| wiiw-Studie: Ukraine richtet Wirtschaft stark auf EU aus / EU-Exportanteil gestiegen - Österreich als Investitionsdrehscheibe - Großes Potenzial bei Energie, Rohstoffen und Drohnen - Europa droht Rückstand |
| 22.02.2026 06:00:00 |
Seit dem russischen Angriff 2022 hat sich
die ukrainische Wirtschaft massiv in Richtung der Europäischen Union
umorientiert. Laut einer Studie des Wiener Instituts für
Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) gehen mittlerweile 57
Prozent der Exporte in die EU. Europa droht jedoch, das strategische
Potenzial des Landes bei Rohstoffen, Energie und Rüstung ungenutzt
zu lassen und gegenüber den USA ins Hintertreffen zu geraten.
Der Anteil der EU an den ukrainischen Ausfuhren stieg laut wiiw
von 36 Prozent im Jahr 2021 auf 57 Prozent im Jahr 2024. Die
Landwirtschaft erwies sich als stabilster Exportbereich, während die
Schwerindustrie durch Kriegszerstörungen schwere Verluste erlitt.
Die Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen verharren auf
einem niedrigen Niveau von 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Dabei spielt Österreich eine besondere Rolle: Es zählt laut der
ukrainischen Nationalbank neben Zypern, den Niederlanden und der
Schweiz zu den vier Hauptdrehscheiben für sogenanntes
"Round-Tripping". Hierbei wird lokales ukrainisches Kapital ins
Ausland transferiert und fließt formal als ausländische
Direktinvestition wieder in die Ukraine zurück.
Empfehlung: Zugang zu kritischen Rohstoffen sichern
Die wiiw-Studie identifiziert drei strategische
Schlüsselbereiche, in denen Europa laut Studienautorin Olga Pindyuk
deutlich schneller und koordinierter aktiv werden müsse. Erstens
verfügt die Ukraine über kritische Rohstoffe wie Lithium, Titan und
Seltene Erden, die für die Digitalisierung und die grüne Wende
essenziell sind. Während eine EU-Partnerschaft in diesem Bereich bei
der Umsetzung hinterherhinkt, haben sich die USA bereits im April
2025 mit einem Abkommen und später mit einem ersten
Investitionsfonds in Höhe von 75 Millionen US-Dollar vorrangigen
Zugang zu ukrainischen Rohstoffprojekten gesichert.
Zweitens birgt der Sektor für erneuerbare Energien und
Wasserstoff großes Potenzial. Die Ukraine hat im Juni 2024 einen
Nationalen Energie- und Klimaplan verabschiedet, der den Anteil
erneuerbarer Energien bis 2030 auf mindestens 27 Prozent erhöhen
soll. Um die massiven kriegsbedingten Zerstörungen der Infrastruktur
für einen nachhaltigen Wiederaufbau zu nutzen, empfiehlt die Studie
der EU, private Investitionen durch stärkere Risikoabsicherungen zu
unterstützen.
Rüstungsindustrie von chinesischen Hightech-Komponenten abhängig
Drittens hat die ukrainische Drohnenproduktion rasant expandiert,
von 5.000 Stück im Jahr 2022 auf 1,5 Millionen Einheiten im Jahr
2024. Die Rüstungsindustrie ist dabei jedoch hochgradig von
chinesischen Importen bei Hightech-Komponenten und Maschinen
abhängig, was erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich bringt. Da die
europäische Drohnenindustrie aufgrund mangelnder Einsatzerfahrung
und hoher Kosten gegenüber der Ukraine im Rückstand ist, rät das
wiiw der EU zu einer raschen Integration ukrainischer Firmen in
europäische Lieferketten. Durch gemeinsame Produktionen und
Technologietransfers ließe sich die Abhängigkeit von China
reduzieren und die europäische Sicherheit stärken.
ivn/pat
ISIN
WEB http://www.wiiw.ac.at/
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Autor: - APA/ivn/pat
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