| ROUNDUP 3: Beiersdorf sieht kaum Wachstum - Aktie sackt deutlich ab |
| 03.03.2026 16:11:00 |
(neu: Kursentwicklung, Experte)
HAMBURG (dpa-AFX) - Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf
rechnet im laufenden Jahr allenfalls mit einem geringen Wachstum.
"Ich gehe nicht davon aus, dass der Markt weiter rückläufig sein
wird", sagte Konzernchef Vincent Warnery der
Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Aber ich kann derzeit auch nicht
sagen, dass er schnell wieder wachsen wird." An der Börse kam der
trübe Ausblick am Dienstag überhaupt nicht gut an.
Der Kurs der Aktie sackte zuletzt um mehr als 18 Prozent auf 85,64
Euro ab. Damit ist der jüngste Erholungsversuch beendet, innerhalb
dessen das Papier von Kursen unter 90 bis auf 110 Euro geklettert
war. Die im Dax notierten Beiersdorf-Anteile gehörten
in den vergangenen zwölf Monaten zu den schwächsten deutschen
Standardwerten.
Im laufenden Jahr sei von einem "flachen bis leicht wachsenden
organischen Umsatz" auszugehen, die operative Umsatzrendite gemessen
am Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) und ohne Sondereffekte
dürfte "leicht unter" dem Vorjahresniveau liegen, hatte der Konzern
überraschend am Montagabend in Hamburg mitgeteilt. Diese Ziele
gelten auch jeweils für die beiden Geschäftsbereiche, also die
Konsumentensparte und das Klebstoffgeschäft Tesa. Die Jahresprognose
sei konservativ, sagte Warnery. Der Manager hält diese angesichts
der heute bekannten Fakten aber für realistisch.
Laut Celine Pannuti von der US-Bank JPMorgan lagen die Ergebnisse im
Rahmen der Erwartungen. Die Prognose für 2026 sei aber etwas mau.
Für Experte David Hayes vom Investmenthaus Jefferies bedeutet der
Ausblick auf das laufende Jahr für den Marktkonsens einen
Korrekturbedarf von etwa fünf Prozent. Der Branchenexperte erwartet
zudem Diskussionen über das Wachstum der Kernmarke Nivea.
Auch für Wassachon Udomsilpa von der kanadische Bank RBC steht der
unter den Markterwartungen liegende Ausblick auf 2026 im Fokus. Die
Signale für das erste Quartal seien sogar noch schlechter. Es sei
erstaunlich, dass nach dem guten Start des Wirkstoffs Epicelline,
der einen hautverjüngenden Effekt haben soll, offensichtlich so
wenig Schwung aus dem vierten Quartal übrig bleibe. Aus Sicht von
Barclays-Experte Warren Ackerman war auch die Telefonkonferenz wenig
überzeugend.
Im vergangenen Jahr lag der Konzernumsatz mit rund 9,9 Milliarden
Euro auf Vorjahresniveau. Organisch, also ohne Währungs- und
Portfolioeffekte, wurde ein Wachstum von 2,4 Prozent verzeichnet.
Die operative Umsatzrendite lag mit 14 Prozent leicht über dem
Vorjahreswert von 13,9 Prozent. Der Erlös lag dabei etwas unter den
Erwartungen von Analysten, während die Rendite diese in etwa traf.
"2025 war ein anspruchsvolles Jahr für die Hautpflegebranche,
geprägt von langsamerem Wachstum und anhaltender Marktvolatilität",
sagte Konzernchef Warnery laut Mitteilung. Das verlangsamte Wachstum
des Hautpflegemarkts und das volatile konjunkturelle Umfeld wirkten
sich negativ auf die kurzfristigen Wachstumsaussichten des Bereichs
Consumer aus, hieß es weiter.
Für das erste Quartal wird dort ein Ergebnis noch unterhalb der
anvisierten Gesamtjahresspanne erwartet. Belastend wirkten Störungen
im US-Einzelhandel sowie im chinesischen Reiseeinzelhandelsgeschäft,
so Beiersdorf. Unterdessen schreite die strategische Neujustierung
bei Nivea voran. "Mit den Ergebnissen von Nivea sind wir weniger
zufrieden, so Konzernchef Warnery. "Wir erwarten mehr". Nivea sei
eine große Marke und stärker den Marktdynamiken ausgesetzt.
Die Konsumentensparte wuchs im vergangenen Jahr aus eigener Kraft um
zweieinhalb Prozent. Hier stützte weiterhin vor allem ein deutliches
Wachstum bei den Hautpflege-Marken Eucerin und Aquaphor sowie bei
Gesundheitsprodukten. Der Nivea-Umsatz stieg organisch nur leicht.
Der Umsatz der Luxusmarke La Prairie war indessen organisch
rückläufig, verzeichnete im Schlussquartal aber ein Wachstum.
Der Bereich Tesa habe im vergangenen Jahr in einem herausfordernden
globalen Umfeld agiert, das unter anderem von Zoll- und
Währungsdruck, aber auch von anhaltendem Gegenwind für die
Automobilindustrie insbesondere in Europa und Nordamerika geprägt
gewesen sei. Auch 2026 dürfte das Marktumfeld für die
Klebstoffsparte herausfordernd bleiben, vornehmlich im Autosektor,
hieß es.
Das Hamburger Traditionsunternehmen kündigte zudem ein weiteres
Aktienrückkaufprogramm an. In den nächsten zwei Jahren sollen dabei
Aktien für bis zu 750 Millionen Euro zurückgekauft werden. Die
Dividende soll mit einem Euro je Aktie stabil bleiben. Von der
direkten Gewinnbeteiligung profitiert die Familie Herz am meisten,
die über die Maxingvest-Holding etwas mehr als die Hälfte der
Anteile hält./err/jha/zb/tav/mis/jha/
ISIN DE0005200000
AXC0290 2026-03-03/16:11
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Autor: - dpa-AFX
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