| ROUNDUP: China setzt niedrigstes Wachstumsziel seit Jahrzehnten |
| 05.03.2026 06:35:00 |
China hat zum Beginn des Nationalen
Volkskongresses das niedrigste Wachstumsziel für seine Wirtschaft
seit Jahrzehnten ausgegeben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll
2026 um 4,5 bis 5 Prozent wachsen, hieß es im Arbeitsbericht der
Regierung, den Ministerpräsident Li Qiang in der Großen Halle des
Volkes in Peking vorstellte. Seit 2023 hatte die kommunistische
Führung das Wachstumsziel stets mit rund fünf Prozent angesetzt. Ein
Wert von 4,5 Prozent gab es zuletzt im Jahr 1991.
Ökonomen sehen in dem vorsichtig formulierten Ziel ein Signal, dass
sich die Führung auf moderateres Wachstum einstellt. Die neue
Untergrenze nimmt Druck von der Regierung, die Konjunktur mit großen
Investitionsprogrammen ankurbeln zu müssen. Peking senkt damit auch
die Erwartungen in global unsicheren Zeiten mit Kriegen etwa in der
Ukraine und im Iran sowie angesichts des Handelsstreits mit den USA
unter Präsident Donald Trump.
Der Nationale Volkskongress ist das Chinas Parlament und tritt
einmal im Jahr in Peking zusammen. Die fast 2.800 Delegierten werden
nicht in freien Wahlen bestimmt. Die politischen Entscheidungen
gelten meist als zuvor innerhalb der Kommunistischen Partei
abgestimmt.
Ministerpräsident sieht Herausforderungen
Li bestätigte in seinem Bericht, dass China vor zahlreichen
Herausforderungen stehe. Das sich wandelnde internationale Umfeld
wirke sich stärker auf das Land aus. Gleichzeitig bleibe die globale
Wirtschaftsdynamik schwach, und Multilateralismus sowie freier
Handel stünden unter zunehmendem Druck.
Auch im Inland sieht die Regierung Probleme. Der Übergang zu neuen
Wachstumstreibern sei schwierig, während das Ungleichgewicht
zwischen einer starken Produktion und einer schwachen Nachfrage
deutlich sei. Für viele Menschen werde es schwieriger, Arbeit zu
finden und ihr Einkommen zu steigern. Zudem seien manche
Lokalregierungen angesichts der Lage auf dem Immobilienmarkt - der
sich weiterhin in einer Krise befindet - stark belastet.
Eine grundlegende Kursänderung erkennen viele Experten jedoch nicht.
Chinas Wirtschaftsmodell bleibt weiterhin industrie- und
exportorientiert. Auch der neue Fünfjahresplan, der beim
Volkskongress verabschiedet werden soll, wird nach den bisher
bekannten Eckpunkten nicht nur auf eine Stärkung des Konsums
abzielen, sondern weiterhin die Notwendigkeit betonen, die
technologische Entwicklung voranzutreiben. KI und Roboter sollen in
den kommenden Jahren Chinas Alltag und Wirtschaft weiter erobern.
Budget lässt Spielraum für Konjunktur
Auch bei der Finanzpolitik setzt Peking offenbar auf Kontinuität.
Der neue Haushaltsentwurf sieht ein Defizit von rund vier Prozent
der Wirtschaftsleistung vor. Damit könnte die Regierung die
Wirtschaft weiter stützen, ohne ein deutlich größeres
Konjunkturprogramm aufzulegen.
"In gewisser Weise steht China vor einer Reihe schwerwiegender
Herausforderungen, die den nächsten großen politischen Plan zu einer
Frage von "alles oder nichts" machen", sagte China-Analystin Katja
Drinhausen vom Berliner Forschungsinstitut Merics. Zwar werde
versucht, den Konsum durch Maßnahmen wie sozialpolitische Reformen
oder regionale Entwicklungsziele zu steigern, aber die Abhängigkeit
vom Export werde weiterhin eine wichtige Säule der chinesischen
Wirtschaft bleiben, sagte Drinhausen.
Konsum ist schon länger Thema
Über die Stärkung des Konsums als Mittel, um Wohlstand zu
garantieren und das Wachstum zu erhalten, spricht die Kommunistische
Partei schon lange. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF)
empfahl der Volksrepublik, den Umbau zu einem konsumgetriebenen
Wachstumsmodell zur "obersten Priorität" zu machen. Der private
Konsum trägt bisher nur knapp 40 Prozent zum Wachstum bei und liegt
damit nach IWF-Daten unter dem Durchschnitt der Industrieländer der
OECD.
Auch beim Militär setzt China seinen bisherigen Kurs fort. Der
Verteidigungshaushalt soll nach Angaben der Regierung erneut
steigen. Für 2026 sind Ausgaben von rund 1,7 Billionen Yuan (etwa
236 Milliarden Euro) vorgesehen, ein Plus von etwa sieben Prozent.
Damit bleibt China nach den USA das Land mit dem zweitgrößten
Militärbudget der Welt. Die Führung in Peking begründet die
Aufstockung regelmäßig mit der Modernisierung der Streitkräfte und
dem Schutz nationaler Interessen./jpt/DP/stk
AXC0039 2026-03-05/06:35
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Autor: - dpa-AFX
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