| ROUNDUP 2: Iran-Konflikt weitet sich aus - Hisbollah greift Israel an |
| 02.03.2026 06:35:00 |
Der Konflikt im Nahen Osten
weitet sich nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts
Ajatollah Ali Chamenei weiter aus. Die libanesische Hisbollah-Miliz
feuerte in der Nacht mehrere Raketen auf Israel ab und greift damit
an der Seite Teherans in den Kampf gegen den Erzfeind ein. Israel
reagierte mit Bombardements in südlichen Vororten der Hauptstadt
Beirut und anderen Teilen des nördlichen Nachbarlandes. Zugleich
startete Israels Luftwaffe nach Armeeangaben eine neue Angriffswelle
im Herzen Teherans. Auch das US-Militär greift laut Präsident Donald
Trump weiter im Iran an.
Es ist das erste Mal seit Beginn einer Waffenruhe zwischen der
Hisbollah und Israel im November 2024, dass die vom Iran
unterstützte Schiiten-Miliz Israel mit Raketen angreift. Sie
begründete dies mit der Tötung Chameneis bei einem israelischen
Luftangriff am Samstag in Teheran. Israels Armee fing nach eigenen
Angaben ein Geschoss ab, andere seien in offenem Gelände
niedergegangen. Die Hisbollah trage "die volle Verantwortung für
jede Eskalation", erklärte der israelische Generalstabschef Ejal
Zamir in der Nacht.
Israel warnt vor Eskalation
Israels Armee griff in Reaktion darauf in Beirut nach eigenen
Angaben ranghohe Mitglieder der Hisbollah an. Ein weiteres sei im
Süden des Libanons getroffen worden. Die Angriffe im Libanon würden
fortgesetzt, "ihre Intensität wird zunehmen", kündigte der
zuständige israelische Kommandeur Rafi Milo heute Morgen nach der
ersten Angriffswelle an. Israel und die Hisbollah führten bis Ende
2024 Krieg, seither gilt eigentlich eine Waffenruhe. Die Miliz ist
zwar stark geschwächt, soll jedoch noch über große militärische
Fähigkeiten verfügen.
Eine weitere mit dem Iran verbündete Miliz im Irak griff nach
eigenen Angaben einen Stützpunkt der US-Truppen in der Hauptstadt
Bagdad an. Sie habe heute am frühen Morgen den US-Stützpunkt nahe
dem Flughafen mit einer Drohne attackiert, teilte Saraja Aulija
al-Dam mit. Auch sie sprach von "Vergeltung" für Chameneis Tod und
"Unterstützung" für den Iran. Eine Bestätigung von offizieller
irakischer Seite oder vom US-Militär gab es zunächst nicht.
Israel und die USA attackieren seit Samstag Ziele im Iran. In den
ersten 24 Stunden griff allein das US-Militär nach eigenen Angaben
mehr als 1.000 Ziele in der Islamischen Republik an. Dazu gehörten
unter anderem das Hauptquartier der Revolutionsgarden,
Luftabwehrsysteme, Kriegsschiffe, U-Boote, militärische
Kommunikationseinrichtungen, Kommandozentren sowie Stellungen mit
ballistischen Raketen, wie das Regionalkommando des Militärs
(Centcom) mitteilte.
Teheran reagiert mit Gegenangriffen auf Israel und auf Golfstaaten,
in denen die USA Stützpunkte unterhalten. Die Staaten in der Region
des Persischen Golfs verurteilten Irans "ungerechtfertigte" Angriffe
auf ihre Territorien. Man werde "alle nötigen Maßnahmen" ergreifen,
Sicherheit und Stabilität zu gewähren sowie alle Bürger zu schützen,
"einschließlich der Option, auf die Aggression zu antworten",
erklärten die Außenminister des Golfkooperationsrats (GCC).
Golfstaaten verurteilen Irans Gegenangriffe
Bislang haben die Staaten Saudi-Arabien, Katar, Oman, Bahrain,
Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die Angriffe des
Irans nur abgewehrt, aber nicht zurückgeschlagen. Die USA und eine
Gruppe arabischer Staaten verurteilten Irans Gegenangriffe in einer
gemeinsamen Erklärung. Diese stellten eine gefährliche Eskalation
dar, die die Souveränität mehrerer Staaten verletze und die
regionale Stabilität gefährde, erklärte das US-Außenministerium.
Die Emirate schließen nach eigenen Angaben ihre Botschaft in Teheran
und ziehen ihren Botschafter sowie sämtliches diplomatisches
Personal aus dem Iran ab. Das Militär des Landes wehrte nach eigenen
Angaben inzwischen unter anderem 152 ballistische Raketen und 506
Drohnen aus dem Iran ab. In Bahrain stürzten Trümmer einer
abgefangenen Rakete auf ein Schiff und lösten ein Feuer aus. Dabei
starb ein Arbeiter, wie das Innenministerium auf X mitteilte.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten den Iran auf,
die Angriffe zu stoppen und behalten sich militärische
Abwehrmaßnahmen vor. Die Angriffe seien "wahllos und
unverhältnismäßig", hieß es in einer in Berlin verbreiteten
gemeinsamen Erklärung von Kanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs
Präsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer.
Der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern wurde derweil
in der Nacht von einer mutmaßlichen Drohne getroffen. Das bestätigte
das Verteidigungsministerium in London laut der Nachrichtenagentur
PA. Bei dem Vorfall sei niemand verletzt worden. Wer die Drohne
abgefeuert hatte, war zunächst nicht bekannt.
USA und Israel greifen weiter an
Derweil greifen die USA und Israel den Iran weiter an. Dabei werden
vor allem Mitglieder der Staats- und Militärführung ins Visier
genommen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am
Sonntagabend die Namen von sieben getöteten Generälen. Darunter sind
Mohammed Schirasi, der Stabschef des getöteten Chamenei und dessen
Stellvertreter Akbar Ebrahimzadeh.
"Die Kampfhandlungen werden derzeit mit voller Kraft fortgesetzt und
werden so lange andauern, bis alle unsere Ziele erfüllt sind", sagte
US-Präsident Trump. Das US-Militär setzt dabei nach eigenen Angaben
auch Tarnkappenbomber vom Typ B-2 ein. Sie griffen mit gut 900
Kilogramm (2.000 Pfund) schweren Bomben Irans besonders gut
geschützte Einrichtungen für ballistische Raketen an, wie das
zuständige Regionalkommando Centcom auf X mitteilte.
Der Iran sieht seine Fähigkeiten, Krieg zu führen, durch die
amerikanisch-israelischen Bombardierungen nicht eingeschränkt.
Dezentralisierte Verteidigungsstrukturen ermöglichten seinem Land,
den Krieg nach Belieben in die Länge zu ziehen, schrieb Irans
Außenminister Abbas Araghtschi auf X./ln/DP/zb
AXC0061 2026-03-02/06:35
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Autor: - dpa-AFX
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