| ROUNDUP: Sanierung des Amtssitz des Bundespräsidenten wird teuer und langwierig |
| 25.02.2026 15:07:00 |
Die anstehende grundlegende Sanierung des
Berliner Amtssitzes des Bundespräsidenten wird mindestens 601
Millionen Euro kosten und bis zu acht Jahre dauern. Für noch nicht
kalkulierbare Risiken sowie mögliche Baukostensteigerungen, die
nicht zwingend eintreten müssen, seien weitere 259 Millionen Euro
eingeplant, teilte das Bundespräsidialamt mit.
"Es soll hier keine Luxussanierung sein, sondern das Notwendige muss
gemacht werden", betonte die Staatssekretärin im Bundespräsidialamt,
Dörte Dinger. Manche ursprünglichen Überlegungen wie der Bau eines
Pressezentrums oder das Aufstocken des Bundespräsidialamts um eine
Etage seien fallengelassen worden. Der Parlamentarische
Staatssekretär im Bundesbauministerium, Sören Bartol (SPD), nannte
die Sanierung "unumgänglich".
Mit dem Zeitplan steht fest: Wer immer im März kommenden Jahres die
Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier antritt, muss
seine gesamte Amtszeit von fünf Jahren in einem Ausweichquartier
verbringen. Dieses ist bereits fast fertig.
Schloss Bellevue wurde zuletzt 2004/2005 teilweise saniert. Wegen
der Zeitvorgabe von 20 Monaten konnten damals aber wichtige
Baumaßnahmen nicht verwirklicht werden.
Wie sich die Kosten verteilen
Von den vorgesehenen Gesamtkosten entfallen 146 Millionen Euro auf
die Arbeiten am Schloss Bellevue, wie Petra Wesseler, die
Präsidentin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung,
vorrechnete. 120 Millionen Euro werden für die Sanierung des dazu
gehörenden Verwaltungsbaus veranschlagt, in dem die rund 220
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundespräsidialamts
untergebracht sind. Der Neubau der Hauptwache und Technikzentrale
soll rund 173 Millionen Euro kosten. Für Maßnahmen zum Erhalt der
denkmalgeschützten Parkanlage und zur Erneuerung der technischen
Infrastruktur sind weitere 162 Millionen Euro eingeplant.
205 Millionen Euro hat zudem der zwischen Kanzleramt und
Hauptbahnhof errichtete Übergangsbau gekostet. Er soll nach
Abschluss der Sanierungsarbeiten von Bundesbehörden genutzt werden.
Diese Kosten lassen sich also nicht voll den Ausgaben für die
Sanierung zurechnen.
Undichtes Dach und nicht funktionierende Lüftungsanlage
Die Sanierung wird wegen zahlreicher baulicher und technischer
Mängel sowie gestiegener Anforderungen etwa an Sicherheit,
Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit erforderlich. Im
1785 gebauten und unter Denkmalschutz stehenden Schloss Bellevue ist
beispielsweise das Dach undicht, die Lüftungsanlagen funktionieren
nicht mehr richtig, die Fenster sind nicht einbruchs- und
schusssicher, an der Fassade zeigen sich Risse und an den
Geschossdecken Korrosion.
Hier sollen alle technischen Anlagen erneuert werden. Das betrifft
Heizung, Lüftung, Sanitär, Beleuchtung, elektrische Installation,
Informations- und Medientechnik, Veranstaltungstechnik,
Küchentechnik, Trinkwasserversorgung, Aufzüge und
Sicherheitstechnik. Die Barrierefreiheit soll ebenfalls verbessert
werden.
Im Bundespräsidialamt muss knapp drei Jahrzehnte nach seiner
Fertigstellung vor allem der Brandschutz auf den heutigen Stand
gebracht werden. Auch die komplette Gebäudetechnik und die zentrale
Versorgungsinfrastruktur werden erneuert. Das Gebäude braucht zudem
eine moderne Notstromversorgung.
Künftig sollen alle Gebäude fast klimaneutral betrieben werden.
Ermöglichen sollen dies eine neue Geothermie-Anlage und der Einsatz
von Photovoltaik.
Steinmeier soll im Sommer ausziehen
Für Bundespräsident Steinmeier bedeutet dies alles: Er muss im
Sommer von Schloss Bellevue in den nicht weit entfernten Ausweichbau
umziehen. Dies sollte eigentlich bereits jetzt im März geschehen.
Doch der sechsgeschossige Bau mit Büros in Holzmodulbauweise wurde
nicht rechtzeitig fertig.
Ursprüngliche Überlegungen sahen sogar vor, dass Steinmeier bereits
zur Mitte seiner zweiten Amtszeit Schloss Bellevue verlässt, um sich
mit seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger die Last zu teilen.
Das wäre vor eineinhalb Jahren gewesen.
Bundespräsident wohnt nicht im Schloss
Privat ist Steinmeier nicht von dem erzwungenen Umzug betroffen. Er
wohnt mit seiner Frau Elke Büdenbender in einer Dienstvilla in
Berlin-Dahlem. Der einzige Bundespräsident, der auch im Schloss
Bellevue wohnte, war Roman Herzog in seiner Amtszeit von 1994 bis
1999. Bei einer Sanierung 2004/2005 wurden aus der Wohnung wieder
Arbeitsräume. Herzog soll das Schloss eine "Bruchbude" genannt
haben, weil damals immer wieder auch Strom und Wasser ausfielen.
Übergangsbau wird auch für repräsentative Aufgaben genutzt
Das Bundespräsidialamt betonte, das Staatsoberhaupt bleibe während
der gesamten Sanierungszeit "uneingeschränkt handlungsfähig". An
seinem Übergangssitz sollen zum Beispiel auch Staatsgäste empfangen
werden. Außerdem hofft das Bundespräsidialamt, dass sich die
Projektlaufzeit durch "planerische, vertragliche und
organisatorische Maßnahmen" noch verkürzen lässt./sk/DP/mis
AXC0258 2026-02-25/15:07
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Autor: - dpa-AFX
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