| ROUNDUP 3: Warnstreiks im Nahverkehr vielerorts angelaufen |
| 27.02.2026 07:45:00 |
(Neu: NRW und Sachsen ergänzt)
BERLIN (dpa-AFX) - Bei Bussen und Bahnen im Nahverkehr gibt es seit
den frühen Morgenstunden in fast allen Bundesländern wegen
Warnstreiks erhebliche Einschränkungen. Beim größten deutschen
Nahverkehrsunternehmen, den Berliner Verkehrsbetrieben, wird laut
Gewerkschaft bereits seit 3.00 Uhr gestreikt. "Der Streik hat
begonnen", bestätigte Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt der
Deutschen Presse-Agentur in der Nacht. Für 48 Stunden sollen Busse,
Tram- und U-Bahnen in den Depots bleiben. Erst zum Betriebsbeginn am
Sonntagmorgen soll der Verkehr wieder anlaufen.
Auch im hessischen Nahverkehr hat die Arbeitsniederlegung begonnen.
Das bestätigte ein Verdi-Sprecher am Morgen. Demnach sind circa
5.200 Beschäftigte in den Städten Frankfurt, Wiesbaden, Gießen,
Marburg, Offenbach und Kassel dazu aufgerufen, ihre Arbeit
niederzulegen.
Heute und am Samstag bleiben auch in Bayern viele Busse, Trams und
U-Bahnen in Bayern stehen. In 13 Städten hat der von Verdi
ausgerufene zweitägige Warnstreik begonnen. Betroffen sind unter
anderem die fünf größten bayerischen Städte München, Nürnberg,
Augsburg, Regensburg und Ingolstadt.
Zudem wird Nordrhein-Westfalens Nahverkehr bestreikt. Der
Arbeitskampf sei wie geplant angelaufen, sagte der
Branchenkoordinator von Verdi NRW, Lukas Frew, am Freitagmorgen. "Es
ist überall losgegangen." Erneut werden mehr als 30 kommunale
Verkehrsunternehmen bestreikt, die den größten Teil von NRW
abdecken. Die Liste der Städte, die von den Arbeitsniederlegungen
betroffen sind, ist lang. Unter ihnen sind Bonn, Köln, Düsseldorf,
Essen und Münster.
In den fünf größten Städten Sachsens stehen heute Busse und Bahnen
ebenfalls weitgehend still. Verdi hat die Mitarbeiter der kommunalen
Verkehrsbetriebe in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Plauen
zum ganztägigen Ausstand aufgerufen. In Leipzig gilt der Aufruf
zusätzlich für Samstag.
In den allermeisten Regionen dürften heute durch den Ausstand kaum
Busse, Tram- und U-Bahnen fahren. Vor allem Pendler sowie Kinder und
Jugendliche auf dem Weg zur Schule müssen sich heute meist andere
Möglichkeiten suchen, um rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Einige
Nahverkehrsunternehmen haben bereits angekündigt, dass sie
Notfahrpläne aufgestellt haben.
Niedersachsen und Deutsche Bahn nicht betroffen
In Niedersachsen gilt noch bis Ende März eine Friedenspflicht,
Arbeitskämpfe im ÖPNV sind dort bis dahin nicht möglich. Die
Deutsche Bahn und damit auch die S-Bahnen sind ebenfalls nicht von
dem Ausstand betroffen, da sich die Tarifrunde nicht auf den Konzern
bezieht. Die Bahn hat mancherorts angekündigt, dass sie das
S-Bahn-Angebot aufgrund der Warnstreiks ausweitet.
Ob es auch in Baden-Württemberg zu neuen Warnstreiks im öffentlichen
Personennahverkehr kommen wird, hatte Verdi zunächst offen gelassen.
Laut Pressemitteilung wird sich am Montag entscheiden, ob Verdi
angesichts der laufenden Verhandlungen mit dem Kommunalen
Arbeitgeberverband erneut zu Warnstreiks aufrufen wird.
Zweite bundesweite Aktion im ÖPNV diesen Monat
In den meisten Regionen dauern die Warnstreiks laut den
Verdi-Ankündigungen bis in die Nacht auf Sonntag. Mancherorts wurde
schon am Donnerstag die Arbeit niedergelegt, auch am Sonntag könnten
noch einige Nahverkehrsunternehmen von Ausständen betroffen sein.
So werden zum Beispiel in Bremen Warnstreiks bis in die Nacht auf
Montag angekündigt, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen nur am
Freitag. In einem Landkreis in Sachsen-Anhalt wiederum von
Donnerstag bis einschließlich Sonntag, also vier Tage lang.
Die Warnstreiks sind die zweite großangelegte Aktion in der
laufenden ÖPNV-Tarifrunde. Bei der ersten Aktion am 2. Februar kam
der öffentliche Personennahverkehr in großen Teilen des Landes
nahezu komplett zum Erliegen.
Lösung des Tarifkonflikts noch nicht in Sicht
In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit
den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi
insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen - etwa durch
kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten,
aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am
Wochenende. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei
der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und
Gehälter verhandelt.
Nach Ansicht von Verdi kamen die Gespräche zuletzt kaum voran. Auch
die Arbeitgeber beklagten zuletzt fehlenden Fortschritt bei den
Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte
ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierten beispielsweise, dass
Verdi bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die
Gewerkschaft am wichtigsten findet.
Wann es zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft zu
Tarifeinigungen kommen könnte, ist derzeit völlig offen. Die
Verhandlungen verlaufen regional sehr unterschiedlich - kurz vor
einem Abschluss schienen sie zuletzt aber nirgends zu
sein./nif/DP/mis
AXC0074 2026-02-27/07:45
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Autor: - dpa-AFX
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