| ROUNDUP/Tiktok und Teilzeit: Was beschließt die CDU? |
| 21.02.2026 10:35:00 |
Schuldenbremse, Cannabis, Social Media für
Jugendliche: Die CDU will heute beim Bundesparteitag in Stuttgart
Positionen zu einer Reihe sachpolitischer Themen beschließen. Nicht
alle Initiativen haben von vornherein Chancen auf Umsetzung. Und
einige Anträge könnten in der Regierungskoalition mit der SPD für
Stress sorgen. Zum Abschlusstag des Treffens kommt auch CSU-Chef
Markus Söder zum traditionellen Besuch bei der Schwesterpartei.
Viel Aufmerksamkeit zieht ein Vorstoß zu sozialen Medien bei jungen
Leuten auf sich. Nach einem Antrag des Landesverbands
Schleswig-Holstein soll die CDU ein Mindestalter von 16 Jahren für
die Nutzung von Netzwerken wie Tiktok und Instagram samt
verpflichtender Altersprüfung fordern. Empfohlen wurde zunächst, den
Antrag nur an Fachausschüsse der Partei und die Bundestagsfraktion
weiterzuleiten. Nachdem auch CDU-Chef Friedrich Merz Sympathie
erkennen ließ, gilt ein Beschluss als wahrscheinlich. Offen war
aber, wie konkret er ausfallen wird.
Ein Überblick über weitere Anträge:
Smartphones in der Schule
Für Handys in Schulen fordern die Frauen Union und die Mittelstands-
und Wirtschaftsunion in einem Antrag bundesweite Regeln. Bis
einschließlich zur 10. Klasse sollten "an allen Schulen verbindliche
Schutzzonen geschaffen werden, in denen die private Nutzung von
digitalen Endgeräten während des Unterrichts und den Pausen
untersagt ist". Die vom Vorstand bestellte Kommission, die vor
Parteitagen über alle Anträge berät, empfiehlt den Delegierten
Zustimmung.
Krankschreibungen
Nach einem Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion soll sich
die CDU wegen vieler Fehlzeiten für ein Ende der Möglichkeit zu
Krankschreibungen per Telefon aussprechen. Je einfacher eine
Bescheinigung zu erhalten sei, desto eher falle die
"Bettkantenentscheidung" zugunsten der Krankmeldung aus, heißt es
zur Begründung. Die Antragskommission empfiehlt Zustimmung. Die SPD
hatte schon deutlich gemacht, dass sie gegen ein Kippen der Regelung
ist.
Zuckersteuer
Vom Landesverband Schleswig-Holstein kommt ein Antrag, der auf
gesündere Ernährung vor allem bei Kindern und Jugendlichen zielt.
Dafür solle die CDU die Einführung einer Steuer auf Getränke mit
hohem Zuckeranteil wie Softdrinks fordern. Sie sollte mit
gestaffelten Sätzen Anreize setzen, den Zuckergehalt zu senken.
Gefordert wird auch eine Altersgrenze von 16 Jahren für
Energy-Drinks. Die Antragskommission empfiehlt dem Parteitag aber,
den Antrag abzulehnen.
Schuldenbremse
Nach einem Antrag der Jungen Union soll der Parteitag ein Signal
gegen noch größere Lockerungen der Schuldenbremse im Grundgesetz
senden. "Eine "Modernisierung der Schuldenbremse", wie sie im
Koalitionsvertrag genannt wird, darf nicht in ihrer weiteren
Aufweichung bestehen", heißt es darin. Dem Parteitag wird die
Annahme in leicht geänderter Fassung empfohlen. Die von der
Koalition umgesetzten Lockerungen für Verteidigungsausgaben und auch
Milliardenschulden für die Infrastruktur sorgen in der CDU bereits
für Unmut.
Fußball-Weltmeisterschaft
Nach einem Antrag des Kreisverbands Rhein-Erft aus
Nordrhein-Westfalen soll sich die CDU für eine Bewerbung
Deutschlands um die Austragung der Fußball-WM 2042 starkmachen. Der
Titel lautet in Anspielung auf das Motto des Heimturniers 2006: "Die
Welt zu Gast bei Freunden 2.0". Angesichts vieler Bewerbungen und
Ausrichtungen durch autoritäre Länder sollte es Deutschland als
Rechtsstaat und Demokratie ein Anliegen sein, als Ausrichter
Fußball-Werte wie Fairplay zu vertreten, heißt es im Antrag. Eine
Annahme wird empfohlen.
Wehrdienst
Nach einem Antrag der Frauen Union soll sich die CDU dafür
aussprechen, das gerade beschlossene Modell eines freiwilligen
Wehrdienstes "umgehend" weiterzuentwickeln. Die nun vorgesehenen
Fragebögen sollten nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen
verpflichtend ausgefüllt werden. Die Bögen sollten auch angepasst
werden: Wenn man antworte, keinen Wehrdienst leisten zu wollen,
solle gefragt werden, ob man sich eine Tätigkeit etwa im sozialen
Bereich vorstellen kann. Dem Parteitag wird ein Ja zum Antrag
empfohlen - ein solcher Beschluss könnte für Probleme mit dem
Koalitionspartner sorgen.
Diskriminierung von Senioren
Die Senioren Union fordert, auch das "Lebensalter" in den
Grundgesetzartikel aufzunehmen, der Benachteiligungen verbietet -
wie etwa schon wegen des Geschlechts und der Abstammung.
Diskriminierung aufgrund des Alters sei ein reales Problem, heißt es
zur Begründung. Die Bundestagsfraktion solle eine Initiative
starten. Dem Parteitag empfohlen wird aber, den Antrag abzulehnen.
Cannabis
Nach einem Antrag der Frauen Union soll die CDU nochmals Druck für
eine Rücknahme der Cannabis-Legalisierung für Volljährige machen.
Das seit 2024 geltende Gesetz solle aufgehoben und der Umgang mit
Cannabis verboten werden. Dem Parteitag wird die Annahme des Antrags
empfohlen. Chefin der Frauen Union ist Gesundheitsministerin Nina
Warken (CDU), die nach ersten Auswertungen zu Legalisierungsfolgen
schon Diskussionsbedarf feststellte. Die SPD ist gegen eine
Rücknahme der Legalisierung.
Teilzeit
Ein ursprünglicher Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion mit
dem Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" hatte vorab
Proteste ausgelöst. Zur Annahme empfohlen wird nun ein von der
Antragskommission neu formulierter Text, der die Notwendigkeit eines
"geordneten" Anspruches auf Teilzeitarbeit herausstellt. Eine
Kombination von Teilzeit und Sozialleistungen solle auch nur bei
besonderen Gründen wie Erziehung, Pflege und Weiterbildung möglich
sein./sam/DP/zb
AXC0012 2026-02-21/10:35
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Autor: - dpa-AFX
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