| ROUNDUP 2/Mehr Sprengköpfe, mehr Europa: Paris stärkt Atomabschreckung |
| 02.03.2026 17:25:00 |
(neu: Details)
ÎLE LONGUE (dpa-AFX) - Angesichts steigender geopolitischer
Spannungen und Unsicherheiten mit Blick auf den Partner USA baut
Frankreich seine nukleare Abschreckung aus. Das Land erhöht auf
Anordnung von Präsident Emmanuel Macron die Zahl seiner
Atomsprengköpfe. Gleichzeitig will Frankreich seinen atomaren
Schutzschirm gemeinsam mit Deutschland und weiteren Verbündeten auf
Europa ausdehnen. "Wer frei sein will, muss gefürchtet sein. Wer
gefürchtet sein will, muss stark sein", sagte Macron auf einem
Stützpunkt auf der bretonischen Landzunge Île Longue, der die
französischen Atom-U-Boote beheimatet.
Anders als bisher wird Frankreich nicht mehr über die Zahl seiner
Atomwaffen informieren. In der EU ist Frankreich seit dem Austritt
Großbritanniens 2020 die einzig verbliebene Atommacht. Laut dem
Friedensforschungsinstitut Sipri besitzt das Land 290 der weltweit
etwa 12.200 Atomwaffen und ist damit nach Russland, den USA und
China die viertgrößte Atommacht.
Acht potenzielle Partner für breiter aufgestellte Abschreckung
Insgesamt acht Länder reagierten laut Macron positiv auf das
Gesprächsangebot Frankreichs für eine Ausweitung der nuklearen
Abschreckung. "Es wurden Kontakte zu einer ersten Gruppe von
Verbündeten geknüpft, angefangen natürlich mit unserem wichtigsten
Partner, Deutschland", sagte Macron. "Heute kann somit eine neue
Etappe der französischen Abschreckung konkretisiert werden." Die
weiteren interessierten Länder seien Polen, die Niederlande,
Belgien, Griechenland, Schweden und Dänemark.
Gemeinsame Übungen denkbar, aber Atomknopf bleibt in Paris
Konkret sagte Macron, dass Partner an den französischen Atomübungen
teilnehmen könnten. Außerdem könnten vorübergehend strategische
Elemente zu den Verbündeten verlegt werden. Auch die französischen
Luftstreitkräfte könnten tiefer in Europa unterwegs sein. "Diese
Zerstreuung auf dem europäischen Gebiet (...) wird die Rechnung
unserer Gegner erschweren und wird der vorgelagerten Abschreckung
für uns viel Wert verleihen", sagte Macron.
In einer gemeinsamen Erklärung von Macron und Bundeskanzler
Friedrich Merz (CDU) war bereits von einer konventionellen
Beteiligung Deutschlands an französischen Nuklearübungen die Rede.
Außerdem solle es gemeinsame Besuche strategischer Einrichtungen
sowie die Weiterentwicklung konventioneller Fähigkeiten mit
europäischen Partnern geben. Frankreich und Deutschland würden zudem
ihre Fähigkeiten unterhalb der nuklearen Schwelle verbessern,
insbesondere in den Bereichen Frühwarnung, Luftverteidigung und
Präzisionsschlägen in der Tiefe.
Der französische Staatschef betonte, die Entscheidung über den
Einsatz von Atomwaffen werde in jedem Fall beim französischen
Präsidenten bleiben - ebenfalls dessen Planung und Umsetzung.
Frankreich plant auch neues Atom-U-Boot
Bereits mehrfach hatte Macron Gespräche über die Ausweitung des
eigenen Atomschutzschirms angeboten. Der französische Präsident
betonte bei seiner lange erwarteten Strategierede auch, er schulde
es Frankreich, sicherzustellen, dass die Abschreckung glaubhaft
bleibe. Ein größeres Atomarsenal sei dafür unabdingbar, solle aber
kein Einstieg in einen atomaren Rüstungswettlauf werden.
Zur Begründung verwies Macron auf wachsende nukleare Bedrohungen
weltweit. Die Bedrohung vermische sich und die Verteidigung
möglicher Gegner werde stärker. Konkret nannte Macron eine wachsende
atomare Rüstung Chinas, die explosive Lage im Nahen Osten sowie die
Bedrohung durch Russland.
Zum Ausbau von Frankreichs nuklearem Waffenarsenal sagte Macron, bis
2036 werde ein neues Atom-U-Boot gebaut. Auch soll ein neues
Programm für Hyperschallraketen aufgesetzt werden. Frankreich
verfügt über vier Atom-U-Boote, von denen Raketen mit
Atomsprengköpfen mit einer Reichweite von etwa 10.000 Kilometern
abgefeuert werden können. Auch aus der Luft kann Frankreich
Atomwaffen einsetzen. Seine Rafale-Kampfjets können die gut 50
Marschflugkörper des Landes mit Nuklearsprengköpfen abschießen.
Diese haben offiziell eine Reichweite von etwa 500
Kilometern./evs/DP/nas
AXC0318 2026-03-02/17:25
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Autor: - dpa-AFX
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