| ROUNDUP: Bessent stellt Start von 15-Prozent-Zoll diese Woche in Aussicht |
| 04.03.2026 16:48:00 |
Ein fester Händedruck, ein Klaps aufs Knie
und viele warme Worte. Bei allen inhaltlichen Differenzen und
Verwerfungen, die es in den Beziehungen zwischen Europa und den USA
von Zöllen über Grönland bis zur Ukraine gibt - US-Präsident Donald
Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz kommen immer noch ganz gut
miteinander aus.
Beim gemeinsamen Auftritt im Oval Office vor laufenden Kameras
wählte der Kanzler am Dienstag dieselbe Strategie, wie schon bei
seinem Antrittsbesuch im Juni vergangenen Jahres. Er ließ Trump
reden, hörte ihm geduldig zu und verzichtet auf Widerworte.
Beim ersten Mal ist er damit gut durchkommen, der Besuch wurde
anschließend medial als Erfolg gewertet. Diesmal löst er mit seiner
Zurückhaltung Ärger bei den europäischen Verbündeten aus. Fünf
Lehren aus den dreieinhalb Stunden im Weißen Haus.
Merz und Trump können miteinander
Ein "sehr erfolgreicher Mann", ein "ausgezeichneter Anführer", der
einen "großartigen Job" mache - wie schon beim Antrittsbesuch im
Juni vergangenen Jahres umschmeichelte Trump den Kanzler. Und er
sagte, was er besonders gut an ihm findet: Dass er "ziemlich das
Gegenteil" seiner Vorvorgängerin Angela Merkel (CDU) ist, mit der
Trump es in seiner ersten Amtszeit zu tun hatte. Deutschland war
damals Trumps Lieblingsgegner, weil es billiges russisches Gas über
die Nord-Stream-Pipeline bezog, nicht genug fürs Militär ausgeben
wollte und Hunderttausende Flüchtlinge ins Land ließ. Bei Merz sei
das nun anders, sagt er.
Trump will keine deutsche Militärhilfe gegen Iran
Die deutsche Haltung zum Iran-Krieg findet Trump "großartig" und auf
Forderungen nach einer Beteiligung an der Militäraktion verzichtet
er. "Wir fordern sie nicht auf, Bodentruppen zu entsenden oder
irgendetwas in der Art zu tun."
So viel Zufriedenheit Trumps mit der deutschen Haltung war nicht
unbedingt zu erwarten, da Merz vor seiner Reise zwar auf Kritik an
dem Angriff verzichtet, aber auch klar auf die Risiken hingewiesen
hat.
Im Oval Office versuchte Merz den Eindruck zu erwecken, dass er mit
Trump bei den Zielen der Operation weitgehend auf einer Linie sei.
"Wir sind uns einig, dass dieses schreckliche Regime in Teheran
beseitigt werden muss", sagte er.
Merz nimmt europäische Partner zunächst nicht in Schutz
Während Trump dem Kanzler schmeichelte, fuhr er harte Attacken gegen
Großbritannien und Spanien. Der britische Premierminister Keir
Starmer hatte ihm zunächst die Nutzung einer Militärbasis
verweigert. Trump nannte das "schockierend".
Noch härter ging er Spanien an, das den USA die Nutzung der
US-Stützpunkte auf seinem Territorium für die Luftangriffe
untersagte. "Sie waren unfreundlich." Und deshalb habe er seinen
Finanzminister Scott Bessent angewiesen, "alle Deals" mit Madrid
einzustellen.
Merz verzichtete auf offener Bühne darauf, die beiden Verbündeten in
Schutz zu nehmen. Auf Nachfrage stimmte er sogar in die Kritik an
Spanien ein - aber nur Blick auf die Weigerung des Landes, sich an
das gemeinsam vereinbarte Ziel zu den Nato-Verteidigungsausgaben zu
halten.
Mit einer harschen Reaktion hätte er die offene Konfrontation mit
Trump riskiert. Darauf verzichtete er. Hinter verschlossenen Türen
hielt er nach eigenen Angaben dann dagegen. "Ich habe ihm sehr
deutlich gesagt: Du kannst hier keinen isolierten Vertrag mit
Deutschland abschließen oder einen Vertrag mit ganz Europa, aber
Spanien nicht", sagte er in der ARD.
Die Verärgerung Spaniens konnte er damit aber nicht mehr aufhalten.
Außenminister José Manuel Albares sagte, er habe Deutschland seine
"Überraschung" über mangelnde Solidarität des Bundeskanzlers
übermittelt. Auch Sánchez reagierte. Er erwähnte Merz zwar nicht
direkt, sagte aber, es sei "naiv zu glauben, dass blinder und
unterwürfiger Gehorsam Führung bedeutet".
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sicherte Spanien in einem
Telefonat mit Sánchez die "europäische Solidarität Frankreichs" zu.
Damit steht Europa wieder einmal gespalten da.
Ukraine: Europa will zurück an den Verhandlungstisch
Bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein
mögliches Ende des Krieges vermitteln die USA derzeit alleine und
Europa steht an der Seitenlinie. Merz will das ändern und hat das
Trump auch deutlich gesagt: "Wir sind nicht bereit, ein Abkommen zu
akzeptieren, das über unsere Köpfe hinweg verhandelt wird."
Ob Trump da mitmacht, ist offen. Eine Reaktion ist aus dem Treffen
mit Merz jedenfalls nicht überliefert. Ob der Kanzler mit seinem
Appell Erfolg hatte, wird man erst sehen, wenn die Unterhändler
wieder zusammensitzen.
Im Zollstreit zwischen der EU und den USA gibt es keine Fortschritte
Keine Fortschritte gab es mit Blick auf den Zollstreit zwischen der
EU und den USA. Trump bekräftigte seine Absicht zur Einführung eines
weltweiten Zolls auf Importe in die USA von 15 Prozent. Zudem
untersuche seine Regierung weiter die Möglichkeit unterschiedliche
Zölle für unterschiedliche Länder zu erheben.
Dem europäischen Unmut darüber versuchte Trump mit einem Witz zu
begegnen. An den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer gewandt sagte
er: "Wie behandeln wir Deutschland? Ich denke, bei denen solltest du
sehr, sehr hart zuschlagen." Der US-Präsident gab Merz dabei einen
Klaps aufs Knie.
Auch zu diesem Thema schwieg der Kanzler auf offener Bühne lieber.
Von den 33 Minuten Redezeit vor den laufenden Kameras hatte Merz nur
drei./mfi/DP/stw
AXC0299 2026-03-04/16:48
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Autor: - dpa-AFX
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