| ROUNDUP: EU-Kommission kündigt Anwendung von Mercosur-Abkommen an |
| 27.02.2026 11:56:00 |
Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und
südamerikanischen Mercosur-Staaten wird trotz einer noch
ausstehenden Überprüfung durch den Gerichtshof der Europäischen
Union in Kürze angewendet. Das kündigte EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen in Brüssel an. Zuvor hatten am Donnerstag die
beiden Mercosur-Staaten Uruguay und Argentinien das Abkommen
ratifiziert und damit den Weg für diesen Schritt geebnet.
Die vorläufige Anwendung wird es Unternehmen in der EU und aus
Uruguay und Argentinien schon vor dem formellen Inkrafttreten des
Abkommens ermöglichen, von attraktiven neuen Zollregeln und anderen
Vorteilen zu profitieren. Dies ist vor allem deswegen relevant, weil
das formelle Inkrafttreten wegen des Europäischen Parlaments noch
Monate oder länger auf sich warten lassen könnte. Dieses hatte im
Januar mit knapper Mehrheit beschlossen, das Abkommen vor einer
endgültigen Abstimmung vom Europäischen Gerichtshof überprüfen zu
lassen.
Richter prüfen Abkommen
Wie lange es dauert, bis die Luxemburger Richterinnen und Richter
ihre Einschätzung vorlegen, ist unklar. Es gibt keine Höchstfristen.
Aus Luxemburg hieß es, dass die letzten Gutachtenverfahren zwischen
16 und 26 Monaten gedauert hätten.
Gegner des Abkommens kritisieren, es sei so angelegt, dass die
Freihandelsabsprachen von Mitgliedstaaten nicht mit
Einstimmigkeitsprinzip angenommen werden mussten. Zudem wird
befürchtet, dass EU-Standards bei Verbraucherschutz, Umwelt und
Tierwohl beeinträchtigt werden könnten - was die EU-Kommission
allerdings kategorisch zurückweist.
Chancen für europäische Auto- und Pharmahersteller
Der Mercosur-Deal war zu Jahresbeginn in Paraguay nach mehr als 25
Jahren Verhandlungen gegen den Willen von Staaten wie Frankreich und
Polen unterzeichnet worden. Damit soll eine neue Freihandelszone mit
rund 720 Millionen Einwohnern geschaffen werden. Durch den Abbau von
Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von Waren und
Dienstleistungen angekurbelt werden. Besonders große Chancen werden
für die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Pharmabranche
gesehen. Auf Autoimporte in die Mercosur-Länder wird beispielsweise
derzeit ein Zoll in Höhe von 35 Prozent fällig.
Neben Uruguay und Argentinien sind auch Brasilien und Paraguay bei
dem Abkommen mit dabei. Sie werden auch von der vorläufigen
Anwendung profitieren können, wenn sie den nationalen
Zustimmungsprozess abgeschlossen haben.
Symbol gegen Trumps Protektionismus
Die neue Freihandelszone gilt auch als ein Zeichen gegen die
protektionistische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. Von
der Leyen sagte, sie sei "eine Plattform für tiefes politisches
Engagement mit Partnern, die die Welt so sehen wie wir und die an
Offenheit, Partnerschaft und guten Glauben glauben - Partnern, die
verstehen, dass offener und regelbasierter Handel positive
Ergebnisse für alle liefert". Mercosur verkörpere den Geist, in dem
Europa auf der globalen Bühne handele. "Europa wird stärker und
unabhängiger", ergänzte sie.
Schutz vor Agrar-Dumpingpreisen
Widerstand gegen das Abkommen hatte es in Europa vor allem aus der
Agrarlobby gegeben. Diese sieht die Konkurrenz aus den
Mercosur-Staaten als Existenzbedrohung für die europäische
Landwirtschaft. In Südamerika können etwa Agrarprodukte wie
Rindfleisch günstiger produziert werden als in Europa.
Um ausreichend Regierungen von Mitgliedstaaten dennoch zur
Unterstützung des Abkommens zu bewegen, wurden in den letzten
Monaten noch weitreichende zusätzliche Schutzmechanismen für
Landwirte geschaffen. Im Fall eines schädlichen Anstiegs der
Einfuhren aus den Mercosur-Staaten oder eines übermäßigen
Preisverfalls für die EU-Erzeuger sollen damit rasch Gegenmaßnahmen
in Gang gesetzt werden können. Diese würden dazu führen, dass
Zollvorteile vorübergehend wieder ausgesetzt werden./aha/DP/jha
AXC0164 2026-02-27/11:56
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Autor: - dpa-AFX
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