| ROUNDUP/Preisschock: Werden Strom und Gas jetzt teurer? |
| 04.03.2026 17:40:00 |
Im europäischen Großhandel sind die Erdgaspreise
nach Beginn des Iran-Krieges stark gestiegen. Werden deshalb auch
Strom und Gas für die Haushalte wieder teurer?
Die Energiewirtschaft hält sich mit genaueren Prognosen zurück. "Ob
und wie sich die aktuellen Entwicklungen an den Großhandelsmärkten
auf Verbraucherpreise für Strom und Gas auswirken, lässt sich
pauschal nicht beantworten", heißt es etwa beim Verband BDEW. Dies
hänge von den Beschaffungs- und Absicherungsstrategien der
jeweiligen Lieferanten und von den Verträgen der Endkunden ab. "Im
Allgemeinen sind jedoch die Endkundenpreise für Strom und Gas bei
den meisten Lieferanten auf längere Zeit im Voraus fixiert und an
den Terminmärkten abgesichert."
Großhandelspreis steigt von Freitag auf Mittwoch
Der Iran hatte auf die Angriffe durch die USA und Israel mit
Gegenangriffen reagiert. Der Schiffsverkehr durch die Straße von
Hormus, ein Nadelöhr des weltweiten Energiehandels, kam zum
Erliegen. Dies hatte zu Beginn der Woche einen Preissprung an der
für Europa wichtigen niederländischen Börse TTF in Amsterdam
ausgelöst.
Hinzu kam, dass das katarische Öl- und Gasunternehmen Qatar Energy
nach Angriffen auf Betriebsanlagen in zwei Städten die Produktion
von Flüssigerdgas (LNG) eingestellt hat. Katar ist einer der
weltweit wichtigsten LNG-Produzenten. Durch die Straße von Hormus
werden etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert.
Es stammt primär aus Katar.
Zeitweise Verdoppelung des Gas-Großhandelspreises
Am Dienstag war der Preis für eine Megawattstunde Erdgas, das im
April geliefert werden soll, zeitweise auf fast 66 Euro geklettert,
den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Am Freitag - vor
Ausbruch des Krieges - war er noch mit knapp 32 Euro ins Wochenende
gegangen.
Im späten Dienstaghandel sorgte dann eine Ankündigung von
US-Präsident Donald Trump für wieder sinkende Preise. Demnach wird
die US-Marine Tankschiffe bei der Durchfahrt durch die Straße von
Hormus - falls erforderlich - eskortieren. Trump hat zudem eine
Behörde angewiesen, Risikoversicherungen und Garantien für den
gesamten Seehandel in der Region anzubieten.
Entscheidende Frage: Wann ist die Meerenge wieder passierbar?
Am Mittwoch gingen die Preise weiter zurück - am späten Nachmittag
kostete die Megawattstunde rund 50 Euro, was aber immer noch gut 56
Prozent über dem Freitagspreis lag.
Doch wie geht es weiter? "Das wichtigste weltweit ist: Wie lange
dauert die Schließung?", sagt der Gasmarktexperte Andreas Schröder
vom Analysehaus ICIS. "Sollte der Konflikt morgen vorbei sein, dann
können wir das fast vernachlässigen, weil Haushaltskunden meistens
Einjahresverträge haben." Aber wenn der Konflikt jetzt länger
dauere, dann würden auch für sie nächstes Jahr die Gaspreise
steigen.
Nach ICIS-Berechnungen würde eine vierwöchige Blockade der Straße
von Hormus die TTF-Preise noch im März auf 60 Euro je Megawattstunde
steigen lassen. Auch die Sommerpreise lägen dauerhaft 20 Prozent
über den Vorkriegs-Preisen. Eine dreimonatige Schließung könnte der
Prognose zufolge sogar Preise von 85 Euro bedeuten.
Schröder verwies noch auf einen weiteren Effekt: Teures LNG werde zu
einer stärkeren Entleerung der europäischen Gasspeicher führen, was
wiederum einen höheren Einspeicherbedarf im Sommer bedeute. Er hält
es allerdings für möglich, dass die Politik die verpflichtenden
Einspeichermengen verringert, um den Preisdruck zu mindern.
Droht ein Gas-Engpass?
Der Preis ist das eine, die Versorgung mit Gas das andere. Drohen
Engpässe? Nein, sagt die BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin
Andreae. "Direkte Auswirkungen auf die physische Gasversorgung in
Deutschland sind nach aktueller Einschätzung nicht zu erwarten."
Neben Gasspeichern und der heimischen Förderung werde die deutsche
Versorgung durch Importe via Pipeline vor allem aus Norwegen sowie
LNG-Importe aus einer Reihe von Ländern gesichert./tob/DP/men
AXC0316 2026-03-04/17:40
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Autor: - dpa-AFX
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