| EU-Namensstreit: 'Veggie-Burger' ok, 'veganer Speck' ade |
| 05.03.2026 18:48:00 |
Die Namen "Veggie-Burger" und "Tofu-Wurst"
müssen nicht von Speisekarten in der EU verschwinden. Darauf
einigten sich Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments
in Brüssel, wie Verhandlungsteilnehmer der Deutschen Presse-Agentur
bestätigten. Andere vegetarische Produkte dürfen aber künftig nicht
mehr etwa als "Veggie-Hühnchen" oder "Tofu-Rippchen" beworben
werden.
Der Kompromiss muss noch formell vom Europaparlament und den
europäischen Staaten angenommen werden. Er ist das Ergebnis langer
Verhandlungen. Europäische Abgeordnete hatten im vergangenen Jahr
ein Verbot von Begriffen wie "Tofu-Wurst", "Soja-Schnitzel" oder
"Veggie-Burger" für vegetarische Produkte ins Spiel gebracht. Dies
wurde mit dem Schutz von Verbrauchern und Landwirten begründet.
Ende für vegetarischen Speck, Rippchen und Kotelett
Bislang dürfen typische Bezeichnungen für Fleischprodukte auch für
pflanzliche Alternativen verwendet werden. Dies soll nach der
Einigung nun auch weiter grundsätzlich möglich sein. Tabu sind laut
Vertretern des Parlaments aber Bezeichnungen, die sich auf Tier-
bzw. Fleischarten und einzelne Teilstücke ("Cuts") beziehen: zum
Beispiel Geflügel, Rindfleisch, Rippchen, Schulter, Kotelett oder
Speck.
Der Kompromiss greift damit den ursprünglichen Vorschlag der
EU-Kommission wieder auf, den das Europaparlament deutlich
verschärft hatte. Konkret sollten demnach Begriffe wie "Steak",
"Schnitzel", "Burger" und "Wurst" nur noch für Tierprodukte
verwendet werden dürfen. Die EVP-Fraktion, zu der auch CDU und CSU
gehören, hatte den Vorstoß im EU-Parlament eingebracht. Federführend
verantwortlich war die französische Abgeordnete Céline Imart.
Deutsche Unionsabgeordnete stimmten in einer ersten
Verhandlungsrunde mit wenigen Ausnahmen zwar gegen ein solches
Verbot - eine ausreichende Mehrheit im Parlament gab es trotzdem.
Die Ja-Stimmen kamen vor allem von Fraktionen rechts der Mitte.
Damit die Vorgaben in Kraft treten können, ist aber eine Mehrheit
auch unter den EU-Staaten nötig. Die fehlte.
Deutschland gegen Verbot
Deutschland hatte sich bereits klar gegen ein "Veggie-Burger"-Verbot
ausgesprochen. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) sagte im
Oktober, ein Verbot würde "unglaublich hohe Kosten für die
Wirtschaft" sowie Bürokratie verursachen. "Ich stehe für
Bürokratieabbau, deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nicht."
Wer ein Veggie-Schnitzel kaufe, wisse, dass es nicht aus Fleisch
ist.
Auch Verbraucherschützer und Wirtschaftsvertreter lehnen das
Vorhaben ab. Deutschland ist nach Angaben von Wirtschaftsvertretern
der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa.
Firmen müssten Produkte umbenennen und könnten sie womöglich nicht
mehr so einfach vermarkten.
Die Produktion von vegetarischen oder veganen Fleischalternativen
stieg in Deutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes (Destatis) auf 126.500 Tonnen im Jahr 2024
(jüngste verfügbare Jahreszahlen). Das war mehr als doppelt so viel
wie fünf Jahre zuvor. Der Wert der Fleischproduktion war dennoch
vielfach so hoch (Fleisch und Fleischerzeugnisse: 44,3 Milliarden
Euro, Fleischalternativen: 647,1 Millionen Euro).
Verband befürchtet bei Verbot Millionenschaden
Mehrere Handelsunternehmen, darunter Aldi Süd, Lidl und Burger King,
warnten im vergangenen Jahr in einem gemeinsamen Brief ebenfalls vor
wirtschaftlichen Schäden. Die vertrauten Begriffe böten Orientierung
und ermöglichten bewusste Kaufentscheidungen, heißt es darin. Ein
Verbot würde den Verkauf erschweren.
Der Bundesverband für Alternative Proteinquellen (BALPro) rechnete
für den Fall von Namensverboten mit erheblichen wirtschaftlichen
Folgen für Hersteller von Fleischersatzprodukten. "Auf Basis
interner Schätzungen und Rückmeldungen zahlreicher betroffener
Unternehmen ist von einem Gesamtschaden in Höhe von rund 250
Millionen Euro auszugehen", teilte der Lobby- und Branchenverband im
Januar mit. Kosten entstünden demnach vor allem, weil Verpackung
neugestaltet und bisherige vernichtet werden müssten, Marketing und
Kommunikation verändert werden müssten und den Unternehmen Umsätze
entgehen würden.
Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese kommentierte: "Wenn auf einem
Produkt vegetarisch oder vegan steht, dann weiß jeder halbwegs
intelligente Mensch, dass es sich nicht um Fleischprodukte handelt."
Eigentlich geht es bei dem aktuellen EU-Vorhaben vor allem darum,
die Rolle von Landwirten grundsätzlich zu stärken. Die an den
Verhandlungen beteiligte niederländische Volt-Abgeordnete Anna
Strolenberg bedauerte, wie viel Zeit stattdessen für die
Namens-Debatte aufgewendet wurde - und dass nun zwar nicht der
Begriff "Veggie-Burger", aber zahlreiche andere Wörter auf der
schwarzen Liste landen. "Das ist schade, denn Europa sollte
innovative Unternehmer unterstützen, anstatt ihnen neue Hindernisse
in den Weg zu legen."/wea/DP/men
AXC0352 2026-03-05/18:48
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Autor: - dpa-AFX
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