| ROUNDUP: Boomer gehen in Rente - Ausländer stützen Arbeitsmarkt |
| 27.02.2026 12:39:00 |
Der deutsche Arbeitsmarkt wird zunehmend von
Menschen aus dem Ausland getragen. Zuwächse bei der Beschäftigung
habe es zuletzt nur noch durch Angehörige von Staaten außerhalb der
EU gegeben, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für
Arbeit, Andrea Nahles, bei der Vorstellung der Februar-Statistik für
den Arbeitsmarkt in Deutschland. "Die Beschäftigung deutscher
Staatsangehöriger sinkt vor allem altersbedingt kräftig", sagte
Nahles. "Es liegt ganz einfach daran, dass die Babyboomer jetzt auch
wirklich in Rente gehen."
Geflüchtete kommen mehr und mehr in Beschäftigung
Die Beschäftigung von Ausländern dagegen wachse über alle Branchen
hinweg, insbesondere bei Ukrainerinnen und Ukrainern sowie bei
Angehörigen der wichtigsten Asyl-Herkunftsländer. Nach Angaben des
Bundesarbeitsministeriums waren im Dezember 5,89 Millionen Ausländer
in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 224.000
mehr als im Vorjahr. Davon kämen 74.000 aus der Ukraine, 65.000 aus
den acht Haupt-Asylherkunftsländern und 21.000 aus dem Westbalkan.
Aber auch die gezielte Erwerbsmigration - also der Zuzug nicht aus
Fluchtgründen, sondern mit dem Hauptziel, eine Arbeit aufzunehmen -
hat sich seit 2020 von 200.000 auf 420.000 im Juni 2025 mehr als
verdoppelt. Gleichzeitig sei zu beobachten, dass
Vollzeitbeschäftigung weniger wird, dafür sei Teilzeit auf dem
Vormarsch, sagte Nahles. Sie hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass
der Fachkräftemangel für die deutsche Wirtschaft längerfristig ein
größeres Problem sein werde als die aktuelle Arbeitslosigkeit.
Industrie schwächelt weiter
Beschäftigungsrückgänge seien weiterhin vor allem in der Industrie
zu verzeichnen. Zuwächse gebe es etwa in der öffentlichen Verwaltung
und bei Dienstleistungen - diese reichten aber nicht mehr aus, um
die Rückgänge zu kompensieren. Die Bundesagentur geht von einem
Rückgang der Beschäftigung im laufenden Jahr um rund 40.000 aus.
Nahles begrüßte in diesem Zusammenhang die beabsichtigte Änderung in
der Asylgesetzgebung, die es Asylbewerbern grundsätzlich erlauben
soll, bereits nach drei Monaten eine Arbeit aufzunehmen. Die
Entscheidung sollte am Freitag im Bundestag getroffen werden.
Nahles: Wenig Änderung durch neues Gesetz
Die Aufnahme von Arbeit nach drei Monaten ist bereits jetzt für jene
Personen möglich, die nicht in Gemeinschaftsunterkünften
untergebracht sind - und damit für den Großteil der Geflüchteten.
Sie erwarte deshalb keine allzu großen Auswirkungen, weil nur die
Menschen in Gemeinschaftsunterkünften von der Änderung betroffen
seien. Schon jetzt seien 100.000 Menschen, deren Asylverfahren noch
nicht abgeschlossen sei, in Deutschland sozialversicherungspflichtig
in Beschäftigung.
Weiter über drei Millionen Arbeitslose
Insgesamt ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Februar im
Vergleich zum Vormonat um 15.000 gesunken, bleibt aber mit 3,07
Millionen über der Marke von drei Millionen. Das sind 15.000 weniger
als im Januar 2026, aber 81.000 mehr als im Februar 2025, wie die
Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte.
Die Arbeitslosenquote sank im Februar im Vergleich zum Vormonat
Januar um 0,1 Punkte auf 6,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr liegt
sie um 0,1 Punkte höher. Für die Februar-Statistik wurden Daten
herangezogen, die bis zum 11. des Monats zur Verfügung standen.
Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften hat sich praktisch
nicht verändert. Die Zahl der bei der Bundesagentur gemeldeten
offenen Stellen sank im Vergleich zum Vorjahr um lediglich 1.000 auf
638.000.
Ausbildungsmarkt in Bewegung
Auf dem Ausbildungsmarkt gibt es derzeit 345.000 gemeldete Stellen -
das sind 52.000 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Bewerber stieg
jedoch im gleichen Zeitraum um 4.000 auf 298.000. Der
Ausbildungsmarkt ist im Februar noch stark in Bewegung. Dennoch
befürchtet die Bundesagentur, dass es eine große Zahl von jungen
Leuten ohne Arbeitsplatz geben könnte, weil die Anforderungen der
Betriebe mit den Vorstellungen und Qualifizierungen der Bewerber
nicht immer übereinstimmt.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte Bundeskanzler Friedrich Merz
(CDU) auf, den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zur Chefsache zu
machen. "Drei Millionen Menschen sind derzeit ohne Arbeit und ohne
Perspektive, viel zu wenig Ausbildungsplätze für Berufsanfängerinnen
und Berufsanfänger schicken hunderttausende junge Menschen unter 25
Jahren ohne Berufsabschluss in die Abwärtsspirale. Gleichzeitig
fehlen in vielen Branchen die Fachkräfte", sagte
DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel./dm/DP/jha
AXC0180 2026-02-27/12:39
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Autor: - dpa-AFX
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