| ROUNDUP 3: Bayer erwartet 2026 stabilen Gewinn - Glyphosat-Unsicherheit bleibt |
| 04.03.2026 18:22:00 |
(neu: Vorläufige Genehmigung Roundup-Vergleich, mit Schlusskurs
aktualisiert.)
LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Bayer rechnet 2026 mit einer
in etwa stabilen Geschäftsentwicklung. Insgesamt dürften höhere
Ergebnisbeiträge der Agrarsparte und des Geschäfts mit rezeptfreien
Medikamenten (Consumer Health) ein geringeres Ergebnis der
Pharmasparte kompensieren, sagte Finanzvorstand Wolfgang Nickl am
Mittwoch bei der Zahlenvorlage. Im Fokus bleiben aber vor allem die
Bemühungen des Dax-Konzerns um die milliardenteuren Glyphosat- und
PCB-Rechtsstreitigkeiten in den USA. Hier bleiben Unsicherheiten.
Die Aktie geriet zur Wochenmitte unter Druck, dämmte die Verluste
allerdings kurz vor Handelsschluss ein, weil ein US-Gericht einen
Glyphosat-Vergleich vorläufig genehmigte.
Bayer versucht, mit dem Mitte Februar angekündigten,
milliardenschweren Sammelvergleich das Thema Glyphosat-Klagen
weitgehend vom Tisch zu bekommen. Ferner verglich sich Bayer Anfang
2026 auch zu acht verbliebenen PCB-Urteilen am Sky Valley Education
Center im US-Bundesstaat Washington. Dabei geht es um Belastungen in
der Schule Sky Valley Education Center durch die seit Jahrzehnten
verbotene Umweltchemikalie PCB, und damit verbundene Vorwürfe von
Klägern, die Gesundheitsschäden darauf zurückführen. Zudem legte
Bayer jüngst auch Klagen wegen angeblicher Umweltverschmutzungen
durch PCB mit den US-Bundesstaaten Illinois und West Virginia bei.
Im Zuge des Lösungsversuchs stiegen die Rückstellungen und
Verbindlichkeiten für Rechtsstreitigkeiten per Ende vergangenen
Jahres auf 11,8 Milliarden Euro, der Großteil davon für Glyphosat.
Solche Rückstellungen werden für erwartete Zahlungen gebildet.
Da für den Vergleich, sollte er angenommen werden, schon 2026 hohe
Kosten anfallen dürften, wird Bayer dieses Jahr wohl Geld
verbrennen. So wird sich der freie Finanzmittelfluss (Free Cashflow)
auf minus 2,5 bis minus 1,5 Milliarden Euro belaufen, wie das
Unternehmen mitteilte. Darin sind Auszahlungen für
Rechtsstreitigkeiten von rund 5 Milliarden Euro berücksichtigt. Die
Nettofinanzverschuldung dürfte daher bis zum Jahresende auf 32 bis
33 Milliarden Euro steigen, nachdem sie sich 2025 auf gut 29,8
Milliarden verbessert hatte.
Es bleibe allerdings erst einmal die Unsicherheit, ob der
Glyphosat-Sammelvergleich auch gelingt. Ein US-Gericht genehmigte
ihn am Mittwoch zwar vorläufig, nun müssen aber noch genügend Kläger
zustimmen; im Grunde fast alle, wie Bayer-Chef Bill Anderson im
Februar betont hatte. Zumindest mit Blick auf die
Gerichtsentscheidung dürfte bald Klarheit herrschen: Die
Entscheidung sei wohl nur eine Frage von Tagen, sagte Anderson nun
in einer Telefonkonferenz.
Allerdings könnten Kläger womöglich auch erst einmal eine
Entscheidung des US-Supreme-Courts abwarten, die im Juni gefällt
werden könnte. Denn neben dem Sammelvergleich will Bayer das Thema
Glyphosat-Klagen auch durch eine erhoffte positive
Grundsatzentscheidung des obersten US-Gerichts abhaken.
Die dortigen Richter müssen exemplarisch anhand des Falls "Durnell"
entscheiden, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf der
Unkrautvernichter - wie Bayer argumentiert - über dem Recht von
Bundesstaaten steht. Damit wären keine Warnhinweise notwendig, weil
die US-Umweltbehörde EPA in dem Mittel keine Gesundheitsrisiken
sieht, wenn es entsprechend der Vorschriften angewendet wird.
Mit Blick auf das Tagesgeschäft kalkuliert Bayer basierend auf den
Wechselkursen Ende 2025 für das neue Jahr mit einem Umsatz von 44
bis 46 Milliarden Euro sowie mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern
und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten von 9,1 bis 9,6
Milliarden Euro. Damit wäre beim Umsatz bestenfalls ein kleines Plus
drin. Das operative Ergebnis würde in jedem Fall leicht sinken,
während Analysten bisher im Durchschnitt mit einem kleinen Plus
rechnen.
Da Erlöse und Gewinn von Bayer oftmals stark von
Währungsentwicklungen beeinflusst werden, gab der Konzern wie üblich
um Wechselkurseffekte bereinigte Prognosen ab: Auf Basis der
monatlichen Durchschnittskurse des Jahres 2025 - sieht Bayer den
Umsatz 2026 bei 45 bis 47 Milliarden Euro sowie das operative
Ergebnis bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro.
Analyst Richard Vosser von der Bank JPMorgan rechnet nun mit etwas
sinkenden Markterwartungen für 2026, was aber vor allem an den
Wechselkursbelastungen liege. Die Resultate 2025 seien derweil
solide.
2025 sank der Konzernumsatz um 2,2 Prozent auf 45,58 Milliarden
Euro. Dabei belasteten aber erneut Wechselkurseffekte. Diese sowie
Portfolioveränderungen herausgerechnet ergibt sich ein Plus von 1,1
Prozent. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen,
Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 4,5 Prozent auf 9,67
Milliarden Euro. Beide Werte liegen etwas über den mittleren
Analystenschätzungen.
Allerdings rissen die Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten in den
USA die Leverkusener im vergangenen Jahr noch tiefer in die
Verlustzone. Unter dem Strich wuchs der Nettoverlust um gut eine
Milliarde auf knapp 3,6 Milliarden Euro. Damit haben die Glyphosat-
und PCB-Klagen in den USA einmal mehr schwer belastet.
Der Aktienkurs von Bayer fiel am Mittwoch zwischenzeitlich deutlich
um bis zu 7,6 Prozent auf 35,38 Euro. Vor dem Handelsschluss
reduzierte das Papier die Verluste dann spürbar und schloss mit 2,4
Prozent im Minus bei 37,40 Euro. Seit dem Zwischenhoch von fast 50
Euro Mitte Februar ist der Kurs damit schon wieder ein gutes Stück
zurückgekommen, nachdem die anfängliche Euphorie über den
Glyphosat-Sammelvergleich gewichen war.
Gleichwohl: Seit Beginn einer rasanten Erholung im November
summieren sich die Kursgewinne auf rund ein Drittel. Damals hatten
positive Studendaten zum Gerinnungshemmer Asundexian die Hoffnungen
auf eine Belebung des Pharmageschäfts verstärkt. Anschließend wurde
die Rally dann angetrieben von der Entscheidung des US Supreme
Courts, den Fall "Durnell" zur Verhandlung
anzunehmen./mis/men/stk/jha/men
ISIN DE000BAY0017
AXC0340 2026-03-04/18:22
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Autor: - dpa-AFX
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