| WOCHENAUSBLICK: Dax-Rekord nach Nahost-Eskalation erst mal kein Thema mehr |
| 01.03.2026 17:24:00 |
Zum Auftakt des Börsenmonats März dürfte die
Eskalation im Nahen Osten die Stimmung an den Aktienmärkten
belasten. Nach einem leichten Plus in den ersten zwei Monaten des
Jahres wird der Dax am Montag vermutlich zunächst
nachgeben und wieder unter die wichtige Marke von 25.000 Punkten
rutschen. Der Broker IG taxierte den deutlichen Leitindex am
Sonntagnachmittag auf rund 24.900 Punkte und damit eineinhalb
Prozent unter dem Stand vom Freitag.
Das Rekordhoch von 25.507 Punkten, das vergangene Woche noch in
Reichweite war, dürfte damit erst mal aus dem Blick geraten. Vor dem
Wochenende hatten noch einige Analysten wie die Experten von
Index-Radar damit gerechnet, dass Anfang März erneut Bestmarken
folgen könnten. Sie hielten in der Folge im März, der zudem als
guter Börsenmontag gilt, sogar einen weiteren Vorstoß in Richtung
26.000 Punkte für möglich.
Voraussetzung dafür wäre aber gewesen, dass geopolitische
Störfaktoren ausbleiben. Doch mit der Tötung von Irans oberstem
Führer Ajatollah Ali Chamenei bei amerikanisch-israelischen
Luftangriffen am Wochenende ist genau ein solcher dazugekommen. Die
iranischen Revolutionsgarden haben mit Angriffen auf US-Stützpunkte
in der Region sowie Israels Armeehauptquartier und einen
Rüstungskomplex in Tel Aviv reagiert.
Größte direkte wirtschaftliche Folge dürfte ein steigender Ölpreis
sein. Wegen der Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf den
Iran könnten in nächster Zeit Liefermengen aus der ölreichen
Islamischen Republik wegfallen. Ein weitaus wichtigerer Faktor für
das Risiko steigender Ölpreise ist jedoch die Lage an der Straße von
Hormus.
Durch diese Meeresenge zwischen dem Iran und dem Oman wird täglich
rund ein Fünftel der globalen Öltransporte verschifft. Nach Angaben
einer iranischen Nachrichtenagentur haben Irans Revolutionsgarden
den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nach Beginn der Angriffe
auf den Iran eingeschränkt. Nach staatlichen Angaben aus dem Oman
wurde im Bereich der Meeresenge ein Öltanker angegriffen.
Acht Ölförderländer haben deswegen am Wochenende reagiert und wollen
ihre Produktionsmengen ab April deutlich stärker anheben als von
Analysten und Experten ursprünglich erwartet. Insgesamt wird die
Tagesproduktion um 206.000 Barrel (je 159 Liter) gesteigert, wie die
Kerngruppe des Ölkartells Opec+ am Sonntagmittag nach einer
Online-Sitzung mitteilte.
Die Gruppe, die von Saudi-Arabien und Russland angeführt wird,
erwähnte den jüngsten Krieg im Nahen und Mittleren Osten mit keinem
Wort. Stattdessen wurde die Produktionserhöhung mit dem stabilen
Ausblick der globalen Wirtschaftslage und niedrigen Ölvorräten
erklärt. Die Staaten der Opec+ könnten zwar Ausfälle aus dem Iran
ausgleichen, doch sie haben nicht genug freie
Produktionskapazitäten, um eine Hormus-Blockade wettzumachen,
warnten die Analysten der Commerzbank kurz vor Beginn der jüngsten
Eskalation.
Baader-Bank-Experte Robert Halver hatte Ende vergangener Woche je
nach Nachrichtenlage weitere Kursschwankungen wegen Zinsfantasie,
Geopolitik und Zöllen für möglich. Er glaubt aber, dass kurze
ruckartige Kursrücksetzer längerfristig günstige
Einstiegsgelegenheiten schaffen. Von besonderer Bedeutung dürfte
nach unten die Marke von 25.000 Punkten bleiben, die in der zweiten
Februar-Hälfte Unterstützung gab.
"Trotz der aktuellen Risiken - Zoll-Chaos, Iran, KI-Ängste - zeigen
sich die Aktienmärkte weltweit widerstandsfähig", schrieb
Baader-Bank-Fachmann Halver. Diese Themen hinterließen zwar ihre
Spuren in der Anleger-Psyche und am US-Aktienmarkt übernähmen die
Pessimisten allmählich die Überhand, doch genau dies spreche gegen
deutliches Korrekturpotenzial.
Halver beobachtete zuletzt, dass europäische Aktien im globalen
Umfeld durch einen Sinneswandel wiederentdeckt werden. "Die
langanhaltende KI-Euphorie ist zwischenzeitlich Ernüchterung
gewichen", schrieb er. KI-Fantasie hatten in den vergangenen Jahren
vor allem die US-Börsen zu bieten, doch nun wirke Europas
"Tech-Abstinenz wie eine willkommene Sorgenpause". Der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stellte im Februar
immer wieder Rekorde auf, während die Bestmarke des
US-Technologieindexes Nasdaq 100 schon vier Monate
alt ist.
Chefstratege Robert Greil von der Privatbank Merck Finck blieb
zuletzt auf globaler Ebene für Aktien positiv gestimmt, nicht
zuletzt weil der Konjunkturtrend aufwärts gerichtet bleibe. In
diesem Punkt erwartet er in der kommenden Woche viele neue
Eindrücke, vor allem vom nächsten US-Arbeitsmarktbericht, der am
Freitag erwartet wird. Davor aber könnten Einkaufsmanagerindizes des
Instituts ISM am Montag und Mittwoch relevant werden.
"Beim Arbeitsmarktbericht wird für die US-Notenbank Fed wichtig
sein, ob sich der gute Trend vom Januar im Februar bestätigt",
erwähnte Greil. Für Anleger wäre dies dann relevant, weil es die
Zinssenkungsfantasien weiter dämpfen würde. Andreas Hürkamp von der
Commerzbank rechnet im Februar in den USA mit nur 60.000 neuen
Stellen nach 130.000 im Januar. Der anhaltend schwache
Stellenzuwachs spreche im Jahresverlauf für drei Zinsschritte der
Fed. Am Markt als eingepreist gelten aber nur zwei.
In Deutschland könnten im Wochenverlauf noch weitere Impulse von der
Berichtssaison ausgehen, die mit einer Vielzahl von Dax-Werten
weitergeht. Genannt seien dabei Beiersdorf am
Dienstag sowie Adidas , Bayer ,
Continental und Symrise am Mittwoch.
Am Donnerstag werden dann außerdem noch Zahlen von Merck
und DHL erwartet. Mit Lufthansa
rundet ein potenzieller Dax-Rückkehrer am Freitag die
Woche ab. In den USA könnte am Mittwoch Nvidia-Konkurrent
Broadcom in den Fokus
rücken./tih/la/he/zb/he
--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---
ISIN DE0008469008
AXC0114 2026-03-01/17:24
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Autor: - dpa-AFX
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