| ROUNDUP 2: Spanien über Schweigen von Merz bei Trump verärgert |
| 04.03.2026 18:37:00 |
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MADRID/BERLIN/BRÜSSEL/PARIS (dpa-AFX) - Das Schweigen von
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angesichts der harschen Kritik
von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus an Spaniens Widerstand
gegen den Iran-Krieg hat die Regierung in Madrid verärgert.
Diplomatisch höflich formulierte Spaniens Außenminister José Manuel
Albares, er habe Deutschland seine "Überraschung" über die mangelnde
Solidarität des Bundeskanzlers übermittelt.
Außenminister Johann Wadephul betonte, die EU-Mitgliedsländer
stünden zusammen und würden sich nicht auseinanderdividieren lassen.
"Und wir lassen auch nicht zu, dass ein einzelner Mitgliedsstaat
wettbewerbsrechtlich oder beim Marktzugang bedroht wird", sagte der
CDU-Politiker nach einer Sitzung des Ostseerats in Warschau. Er
ergänzte: "Wir stehen in der Europäischen Union zusammen. Und das
gilt auch für Spanien ganz selbstverständlich." Es habe von
amerikanischer Seite Vorwürfe gegeben, diese habe Merz aber auch mit
Trump besprochen.
Spanien ist innerhalb der EU einer der schärfsten Kritiker von
Trumps Politik und setzt sich deutlich von dem eher auf
Schadenbegrenzung bedachten Kurs anderer europäischer Staats- und
Regierungschefs wie etwa Merz ab.
Sánchez zog Groll Trumps schon öfter auf sich
Der linke Regierungschef Pedro Sánchez bezweifelt, ob die Angriffe
auf den Iran vom Völkerrecht gedeckt sind und verbot deshalb die
Nutzung spanischer Militärbasen durch das US-Militär für Einsätze
gegen den Iran.
Er hatte sich in der Vergangenheit schon wiederholt mit Trump
angelegt, indem er die Erhöhung der Militärausgaben auf fünf Prozent
des Bruttoinlandsprodukts ablehnte, US-Techkonzerne an die Kandare
legen will oder die Festnahme des venezolanischen Präsidenten
Nicolás Maduro kritisierte.
Merz ließ Trumps Attacken zunächst unerwidert
Trump hatte bei dem Treffen mit Merz am Dienstag im Weißen Haus in
Washington harte Kritik an den Regierungen in Madrid und London
geübt. "Einige europäische Länder wie Spanien haben sich schrecklich
verhalten", sagte er mit Blick auf die US-Angriffe auf den Iran.
"Spanien hat tatsächlich gesagt, dass wir ihre Stützpunkte nicht
nutzen dürfen", beschwerte sich Trump.
"Sie waren unfreundlich." Und deshalb habe er seinen Finanzminister
Scott Bessent angewiesen, "alle Deals" mit Madrid einzustellen.
Welche Abkommen Trump meinte, blieb zunächst unklar. Vor laufenden
Kameras ging Merz im Weißen Haus nicht auf die Angriffe Trumps ein.
Später trat der Kanzler der Drohung Trumps entgegen, die
Wirtschaftsbeziehungen zu Spanien zu kappen. Mit Blick auf den
US-Zollkonflikt mit der EU betonte er, Spanien sei Mitglied der EU.
"Und als solches führen wir Verhandlungen über ein Zollabkommen mit
den USA nur gemeinsam oder gar nicht", stellte Merz klar.
Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte am Mittwoch in Berlin auf
eine Frage nach Merz' Verhalten in Washington: "Der Kanzler hat im
Oval Office zu Spanien nicht reagiert und hat anschließend im
Gespräch - wie er das selbst gestern anschließend mitgeteilt hat -
diese Situation noch mal aufgegriffen und eine Klarstellung
gemacht."
Sánchez warnt vor Naivität
Diese Äußerungen wurden in spanischen Medien als Versuch des
Kanzlers gewertet, sein anfängliches Schweigen gegenüber Trump zu
korrigieren. Sánchez erwähnte Merz zwar nicht direkt, sagte aber, es
sei "naiv zu glauben, dass blinder und unterwürfiger Gehorsam
Führung bedeutet".
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der die Angriffe gegen den
Iran ebenfalls als nicht vom Völkerrecht gedeckt sieht, sicherte
Spanien in einem Telefonat mit Sánchez die "europäische Solidarität
Frankreichs" zu.
Der britische Premier Keir Starmer bemühte sich bei der
wöchentlichen Fragestunde im Parlament in London, die beißende
Kritik Trumps vom Vortag als nebensächlich abzutun. Für den
innenpolitisch schwer angeschlagenen Starmer ist der Iran-Krieg
heikel. Das liegt vor allem daran, dass die Briten dem früheren
Labour-Premier Tony Blair noch heute nachtragen, den USA 2003 in den
Irak-Krieg gefolgt zu sein. Die Invasion gilt in Großbritannien
inzwischen als Desaster.
Die EU warnte Trump davor, Spanien mit einem Handelsembargo zu
belegen. "Wir stehen in voller Solidarität mit allen Mitgliedstaaten
und ihren Bürgerinnen und Bürgern und sind im Rahmen unserer
gemeinsamen Handelspolitik bereit zu handeln, falls dies
erforderlich ist, um die Interessen der EU zu wahren", sagte ein
Sprecher der EU-Kommission von Ursula von der Leyen. Man erwarte,
dass sich die USA an die Handelsabsprachen hielten./ro/DP/jha
AXC0346 2026-03-04/18:37
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Autor: - dpa-AFX
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