Förderung der
Infrastruktur bereits im vergangenen Jahr 2,66 Milliarden Euro zur
Verfügung gestellt. "Diese Bundesmittel sind insbesondere für die
Verkehrs- und Energieinfrastruktur in Hamburg vorgesehen", betonte
Ploß. Die Entscheidung über die Verwendung obliege der Stadt.
"Im Sinne einer starken maritimen Wirtschaft" appelliere er aber an
Tschentscher: "Verwenden Sie diese Milliarden, die der Bund Hamburg
zur Verfügung stellt, nicht für Prestigeobjekte wie den Elbtower,
sondern für den Hamburger Hafen!"
Tschentscher hatte kritisiert, dass die Küstenländer gegenüber den
anderen Ländern benachteiligt würden, wenn sie Mittel aus dem
Investitionsfonds für die Häfen - denen eine nationale Aufgabe
zukomme - aufwenden müssten. Für die Hansestadt würde dies bedeuten,
"dass wir die kompletten Beträge, die wir in Hamburg aus dem
Investitionsfonds bekommen, eben nicht für Schulen, für Kultur, für
Polizei oder für Straßen und Brücken einsetzen könnten".
Ploß sieht sich als Anwalt der Häfen - Warnung an Tschentscher
Auch er setze sich "- wie Sie wissen - seit Langem dafür ein, dass
der Bund die norddeutschen Häfen stärker als bisher unterstützt",
schreibt Ploß, der sich nach eigenem Bekunden "innerhalb der
Bundesregierung als Anwalt der gesamten maritimen Branche - und
damit auch der deutschen Häfen" sieht. Die Häfen gingen auch nicht
nur die Küstenländer etwas an, räumte er ein. "Über sie läuft die
Versorgung ganz Deutschlands."
Deshalb sei es "erstrebenswert", dass der sogenannte
Hafenlastenausgleich erhöht werde. "Die 38,3 Millionen Euro, die die
norddeutschen Häfen daraus erhalten, sind zu wenig", räumte Ploß
ein. Seinen Hinweis darauf, dass es zur Anpassung der Mittel im
Bundestag eine nur parteiübergreifend zu erreichende
verfassungsändernde Mehrheit brauche, verband er mit einer Warnung:
"Nichts gefährdet eine Erhöhung dieser Mittel mehr als persönliche
Angriffe über die Presse."
Erwiderung
Ein Senatssprecher bestätigte am Morgen den Erhalt des Briefes.
"Herr Ploß bestätigt darin noch einmal, dass er die Position und
damit die Interessenlage Hamburgs und der anderen norddeutschen
Länder nicht unterstützt", erklärte der Sprecher. Ebenso wiederhole
er die Forderung, dass Hamburg die Mittel des Innovationsfonds nicht
- wie alle anderen Länder - für Schulen, Hochschulen,
Kultureinrichtungen oder die Verkehrsinfrastruktur, sondern für den
Hafen verwenden solle.
"Herr Ploß ignoriert dabei, dass Hamburg den Betrieb, die Sanierung
und die Modernisierung des Hafens bereits jedes Jahr im Umfang von
rund 300 Millionen Euro aus städtischen Mitteln finanziert, dass der
Koalitionsvertrag des Bundes eine gemeinsame Finanzierung des
Nationalen Hafenplans durch Bund und Länder vorsieht und dass dafür
auch Finanzierungswege bestehen, die gut mit der
verfassungsrechtlichen Aufgabenzuordnung von Bund und Ländern
vereinbar sind", erklärte der Sprecher. Insofern sehe sich der Erste
Bürgermeister in seiner Kritik an der Arbeit des Maritimen
Koordinators bestätigt./fi/DP/zb
AXC0010 2026-02-21/10:35
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Autor: - dpa-AFX
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