| ROUNDUP/Sprit immer teurer: Auch Super E10 kostet mehr als 2 Euro |
| 05.03.2026 13:58:00 |
Die Spritpreise steigen immer weiter: Einen Tag
nach Dieselkraftstoff hat auch die günstigste gängige Benzinsorte
Super E10 die Marke von zwei Euro pro Liter im bundesweiten
Durchschnittspreis überschritten. In der Preisspitze am Morgen
kostete sie 2,003 Euro, wie der ADAC mitteilte. Noch am Mittwoch war
sie mit 1,995 Euro am Morgen knapp darunter geblieben.
Auch Diesel verteuert sich weiter: Am Morgen erreichte der
Kraftstoff im bundesweiten Durchschnitt 2,086. Am Mittwoch waren es
noch 2,054 Euro. Diesel ist normalerweise billiger als E10, weil er
deutlich niedriger besteuert wird. Sein Preis ist aber
krisenanfälliger, auch in der Anfangsphase des Ukraine-Krieges hatte
er stärker reagiert als Benzin. Einer der Gründe ist, dass Diesel
auch als Ersatz für Gas verwendet wird und für die Industrie eine
größere Rolle spielt.
Diesel lag auch im Tagesschnitt des Mittwochs über 2 Euro
Beide Preise können im Tagesverlauf auch wieder ein gutes Stück weit
sinken - das entspräche der Entwicklung in normalen Zeiten. Zuletzt
hatte der allgemeine Anstieg dies aber überlagert.
Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs kostete ein Liter
Diesel 2,005 Euro - 25,9 Cent mehr als am Freitag vor Ausbruch des
Krieges. Für E10 waren am Mittwoch im Tagesschnitt 1,935 Euro pro
Liter zu bezahlen, 15,7 Cent mehr als am Freitag. Der
Tagesdurchschnitt ist für längerfristige Vergleiche
aussagekräftiger, weil er die oft starken Schwankungen im
Tagesverlauf ausgleicht.
Heizöl legt ebenfalls weiter zu: Das Portal Heizoel24 meldete am
Donnerstagmittag einen Preis von rund 133 Euro für 100 Liter. Das
waren rund 5 Euro mehr als am Mittwoch. Vor Kriegsbeginn hatte der
Preis noch unter 100 Euro gelegen.
Forderungen nach Spritpreisbremse
Dass E10 oder Diesel im Tagesdurchschnitt mehr als zwei Euro
kosteten, war zuletzt 2022 der Fall - Hintergrund war damals der
Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die Folgen für die
Energieversorgung. Die steigenden Spritpreise sorgen inzwischen auch
für eine Diskussion um eine mögliche Spritpreisbremse. Unter anderem
fordert der ADAC, dass die Politik eine "vorübergehende Absenkung
der Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen" müsse. "Diesel könnte auf
den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin
vergleichbar reduziert werden." Dies würde für rund 15 Cent
Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.
Auch der Verkehrsclub Mobil in Deutschland fordert eine
Spritpreisbremse, eine von ihm gestartete Online-Petition an die
Bundesregierung habe inzwischen mehr als 14.000 Unterschriften,
heißt es.
2022 hatte der Staat die Steuern auf Diesel und Benzin von Juni bis
August deutlich gesenkt, um die Autofahrer angesichts der hohen
Preise zu entlasten. Damals war der Anstieg der Spritpreise zu
Kriegsbeginn allerdings deutlich höher als dies bisher der Fall ist.
Wirtschaftswissenschaftler sehen Tankrabatt kritisch
Führende Wirtschaftswissenschaftler sehen einen möglichen Tankrabatt
allerdings kritisch. Ifo-Chef Clemens Fuest hält einen solchen
Eingriff für volkswirtschaftlich schädlich. Wenn Öl knapp und teuer
sei, sollten die Verbraucher auch das Signal erhalten, davon etwas
weniger zu verbrauchen, argumentiert er. Dies sei eine der großen
Stärken der Marktwirtschaft. Zudem sei die Belastung durch die
Energiepreise noch nicht so groß, dass daraus Notsituationen
entstünden.
DIW-Chef Marcel Fratzscher ist ebenfalls kritisch: "Ein Tankrabatt,
um höhere Spritpreise abzufedern, wäre ein teurer Fehler und die
falsche Priorität der Bundesregierung", schreibt er auf dpa-Anfrage.
"Die Bundesregierung kann die höheren Preise nicht verhindern, aber
sie kann Bürger zielgenau entlasten."
Priorität sollte für Fratzscher die Entlastung von Menschen mit
geringen Einkommen haben. "Dies könnte beispielsweise über eine
Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel geschehen." Zudem
plädiert er für eine Übergewinnsteuer "um möglichen Missbrauch durch
Mineralölkonzerne zu bekämpfen".
Ökologisch und ökonomisch bedenklich
Der Energieexperte des RWI, Manuel Frondel, nennt einen Tankrabatt
"sowohl ökologisch als auch ökonomisch bedenklich" und verweist auf
die hohen Kosten, die 2022 bei rund einer Milliarde Euro pro Monat
lagen. Zudem würde eine solche Maßnahme auch ökologisch ein falsches
Signal senden.
Frondel hat zudem zur Frage geforscht, ob der Steuerrabatt 2022
komplett bei den Verbrauchern ankam. "Im ersten Monat wurde der
Tankrabatt noch komplett weitergegeben", beschreibt er seine
Erkenntnisse. "Als die Aufmerksamkeit nachließ, sank auch die
Weitergabe. Zum Ende des Rabatts war es nach unseren Daten nur noch
etwa die Hälfte."
Kartellamt schaut genau hin und dämpft Erwartungen
Das Bundeskartellamt betont, die Preisentwicklung genau im Blick zu
haben. "Sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten
der Mineralölkonzerne zeigen, würden wir konsequent dagegen
vorgehen", sagt der Chef der Behörde, Andreas Mundt. "Ich möchte
aber auch deutlich machen, dass es kein Instrumentarium gibt, um
geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu
verhindern", dämpft er die Erwartungen. "Selbst ein ungewöhnlich
hoher Abstand zwischen der Entwicklung des Rohölpreises und den
Preisen an der Tankstelle, den wir zumindest bei E5/E10 bislang auch
gar nicht sehen, würde keinen unmittelbaren Verdacht auf ein
illegales Verhalten der Konzerne darstellen."
Parallel untersuche man die für den Preis wichtige Raffinerie- und
Großhandelsebene in einem laufenden Verfahren. "Wenn wir hier
Störungen des Wettbewerbs ausmachen, werden wir diese abstellen. Für
die aktuellen Verwerfungen, insbesondere steigende Weltmarktpreise,
schafft auch das allerdings keine kurzfristige Abhilfe."
Hintergrund der hohen Rohöl-Preise ist der Iran-Krieg und die
Sperrung der Straße von Hormus vor der Küste des Landes. Sie spielt
für Öl- und Gaslieferungen eine wichtige Rolle. Seit der Eskalation
am Samstag sind auch Rohöl und Gas deutlich teurer
geworden./ruc/DP/men
ISIN FR0000120271 GB0007980591 IT0003132476 GB00BP6MXD84
AXC0218 2026-03-05/13:58
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Autor: - dpa-AFX
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