| ROUNDUP 2/Energie günstiger: Inflation sinkt unter zwei Prozent |
| 27.02.2026 15:11:00 |
(Neu: Ökonomenstimmen ergänzt)
WIESBADEN (dpa-AFX) - Kaum noch Preisanstiege bei Lebensmitteln und
günstigere Energie: Die Inflationsrate in Deutschland ist im Februar
wieder unter die Zwei-Prozent-Marke gefallen. Die Verbraucherpreise
lagen um 1,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats - nach 2,1
Prozent im Januar, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf
Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Von Januar auf Februar 2026
erhöhten sich die Verbraucherpreise nach Berechnungen der
Statistiker insgesamt um 0,2 Prozent.
Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater sieht die Inflation in
Deutschland weiterhin im grünen Bereich. "Der Preisauftrieb ist in
den vergangenen Monaten durch niedrigere Energiepreise und einen
starken Wechselkurs des Euro zum US-Dollar gebremst worden. Diese
Einflüsse fallen allerdings künftig weg, so dass es keinen weiteren
Rückgang der Inflation geben dürfte."
Gastro-Steuersenkung kommt bei Kunden nicht an
Preistreiber blieben im Februar Dienstleistungen, die sich erneut
überdurchschnittlich um 3,2 Prozent verteuerten. Hier wirkt sich die
Verteuerung des Deutschlandtickets für bundesweite Fahrten im
Regional- und Nahverkehr aus. Ökonom Michael Heise vom
Vermögensverwalter HQ Trust hat zudem die Beschäftigten im Blick:
"Steigende Löhne, auch im Mindestlohnbereich, sowie
Preissteigerungen im Bereich von Pflege und sozialen Einrichtungen
tragen erheblich zur Teuerung der Dienstleistungen bei."
Zudem spüren Kunden in vielen Restaurants und Cafés nichts davon,
dass zum Jahreswechsel die Mehrwertsteuer auf Speisen von 19 auf 7
Prozent gesenkt wurde. Viele Betriebe behalten die Steuerersparnis
ein.
Für Lebensmittel mussten die Menschen im Februar 1,1 Prozent mehr
zahlen als ein Jahr zuvor. Nach Daten aus den Ländern verteuerte
sich besonders Obst und Süßwaren, während Butter und Speisefette
deutlich billiger wurden. Im Januar hatten die Nahrungsmittelpreise
noch um 2,1 Prozent angezogen.
Energie günstiger, aber hohe Spritpreise
Entlastung gab es bei Energie: Hier sanken die Preise nach Angaben
des Bundesamtes im Februar um 1,9 Prozent. Günstiger wurde nach
Länderdaten Strom, Gas und besonders Heizöl. Autofahrer haben aber
das Nachsehen: Zuletzt meldete der ADAC die höchsten Spritpreise
seit mehr als eineinhalb Jahren. Denn an den Ölmärkten gibt es
Sorgen vor einem Krieg zwischen Iran und USA, der die Preise für
Rohöl nach oben treiben könnte.
Mehr Verbraucherinsolvenzen
Die steigenden Preise bringen viele Verbraucher in Bedrängnis. Im
vergangenen Jahr gab es nach Angaben des Informationsdienstleister
Crif knapp 108.000 Privatinsolvenzen - knapp 8 Prozent mehr als
2024. "Trotz einer grundsätzlich höheren Sparbereitschaft reichen
die Rücklagen in vielen Haushalten nicht mehr aus, um die steigenden
Kosten aufzufangen", sagte Crif-Deutschland-Geschäftsführer Frank
Schlein.
Inflation im Gesamtjahr um die zwei Prozent erwartet
An der Teuerung dürfte sich 2026 nicht viel ändern. Ökonomen
erwarten, dass die Inflationsrate im Gesamtjahr knapp über zwei
Prozent liegt. Für Preisdruck etwa im Restaurant dürfte die
Mindestlohnerhöhung zu Jahresbeginn sorgen. Denn viele Unternehmen
geben gestiegene Kosten an ihre Kundschaft weiter. Gedämpft wird die
Inflation hingegen vom starken Euro, der Importe nach Deutschland
verbilligt.
Ziehen die Preise stark an, schmälert das die Kaufkraft der
Menschen. Gerade beim täglichen Lebensmittel-Einkauf spüren
Verbraucher die Inflation. Nahrungsmittel haben sich dem
Bundesinformationszentrum Landwirtschaft zufolge zwischen 2021 und
2025 um fast ein Drittel verteuert - auch wenn die Preise oft nicht
permanent anziehen, sondern schwanken, wie bei Butter. Nicht zuletzt
wegen teurerer Lebensmittel ist die Inflation gefühlt für viele
Menschen deutlich höher als die offizielle Rate, die 2025 im Schnitt
bei 2,2 Prozent lag.
Teuerung wieder im moderaten Bereich
Die Preiswelle, die Deutschland nach dem russischen Angriff auf die
Ukraine erfasst hatte, ist aber ausgelaufen. Damals hatten sich
Energie und Lebensmittel rasant verteuert, was die Inflationsrate
hochschnellen ließ auf 6,9 Prozent im Jahresschnitt 2022 und 5,9
Prozent im Jahr 2023.
Bei einem Wert um die zwei Prozent liegt die Inflation heute wieder
in einem moderaten Bereich. Die Europäische Zentralbank etwa strebt
für den Euroraum ein stabiles Preisniveau bei mittelfristig 2,0
Prozent Inflation an. Zudem haben viele Menschen dank steigender
Löhne wieder mehr Geld in der Tasche: Im vergangenen Jahr stiegen
die Einkommen erneut stärker als die Inflation. Unter dem Strich
kletterten die Reallöhne laut Statistischem Bundesamt um 1,9
Prozent. Das Reallohnniveau aus dem Vor-Pandemie-Jahr 2019 wurde
damit fast wieder erreicht./als/ceb/DP/mis
AXC0223 2026-02-27/15:11
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Autor: - dpa-AFX
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