| ROUNDUP/Iran-Krieg und Tourismus: 'Es herrscht große Unsicherheit' |
| 03.03.2026 15:09:00 |
Der Krieg im Iran und die Auswirkungen auf die
ganze Region beinhalten alles, was die Tourismus-Branche bremst:
Gefahren für Leib und Leben, große Unsicherheit schon bei An- und
Abreise, absehbar steigende Kosten etwa mit Blick auf den Ölpreis.
Zugleich ist die Region nicht nur Reiseziel für viele Menschen,
sondern auch ein wichtiges Drehkreuz, zum Beispiel für Reisen von
Europa nach Südostasien. War's das also schon mit einem
erfolgreichen Jahr 2026 für die Tourismuswirtschaft?
Der Krieg verschärfe für die Branche die wirtschaftlichen
Unwägbarkeiten, sagte Anke Budde, Präsidentin der Allianz
Selbstständiger Reiseunternehmen, im RBB-Inforadio. "Sicherlich wird
uns das wirtschaftlich, finanziell treffen, weil jetzt auf absehbare
Zeit ein wichtiges Drehkreuz möglicherweise wegfallen wird", sagte
die Verbandschefin mit Blick auf die Flughäfen in Dubai und Doha.
"Es herrscht eine große Unsicherheit."
Krieg überschattet Tourismus-Messe in Berlin
Die ist auf der Tourismus-Messe ITB in Berlin eindeutig zu spüren.
Denn nur wenige Tage nach Beginn des Kriegs treffen sich derzeit in
der Hauptstadt Tausende Touristiker auf der weltweiten Leitmesse der
Branche. Statt über neue Trends wird vor allem über die Eskalation
im Iran gesprochen, über die Auswirkungen für die Branche, über
gestrandete Reisende und über Vertreter, die es wegen der
Reisebeschränkungen nicht nach Berlin geschafft haben.
Komplett verwaist ist der große Stand Israels in Halle 21. Das Land
hat seine Teilnahme abgesagt, laut der Messe Berlin konnten keine
Vertreter anreisen. Der Tourismus ist ein wesentlicher
Wirtschaftsfaktor des Landes.
Ähnlich wie am israelischen Stand sieht es einige Hallen weiter bei
der Repräsentanz der Vereinigten Arabischen Emirate aus. Der Stand
ist zwar geöffnet, aber kaum mit Personal besetzt.
Auch viele Vertreter der Arabischen Emirate konnten nicht anreisen
"Ich gehöre, wenn man das so sagen will, zu den wenigen Glücklichen,
die schon am 26. Februar hierher gereist sind", sagt eine
Mitarbeiterin. Sie geht nicht davon aus, dass es noch viele weitere
nach Deutschland und zur ITB schaffen werden. Für ihre Rückreise
macht sie sich dagegen wenig Sorgen. "Es wird sich ein Weg finden,
nach Hause zu kommen", sagt sie nur.
Wird die aktuelle Krise in der Region denn die Tourismuswirtschaft
der Vereinigten Arabischen Emirate treffen? "Nein", sagt die Frau
mit großer Überzeugung. "Es war schon immer so: Wenn es irgendwo auf
der Welt eine Krise gab, ging es im Tourismus der Vereinigten
Arabischen Emirate steil nach oben." Das sei etwa 2008 so gewesen,
als im Westen wegen der Finanzkrise die Stimmung einbrach. "Unsere
Regierung weiß, wie man das Spiel spielt, und sie wird einen Weg
finden, die Touristen anzulocken."
Vertreterin: Deutsche achten auf die Sicherheit - andere nicht so
Der aktuelle Krieg betreffe den Iran, die USA und Israel, die
Vereinigten Arabischen Emirate aber nicht, das betont sie immer
wieder. Dabei hatte der Iran im Zuge von Gegenschlägen auch einen
US-Stützpunkt in dem Land angegriffen.
Und wirken sich die Sorgen der Touristen über die Sicherheit in der
Region nicht auch auf angrenzende Länder aus? "Die Deutschen machen
sich viele Sorgen über die Sicherheit - die Menschen aus anderen
Ländern nicht so sehr", sagt sie.
Die Touristiker in Deutschland müssen sich darauf einstellen, dass
je nach Dauer und weiterem Ausmaß des Kriegs deutlich weniger
Menschen als bisher aus Israel und den arabischen Golfstaaten in die
Bundesrepublik kommen werden. Zuletzt sorgten Gäste aus Israel pro
Jahr für rund 615.000 Übernachtungen, Besucher aus den Golfstaaten
für rund 1,2 Millionen Übernachtungen.
Für einige Airlines geraten die Drehkreuze in der Region in Gefahr
Konflikte und Kriege im Nahen und Mittleren Osten betreffen aber
auch den Tourismus darüber hinaus, etwa weil Fluglinien wie
Emirates, Qatar Airways und Etihad Flughäfen in der Region als
zentrale Umstiegsorte nutzen. Flüge dieser Airlines von Europa
Richtung Südostasien führen in der Regel über Abu Dhabi, Dubai oder
Doha.
Die europäischen Airlines sind zumindest in der Hinsicht nicht ganz
so stark betroffen, da sie ihre sogenannten Hubs meist in Europa
haben. Sie müssen aber Umwege fliegen, wenn durch Kriege bestimmte
Lufträume nicht zur Verfügung stehen.
Insgesamt ist es nach Ansicht des Deutschen Reiseverbands zu früh,
um eine Vorhersage für die Tourismus-Branche für die nächsten Tage,
Wochen und Monate aufzustellen. Höchste Priorität habe derzeit, mit
Reiseveranstaltern vor Ort im Kontakt zu bleiben und Informationen
auszutauschen, sagte Verbandspräsident Albin Loidl bereits am Montag
auf der ITB. "Wir beobachten die Situation vor Ort sehr genau." Er
hoffe auf Deeskalation und eine diplomatische Lösung des Konflikts.
"Für unsere Industrie hat die Sicherheit der Reisenden und der
Partner vor Ort immer die höchste Priorität."/nif/DP/stw
ISIN DE0008232125 DE000TUAG505 US28265H1032
AXC0265 2026-03-03/15:09
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Autor: - dpa-AFX
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