| ROUNDUP 2: Bundesbank macht Milliardenverlust - Bund geht leer aus |
| 05.03.2026 13:42:00 |
(Neu: Weitere Aussagen von Bundesbankpräsident Joachim Nagel)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Bundesbank wird nach einem erneuten
Milliardenverlust 2025 auch dieses Jahr rote Zahlen schreiben. Damit
fällt eine Gewinnüberweisung aus Frankfurt an den Bund nicht nur im
sechsten Jahr in Folge, sondern auch absehbar aus.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel stimmte bei der Bilanzvorlage in
Frankfurt auf weitere magere Jahre ein, betonte aber zugleich die
Stärke der Notenbank.
2025 stand ein Minus von rund 8,6 Milliarden Euro in der Bilanz und
damit der zweithöchste Fehlbetrag in der Geschichte der Notenbank.
Verglichen mit dem Rekordminus von mehr als 19 Milliarden Euro 2024
hat sich der Verlust aber mehr als halbiert - auch dank niedriger
Zinsen.
"Wir haben zwar weiter finanzielle Belastungen zu tragen, sie lassen
aber nach", sagte Nagel in Frankfurt. Diese positive Entwicklung
werde sich fortsetzen, so die Notenbank. Gleichwohl werde die
Bundesbank 2026 "erneut einen Jahresfehlbetrag ausweisen".
Letzter Bundesbank-Gewinn für den Bund 2019
Jahrelang plante das Finanzministerium in Berlin im Bundeshaushalt
einen Bundesbank-Gewinn von 2,5 Milliarden Euro ein. 2019 durfte
sich Olaf Scholz (SPD) als damaliger Ressortchef über die höchste
Summe seit der Finanzkrise freuen: 5,85 Milliarden Euro. Es war der
bislang letzte Geldsegen aus Frankfurt.
Folge der Geldpolitik im Euroraum
Der Verlust der Bundesbank ist eine Folge der Geldpolitik im
Euroraum. Hauptgrund ist, dass die Zinsausgaben der Bundesbank und
der Europäischen Zentralbank (EZB) für Gelder, die Geschäftsbanken
bei ihr parken, deutlich größer sind als die Zinseinnahmen aus dem
riesigen Bestand an Anleihen, die die Bundesbank im Auftrag der EZB
kaufte.
Die Milliardenverluste schleppt die Bundesbank mit. Der
Bilanzverlust, der sich aus dem Verlustvortrag und dem aktuellen
Jahresfehlbetrag ergibt, beläuft sich auf 27,8 Milliarden Euro.
Die Belastungen der Bundesbank seien vorübergehend, betonte Nagel.
Künftige Jahresüberschüsse würden genutzt, um den Bilanzverlust aus
eigener Kraft abzubauen. Auch mit einem Verlust könne die Bundesbank
ihre Aufgaben "vollumfänglich" erfüllen. Sie habe eine solide
Bilanz.
Preisrallye treibt Wert von Bundesbank-Gold
Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer wies darauf hin, dass die
Notenbank ein Nettoeigenkapital von 363 Milliarden Euro und
Bewertungsreserven von 388 Milliarden Euro habe. "Die finanzielle
Basis der Bundesbank ist sehr stark."
Der Notenbank hilft auch, dass ihr riesiger Goldbestand von 3.350
Tonnen mit dem stark gestiegenen Goldpreis immens an Wert gewonnen
hat. 2025 waren die deutschen Goldreserven laut Geschäftsbericht gut
395 Milliarden Euro wert, rund 125 Milliarden mehr als im Vorjahr.
Der größte Teil davon wird in Frankfurt gelagert mit 1.710 Tonnen,
weitere 1.236 Tonnen liegen bei der US-Notenbank Fed in New York.
Angesichts der aggressiven Politik von US-Präsident Donald Trump
mehrten sich Forderungen, die Bestände nach Deutschland zu holen -
was Bundesbankpräsident Nagel ablehnt.
Trifft der Iran-Krieg Deutschland? Bundesbank zurückhaltend
In Sachen Nahost-Krieg und den Folgen für Inflation und Konjunktur
in Deutschland hielt sich Nagel zurück. Wenn der Krieg lange dauere,
würden die Auswirkungen für die Konjunktur "nicht gut" sein, sagte
er. Auch würden sich dauerhaft erhöhte Energiepreise langfristig auf
die Inflation durchschlagen. Aber für Prognosen sei es noch zu früh.
Auch bei den Folgen des Konflikts für die Geldpolitik der EZB wurde
Nagel nicht konkret. Manche Ökonomen rechnen mit einer
Leitzinserhöhung, sollte der Iran-Krieg die Inflation hochtreiben.
Der EZB-Rat bleibe wachsam, sagte Nagel. "Sollte sich das
Inflationsbild substanziell ändern, sind wir in einer guten Lage, um
darauf reagieren zu können."
Zinspolitik fordert Tribut
Die einst lockere Geldpolitik der EZB belastet die Bundesbank schon
lange. Schon 2023 hatte die Bundesbank rote Zahlen unter dem Strich
geradeso vermieden - allerdings nur, weil sie mit milliardenschweren
Rücklagen Belastungen der Zinswende ausgleichen konnte.
Die EZB hatte ab Sommer 2022 die Leitzinsen im Euroraum rasant
erhöht, um die damals hohe Inflation in den Griff zu bekommen.
Höhere Zinsen an den Finanzmärkten führten zu steigenden
Zinsausgaben seitens der Notenbanken für Gelder.
Damit halten deren Zinseinnahmen aber nicht Schritt: Denn viele
Wertpapiere wie Staats- und Unternehmensanleihen mit langer
Laufzeit, die die Euro-Notenbanken über Jahre in großem Stil
kauften, werfen relativ niedrige Zinsen ab. Hauptziel von
Notenbanken ist es allerdings nicht, Gewinne zu erzielen. Sie sollen
vor allem für stabile Preise und eine stabile Währung sorgen.
Auch EZB tief in den roten Zahlen
Inzwischen ist die Inflation im Euroraum von Rekordständen weit
entfernt, daher hat die EZB den für Banken und Sparer wichtigen
Einlagensatz auf 2,0 Prozent gesenkt. Dennoch stehen auch in der
EZB-Bilanz für 2025 ein Verlust - und zwar von 1,25 Milliarden Euro.
Damit fällt eine Gewinnausschüttung auch an die Bundesbank aus. Die
EZB erwartet, dass sie 2026 oder 2027 in die Gewinnzone zurückkehrt.
Bis die nationalen Zentralbanken wieder von Ausschüttungen
profitieren, kann es aber Jahre noch dauern./als/ben/DP/jsl
AXC0212 2026-03-05/13:42
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Autor: - dpa-AFX
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