| ROUNDUP 2: Libanon verbietet Hisbollah militärische Aktivitäten |
| 02.03.2026 19:03:00 |
(neu: Hisbollah-Reaktion)
BEIRUT (dpa-AFX) - Die libanesische Regierung hat die militärischen
Aktivitäten der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz für illegal
erklärt. Das kündigte Ministerpräsident Nauaf Salam in einer
Fernsehansprache an. Das Kabinett habe in einer Notfallsitzung
beschlossen, "sämtliche Sicherheits- und Militäraktivitäten der
Hisbollah zu verbieten", sagte Salam. Damit verändert sich der
Status der Gruppe von einer teilweise geduldeten Widerstandsbewegung
zu einer verbotenen Organisation.
Die Entscheidung folgt auf erneute militärische Auseinandersetzungen
zwischen Israel und der Hisbollah. Als Reaktion auf die Tötung des
obersten Führers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hatte die
Hisbollah in der Nacht mehrere Raketen auf Israel abgefeuert. Das
israelische Militär greift seitdem Ziele im Libanon an, unter
anderem in denen als Dahija bekannten Vororten der Hauptstadt
Beirut. Die Hisbollah ist der wichtigste nicht-staatliche Verbündete
für den Iran und gilt als verlängerter Arm Teherans, insbesondere im
Kampf gegen den gemeinsamen Erzfeind Israel.
Hisbollah gilt als deutlich geschwächt
In Solidarität mit der Hamas im Gazastreifen hatte die Hisbollah
bereits im Oktober 2023 Raketen in Richtung Israel gefeuert. Daraus
entwickelte sich ein monatelanger gegenseitiger Beschuss, der
schließlich im Herbst 2024 in einen offenen Krieg mündete. Die
Hisbollah gilt seitdem als deutlich geschwächt. Im Rahmen einer
Waffenruhe sollte die Hisbollah schließlich ihre Waffen abgeben.
Der libanesische Staat steht seitdem unter Druck die Entwaffnung der
Hisbollah durchzusetzen. Israel greift trotz Waffenruhe nahezu
täglich weiter Ziele der Hisbollah im Libanon. Anfang des Jahres
erklärte die libanesische Armee, die erste Phase der Entwaffnung
abgeschlossen zu haben. Dazu zählte das Gebiet südlich des
Litani-Flusses, etwa 30 Kilometer von der israelischen Grenze
entfernt. Die restlichen Gebiete sollten folgen.
Die Hisbollah wurde lange von Teilen der Bevölkerung als
Widerstandsgruppe gegen Israel im Land toleriert. Die Schiiten sehen
sie etwa als eine Schutzmacht an. Sie war die einzige Gruppe, die
nach dem libanesischen Bürgerkrieg ihre Waffen behielt.
Salam: Entscheidung über "Krieg und Frieden" liegt beim Staat
Salam betonte mit Blick auf den jüngsten Beschuss der Hisbollah auf
Israel, dass Raketenangriffe vom libanesischen Staatsgebiet eine
Verletzung von Waffenruheabkommen und Regierungsentscheidungen
darstellen. "Der Staat lehnt jede militärische Aktion von seinem
Territorium aus entschieden ab", sagte er. Die Entscheidung über
"Krieg und Frieden" liege ausschließlich beim Staat.
Das Armeekommando wurde angewiesen, den Entwaffnungsplan sofort
voranzutreiben, insbesondere die Beschlagnahme von Waffen nördlich
des Litani River.
Hisbollah: Staat nicht in der Lage Israel zu stoppen
Die Hisbollah kritisierte die Entscheidung. Die Regierung sei "nicht
in der Lage, israelische Angriffe zu stoppen" und gehe gleichzeitig
gegen Libanesen vor, die die Besatzung (gemeint ist Israel)
ablehnten, hieß es in einer Stellungnahme unter Berufung auf den
Vorsitzenden der Hisbollah-Fraktion im Parlament, Mohammed Raad.
Die Aktionen der Hisbollah seien eine legitime Reaktion auf die
anhaltende "israelische Aggression". Raad warf der Regierung vor,
interne Gegner anzugreifen, anstatt sich Israel zu stellen. Er
warnte, dass solche Entscheidungen die inneren Spannungen verstärken
könnten.
Zuvor gab es in lokalen Medien unbestätigte Berichte, dass Raad bei
einem israelischen Angriff in der vergangenen Nacht getötet worden
sei./arj/DP/nas
AXC0352 2026-03-02/19:03
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Autor: - dpa-AFX
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