| Goldener Bär geht an 'Gelbe Briefe' von ?lker Çatak |
| 22.02.2026 14:54:00 |
Das Politdrama "Gelbe Briefe" des Berliner
Regisseurs ?lker Çatak hat den Goldenen Bären der Berlinale
gewonnen. Das gaben die Internationalen Filmfestspiele in Berlin
bekannt. Damit erhält erstmals seit mehr als 20 Jahren der Film
eines deutschen Regisseurs die wichtigste Auszeichnung des
Festivals. Zuletzt hatte "Gegen die Wand" von Fatih Akin im Jahr
2004 den Goldenen Bären gewonnen.
Regisseur und Drehbuchmitautor Çatak ("Das Lehrerzimmer") erzählt
die Geschichte eines türkischen Künstlerpaares aus der Theaterwelt,
das politisch unter Druck gesetzt wird. Die beiden geraten wegen
ihrer Positionierung zunehmend in Not. Sie sollen mundtot gemacht
werden.
Jurypräsident Wim Wenders sagte, man könne den Film als furchtbare
Vorahnung verstehen, "als einen Blick in die nahe Zukunft, die
möglicherweise auch in unseren Ländern passieren könnte". "Er ging
uns allen unter die Haut, die in ihrem Land oder in ihrer
Nachbarschaft die Zeichen der Willkür sehen." Sandra Hüller als
beste Hauptdarstellerin geehrt
Schauspielerin Sandra Hüller wurde mit einem Silbernen Bären für die
beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle ausgezeichnet.
Die 47-Jährige erhielt die Auszeichnung für ihre Rolle im Drama
"Rose" von Markus Schleinzer.
Hüller verkörpert darin eine Frau, die sich im 17. Jahrhundert in
einem kleinen, abgelegenen Dorf als Mann ausgibt. Die Thüringerin
gewann bereits 2006 den Silbernen Bären als beste Darstellerin für
ihre Rolle in dem Drama "Requiem". Wer noch ausgezeichnet wurde
Den Großen Preis der Jury erhielt die Tragödie "Kurtulu?" des
türkischen Regisseurs Emin Alper. Stilistisch an einen Western
erinnernd, handelt der Film vom mörderischen Kampf zweier
Dorfgemeinschaften gegeneinander.
Das Demenzdrama "Queen at Sea" des US-Amerikaners Lance Hammer wurde
mit zwei Preisen ausgezeichnet. Der Film erhielt den Preis der Jury.
Zudem gewannen die Briten Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay
einen Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in
einer Nebenrolle. Calder-Marshall spielt eine demenzkranke Frau,
Courtenay ihren Ehemann.
Der Regie-Preis ging an den Briten Grant Gee für das
Jazzmusiker-Porträt "Everybody Digs Bill Evans". Die Kanadierin
Geneviève Dulude-de Celles bekam einen Silbernen Bären für das
Drehbuch des Spielfilms "Nina Roza". Für eine herausragende
künstlerische Leistung wurde der Film "Yo (Love is a Rebellious
Bird)" der US-Amerikaner Anna Fitch und Banker White geehrt.
Politische Statements auf der Bühne
Das Drama "Chronicles From the Siege" des syrisch-palästinensischen
Filmemachers Abdallah Alkhatib wurde als bestes Spielfilmdebüt
ausgezeichnet. Sein Film "Chronicles From the Siege" erzählt davon,
wie Menschen versuchen, eine Besatzung zu überleben. Alkhatib nutzte
seine Dankesrede für ein politisches Statement.
Er brachte eine palästinensische Flagge mit und sagte unter anderem,
eines Tages werde es ein wunderbares Filmfestival in Gaza geben.
Zudem warf er der deutschen Regierung vor, sie sei Partner "des
Völkermords im Gazastreifen". Israel streitet ab, im Gazastreifen
einen Völkermord zu begehen - das ist auch die Position der
deutschen Regierung - und spricht von Selbstverteidigung nach dem
Terrorangriff vom 7. Oktober 2023. Bundesminister distanziert sich
von Rede zu Gaza
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) distanzierte sich von
der Rede. Er sei als einziger Vertreter der Bundesregierung bei der
Gala gewesen und habe während der Rede den Saal verlassen, teilte
ein Sprecher seines Ministeriums mit. Schneider halte die Aussagen
"für nicht akzeptabel".
Auch andere Preisträger nutzten die Bühne für politische Statements,
mehrere drückten ihre Solidarität mit den Palästinensern im
Gazastreifen aus. Moderatorin Désirée Nosbusch sagte: "Und ich bin
mir sicher, dass unsere Herzen bei all den Menschen sind, die
leiden, sei es durch Kriege oder durch Terrorismus."
Der Nahostkonflikt hatte die Berlinale auch in den vergangenen
Jahren beschäftigt. So war sie zum Beispiel nach der Abschlussgala
2024 dafür kritisiert worden, dass einzelne Preisträger das Vorgehen
Israels im Gazastreifen massiv kritisiert hatten, ohne den
Terrorangriff der islamistischen Hamas vom Oktober 2023 zu erwähnen.
Es folgte eine Debatte bis hin zu Vorwürfen von Antisemitismus.
Wenders und Tuttle reagieren auf Kritik
Während des Festivals wurde diskutiert, wie politisch sich
Filmschaffende äußern sollten. Dabei ging es mehrfach um den
Nahostkonflikt. In einem offenen Brief hatten Filmschaffende der
Berlinale vorgeworfen, sich nicht ausreichend zum Gaza-Krieg zu
positionieren.
Wenders war unter anderem für die Aussage kritisiert worden,
Filmschaffende sollten sich aus der Politik heraushalten. Bei der
Preisverleihung würdigte er die Arbeit politischer Aktivisten und
rief zu Zusammenhalt auf: "Wie die Filme der Berlinale deutlich
zeigen, applaudieren euch die meisten von uns Filmemachern. Wir alle
applaudieren euch. Ihr macht eine notwendige und mutige Arbeit, aber
muss sie in Konkurrenz zu uns stehen? Müssen unsere Sprachen
aufeinanderprallen?"
Festivalchefin Tricia Tuttle sagte: "Wir sind in diesem Jahr auch
öffentlich herausgefordert worden, und das ist gut so. Es hat sich
nicht immer gut angefühlt, aber es ist gut, weil es bedeutet, dass
die Berlinale den Menschen wichtig ist." Kritik und das Einbringen
von Meinungen seien Teil der Demokratie./DP/jha/
AXC0044 2026-02-22/14:54
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Autor: - dpa-AFX
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