| ROUNDUP: Bundesrat macht Weg für wichtige Gesetze frei |
| 06.03.2026 15:32:00 |
Die Länder haben den Weg für wichtige Vorhaben
des Bundes frei gemacht. Der Bundesrat stimmte trotz inhaltlicher
Bedenken dem Gesetz zum Schutz kritischer Infrastruktur zu und ließ
auch die Reform des Luftsicherheitsgesetzes passieren. In ihren
eigenen Initiativen forderte die Länderkammer unter anderem, den
Schutz von Frauen und Mädchen vor heimlich aufgenommenen und sexuell
motivierten Fotos und Videos zu verbessern.
Erklärung des Bundes ebnet Weg für Kritis-Dachgesetz
Das sogenannte Kritis-Dachgesetz macht Unternehmen und Teilen der
Verwaltung strengere Vorgaben für den Schutz wichtiger Anlagen und
Einrichtungen. Dabei geht es um die Abwehr von Angriffen Krimineller
und von Anschlägen von Extremisten. Mit Zäunen,
Zugangsbeschränkungen und einer Identifizierung technischer
Schwachpunkte sollen Risiken begrenzt werden, auch um
Sabotageaktionen ausländischer Mächte vorzubeugen.
Die Länder kritisierten, dass zur kritischen Infrastruktur nur
Einrichtungen zählen sollen, die mehr als 500.000 Personen
versorgen. Aus ihrer Sicht ist dieser Schwellenwert zu hoch - sie
plädierten für eine Absenkung auf 150.000 Menschen. So machte etwa
Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) deutlich, dass diese
Regelung für sein relativ dünn besiedeltes Land nicht praxistauglich
sei. "Wir haben viel Infrastruktur, aber wenig Menschen." Erfurt,
die größte Stadt des Landes, zähle gerade einmal 215.000 Einwohner.
Ermöglicht wurde die Zustimmung der Länder durch eine in letzter
Minute ausgearbeitete Protokollerklärung des Bundes. Diese greife
zentrale Forderungen der Länder auf, sagte Baden-Württembergs
Innenminister Thomas Strobl (CDU).
Länder können zur Drohnenabwehr Bundeswehr rufen
Die Reform des Luftsicherheitsgesetzes schafft eine Rechtsgrundlage
für die Drohnenabwehr durch die Bundeswehr im Inland. Nach
bisherigem Recht konnte die Bundeswehr die unbemannten Flugkörper
nicht im Wege der Amtshilfe angreifen. Künftig können die Länder die
Bundeswehr in einem einfachen Verfahren um Unterstützung bei der
Drohnenabwehr bitten. Zuständig soll dann allein das
Verteidigungsministerium sein. Die bisher vorgeschriebene Abstimmung
mit dem Innenministerium entfällt.
Das Gesetz sieht auch einen neuen Straftatbestand für das unbefugte
Eindringen in den Sicherheitsbereich von Flughäfen vor. Wer dies
vorsätzlich macht und so den zivilen Luftverkehr gefährdet, muss mit
einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.
Besserer Schutz gegen sexuell motivierte Fotos und Videos
Die Länder wollen den Schutz insbesondere von Frauen und Mädchen vor
heimlich aufgenommenen und sexuell motivierten Fotos und Videos
verbessern. In einer Entschließung forderten sie die Bundesregierung
auf, zeitnah einen Gesetzentwurf vorzulegen, der Lücken in der
Strafbarkeit solcher Taten schließt. Es geht um Aufnahmen, die
Personen in sexualisierten Kontexten zeigen. Beispiele sind
heimliches Filmen des bekleideten Gesäßes in der Öffentlichkeit oder
Nacktaufnahmen an öffentlich zugänglichen Orten wie einer Sauna.
"Wer das tut, der greift ganz bewusst die Würde der Opfer an. Und
der verletzt Frauen auf seelische Art. Auch das ganz bewusst", sagte
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU). "Und deshalb dürfen die
Täter nicht straffrei bleiben, nur weil das Strafrecht Lücken in
dieser Frage lässt."
Bund zu umfassender Bafög-Reform aufgefordert
Die Länder forderten die Bundesregierung auf, die
Ausbildungsförderung (Bafög) grundlegend zu reformieren und damit
die Zusagen im Koalitionsvertrag umzusetzen. Die Wohnkostenpauschale
müsse einmalig erhöht und der Grundbedarf dauerhaft an das Niveau
der Grundsicherung angepasst werden. Die Förderung solle zudem
entbürokratisiert, vereinfacht und vollständig digitalisiert werden.
"Das Bafög ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der
Bundesrepublik Deutschland", betonte Hessens Wissenschaftsminister
Timon Gremmels (SPD). Er wies darauf hin, dass die letzte Anpassung
zum Wintersemester 2024/2025 erfolgt sei. Seitdem seien die
Lebenshaltungskosten und Mieten weiter gestiegen. Es bestehe
Handlungsbedarf.
Länder wollen Freiheit für regionale Kfz-Kennzeichen
Die Länder wollen mehr regionale Kfz-Kennzeichen ermöglichen und
fordern dazu von der Bundesregierung eine Liberalisierung des
geltenden Rechts. In einer vom Bundesrat angenommenen Entschließung
verlangen sie, bisherige Einschränkungen zu beseitigen. Dies biete
die wertvolle Möglichkeit, die regionale Identität weiter zu
stärken, heißt es in der Initiative des Landes Hessen.
Zwar können Landkreise und kreisfreie Städte schon seit 2012 neue
Buchstabenkombinationen auf den Nummernschildern zulassen. Es gibt
aber weiter Einschränkungen, etwa dass ein neuer, selbstständiger
Kfz-Zulassungsbezirk gegründet werden muss.
Bundesrat für Strafen bei extremistischen Kennzeichen an Schulen
Die Länder riefen den Bund in einer gefassten Entschließung auf, das
Verwenden der Kennzeichen von verfassungsfeindlichen und
terroristischen Organisationen auch an Schulen unter Strafe zu
stellen. Dies umfasse der geltende Straftatbestand nicht. Auch an
Schulen nähmen aber rechtsextremistische Vorfälle zu und seien
zunehmend Kennzeichen linksextremistischer und islamistischer
Gruppierungen zu sehen./sk/DP/men
AXC0212 2026-03-06/15:32
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Autor: - dpa-AFX
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