| ROUNDUP 4: Dieselpreis springt am Morgen über die 2-Euro-Marke |
| 04.03.2026 17:59:00 |
(neu: Statement des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie ergänzt.)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Dieselpreis ist infolge der Verwerfungen des
Iran-Krieges auf mehr als zwei Euro geklettert. In der morgendlichen
Preisspitze um 7.15 Uhr ermittelte der ADAC einen bundesweiten
Durchschnittspreis von 2,054 Euro pro Liter. Im weiteren Verlauf des
Vormittags sank er zunächst wieder knapp unter die 2-Euro-Marke.
Auch Superbenzin der Sorte E10 legte deutlich zu und kostete in der
morgendlichen Spitze 1,995 Euro pro Liter. Der Anstieg fiel aber
nicht ganz so stark aus wie beim Dieselpreis, der dem ADAC zufolge
deutlich sensibler auf Krisen reagiert. Beide Preise lagen am
Vormittag aber klar höher als zum gleichen Zeitpunkt des Dienstags.
Die Bundesregierung plant nach den Worten von Wirtschaftsministerin
Katherina Reiche keine Spritpreisbremse zur Entlastung von
Autofahrern vor dem Anstieg der Benzinpreise. "Das steht nicht auf
der Agenda", sagte die CDU-Politikerin in München.
Tagesdurchschnittspreise steigen ebenfalls stark
"Bei Diesel geht auch der Tagesdurchschnittspreis in Richtung 2
Euro", sagt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. "Ob
er dann über oder unter diesem Wert liegt, kann man jetzt noch nicht
sagen. E10 bleibt sicher darunter, hier könnte es auf 1,93 bis 1,94
Euro pro Liter hinauslaufen. Beides wäre deutlich mehr als noch
gestern."
Schon am Montag und Dienstag war der Spritpreis schnell gestiegen.
Der bundesweite Tagesdurchschnittswert, der die starken Schwankungen
im Tagesverlauf ausgleicht und dadurch auf lange Sicht besser
vergleichbar ist, lag am Dienstag bei 1,897 Euro für einen Liter E10
und bei 1,917 Euro für einen Liter Diesel. Schon das waren 12,1 und
17,7 Cent mehr als am Freitag.
Dass Diesel im Tagesdurchschnitt mehr als 2 Euro kostete, war
zuletzt im November 2022 passiert, bei E10 zuletzt im September 2022
- beides waren Folgen des Ukrainekrieges.
ADAC hält Preise für zu hoch
Eine ADAC-Sprecherin kritisierte die Preissteigerungen als
unverhältnismäßig hoch. Die Mineralölwirtschaft gebe den gestiegenen
Rohöl-Preis an die Verbraucher weiter, noch bevor die Kosten
angefallen seien, denn die Tanklager seien noch mit zu niedrigeren
Preisen erworbenen Kraftstoffen gefüllt. In der Vergangenheit seien
die Spritpreise fallenden Rohölpreisen nicht so schnell gefolgt.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie verwies auf deutlich
gestiegene Einkaufskosten. "Allein von Samstag, dem letzten
Vorkrisentag, bis Dienstag ist der Produktpreis für Diesel in
Rotterdam um 19 Cent je Liter oder um gut ein Drittel teurer
geworden. Das ist der Betrag, den die Tankstellen in Deutschland im
Einkauf jetzt schon mehr bezahlen müssen, um weiterhin mit
Kraftstoff beliefert zu werden", teilte der Verband mit. Daher
stiegen auch die Verbraucherpreise deutlich, wenn auch nicht im
selben Ausmaß.
Das Bundeskartellamt spricht in diesem Zusammenhang vom
Rakete-und-Feder-Effekt. Diesen habe es auch jetzt im Blick, heißt
es von der Behörde. Ihr Chef, Andreas Mundt, rät in der aktuellen
Lage - wie übrigens auch der ADAC - dazu, die Preise genau zu
vergleichen. Alte Faustregeln, wie dass es sich am Abend am
günstigsten tanke, gälten derzeit nur eingeschränkt oder gar nicht
mehr. Auch der ADAC rät zum Vergleich. Je nach Tankstelle kann es
große Abweichungen zum Durchschnittspreis geben. So gab es auch am
Morgen noch viele Tankstellen, an denen Diesel noch unter 2 Euro pro
Liter zu haben war.
ADAC-Experte Laberer hält den aktuellen E10-Preis im Verhältnis zu
Rohöl und Dollarkurs für zu hoch. Bei Diesel kämen noch andere
Faktoren hinzu. Solange die aktuelle Krise anhalte, werde Diesel
aber wohl teurer bleiben als E10. Normalerweise ist Diesel wegen
niedrigerer Steuern der günstigere Kraftstoff. Sobald sich die Lage
aber beruhige und der Ölpreis sinke, müsse dies "zügig an die
Verbraucher weitergegeben werden - die Spritpreise also deutlich
sinken", sagt Laberer.
Keine Versorgungsengpässe zu erwarten
Seit der Konflikt im Nahen Osten am Samstag eskaliert ist, steigen
die Preise für Öl und in der Folge auch für Sprit und Heizöl. Eine
wichtige Rolle spielt dabei die Straße von Hormus. Durch dieses
Nadelöhr vor der Küste des Irans fährt rund ein Fünftel der globalen
Öltransporte. Jede Störung dort kann die Energiepreise steigen
lassen und der Iran hat den Schiffsverkehr als Reaktion auf die
Angriffe eingeschränkt.
Der Ölpreis ist - zusammen mit dem Dollarkurs - der wichtigste
Treiber für Veränderungen beim Spritpreis. Der Wirtschaftsverband
Fuels und Energie wies auch darauf hin, dass der Nahe Osten derzeit
auch als Lieferant von fertigem Kraftstoff - insbesondere Diesel
teilweise ausfalle.
Die Versorgung Deutschlands mit Öl und Gas ist laut
Wirtschaftsministerin Reiche aber nicht gefährdet. "Wir sehen keine
Knappheiten bei Öl", sagte sie. "Im Gasmarkt sehen wir auch keine
physischen Knappheiten." Auch der Wirtschaftsverband Fuels und
Energie äußerte sich ähnlich. Deutschland beziehe sein Rohöl aus
rund 30 Ländern. Hauptlieferländer sind demnach Norwegen, die USA,
Libyen, Kasachstan und Großbritannien.
ADAC: Tankrabatt prüfen
Angesichts der stark gestiegenen Preise hat der Verkehrsclub auch
seine bisher eher kritische Position zu einem Tankrabatt angepasst.
Die Politik müsse zeitnah eine vorübergehende Absenkung der
Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen, um die Zusatzbelastungen der
Autofahrer für die Dauer der Krise zu begrenzen, sagte eine
Sprecherin. Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie
abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden. Das würde für
circa 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.
Zu Beginn des Ukraine-Krieges hatte es schon einmal eine
Spritpreisbremse gegeben. Damals wurde sie von Kritik begleitet,
dass die Mineralölindustrie den Steuervorteil nur teilweise an die
Verbraucher weitergegeben habe.
Koalition setzt Taskforce ein
Die Koalitionsfraktionen im Bundestag nehmen die steigenden Preise
für Sprit und Energie verstärkt in den Blick und setzen eine
Arbeitsgruppe dazu ein. Darauf verständigten sich die Vorsitzenden
Jens Spahn (CDU) und Matthias Miersch (SPD) sowie
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann, wie die Deutsche
Presse-Agentur erfuhr. Ziel der Taskforce solle sein, im engen
Austausch mit der Regierung die Entwicklung zu analysieren und
Handlungsmöglichkeiten zu prüfen.
Reiche sagte: "Wir müssen beobachten, wie lange die Kriegshandlungen
andauern und werden dann mit Krisenmechanismen, die wir
selbstverständlich in unserem Portfolio haben und ziehen können,
reagieren. Dazu ist aber jetzt kein Anlass." Welche Art von
Krisenmechanismen möglich sind, wollte Reiche nicht sagen. Die
Wirtschaftsministerin verwies darauf, dass die Bundesregierung die
im letzten Sommer während der damaligen vorübergehenden Sperrung der
Straße von Hormus tätige Taskforce wieder eingesetzt und die
Krisenstäbe aktiviert habe./ruc/DP/jha
ISIN US20825C1045 FR0000120271 GB0007980591 US30231G1022 GB00BP6MXD84
AXC0329 2026-03-04/17:59
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Autor: - dpa-AFX
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