| Studie: Erderwärmung hat sich deutlich beschleunigt |
| 06.03.2026 15:05:00 |
Die Erderwärmung hat sich einer
Studie zufolge seit etwa 2015 deutlich beschleunigt. Während die
globale Temperatur von 1970 bis 2015 um durchschnittlich 0,2 Grad
Celsius pro Jahrzehnt gestiegen sei, seien es in der Dekade danach
etwa 0,35 Grad gewesen, schreibt ein deutsch-amerikanisches
Autorenduo im Fachjournal "Geophysical Research Letters". Ein
unabhängiger Experte spricht von einer gut gemachten Analyse.
Dass die Erde sich seit geraumer Zeit erwärmt, steht zweifelsfrei
fest. Gerade die Jahre 2023 und vor allem 2024 waren die bislang
wärmsten seit Beginn der Messungen. Da die Temperatur auch
natürlichen Schwankungen unterliegt, war bislang unklar, ob sich die
Erwärmung beschleunigt hat.
Um dies zu klären, haben der US-Statistiker Grant Foster und Stefan
Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) nun
Einflüsse etwa durch Vulkanismus, Sonnenzyklen oder das
Klimaphänomen El Niño herausgerechnet.
Erstmals Beschleunigung der Erderwärmung nach 2015 belegt
Durch die Korrektur von El Niño und des Sonnenmaximums werden die
extrem warmen Jahre 2023 und 2024 zwar etwas kühler, bleiben aber
weiterhin die beiden wärmsten seit Beginn der Messungen.
Wenn man die Einflüsse von El Niño, Vulkanausbrüchen und solaren
Zyklen herausrechnet, dann liege die Erderwärmung von 1970 bis 2015
wie genannt bei durchschnittlich 0,2 Grad pro Jahrzehnt und in der
Dekade seit 2015 bei 0,35 Grad, erläutert Rahmstorf auf Anfrage.
Bevor die natürlichen Faktoren abgezogen wurden, seien diese Trends
aber fast die gleichen gewesen, nur der Unsicherheitsbereich sei
dann viel größer, und daher werde die statistische Signifikanz nicht
erreicht.
"Wir können nun erstmals eine starke und statistisch signifikante
Beschleunigung der Erderwärmung nach 2015 belegen", betont auch
Co-Autor Foster. "Entscheidend ist, dass wir aus den Messdaten
bekannte, natürliche Schwankungen herausrechnen, sodass das
zufällige "Rauschen" geringer wird und daher das langfristige
Erwärmungssignal klarer hervortritt."
"Die Methode ist aus meiner Sicht sinnvoll"
Auf die Ursachen der Beschleunigung geht die Studie nicht ein. Doch
wenn sich dieser Trend fortsetzt, würde das im Pariser Klimaabkommen
anvisierte Ziel, den Anstieg der Erderwärmung seit der
vorindustriellen Zeit auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen,
voraussichtlich 2028 oder 2029 erreicht. "Wie schnell sich die Erde
weiter erwärmt, hängt letztlich davon ab, wie rasch wir die globalen
CO2-Emissionen aus fossilen Energien auf null reduzieren", sagt
Rahmstorf. Die 1,5-Grad-Grenze gilt erst als überschritten, wenn die
Temperatur einige Jahre entsprechend hoch ist.
Der Klimaexperte Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut (AWI)
hält den Ansatz der Studie für angemessen. "Die Methode ist aus
meiner Sicht sinnvoll, um natürliche Schwankungen des
Temperaturanstiegs herauszurechnen und zu robusteren Aussagen zu
kommen." Die Auswirkungen von Sonnenzyklen, El-Niño-Phasen und
Vulkanismus würden seit vielen Jahrzehnten beobachtet, so dass man
diese Faktoren recht gut einschätzen könne.
Einfluss durch weniger Aerosole in der Atmosphäre
Einfluss auf die Temperatur habe vermutlich auch die Entwicklung von
Aerosolen in der Atmosphäre gehabt, erläutert Gößling. Deren
Konzentration sei deutlich gesunken, etwa durch Maßnahmen in China
seit Ende der 2000er Jahre und durch Regelungen etwa zum
Schwefelgehalt von Schiffsdiesel. Der Ausstoß dieser Aerosole, die
etwa die Wolkenbildung verstärken und so für Kühlung sorgen können,
habe in der Vergangenheit die Erderwärmung maskiert, sagt Gößling.
Diese Maskierung sei in den vergangenen Jahren zum Teil weggefallen.
Der Klimaforscher geht zwar davon aus, dass die durch den Wegfall
der Aerosole mitverursachte Zunahme der Erdtemperatur mittelfristig
wieder abflachen kann. Aber: "Der globale Temperaturanstieg hat sich
tatsächlich sehr wahrscheinlich beschleunigt", sagt er. "Das würde
ich unterschreiben."/waw/DP/mis
AXC0202 2026-03-06/15:05
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Autor: - dpa-AFX
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