| ROUNDUP: Sprit immer teurer - Preisbremse überwiegend abgelehnt |
| 06.03.2026 16:03:00 |
Der Anstieg der Spritpreise setzt sich fort: Am
Freitag ging es weiter nach oben, wie Zahlen des ADAC zeigen. Sowohl
am Morgen als auch am Nachmittag waren Superbenzin und Diesel etwas
teurer als zu den gleichen Zeiten am Vormittag. "Der Blick auf die
Preise am Nachmittag lässt vermuten, dass der Anstieg auch heute
weiterging und -geht - wenn auch weniger stark als am Dienstag und
Mittwoch", sagt ein Sprecher des Verkehrsclubs. Das gab am Freitag
auch der Debatte um einen möglichen Tankrabatt, wie er unter anderem
vom ADAC ins Spiel gebracht wird, weitere Nahrung.
In der morgendlichen Preisspitze hatte Diesel pro Liter 2,109 Euro
gekostet, Super E10 2,014 Euro. Die Benzinpreise sind üblicherweise
am Morgen am höchsten und geben dann im Laufe des Vormittags wieder
etwas nach. Dieser Rückgang fiel aber eher gering aus. Der
bundesweite Tagesdurchschnittspreis für Diesel kletterte laut ADAC
am Donnerstag auf 2,042 Euro pro Liter, das war der höchste Wert
seit November 2022. Super E10 kostete am Donnerstag im bundesweiten
Tagesschnitt 1,949 Euro. Damit war E10 gut 17 Cent teurer als vor
einer Woche, Diesel fast 30 Cent.
Einer der zentralen Hintergründe des teureren Sprits ist der
steigende Ölpreis. Die für Europa maßgebliche Sorte Brent
überschritt am Freitag zum ersten Mal seit 2024 wieder die Marke von
90 Dollar pro Barrel.
Wirtschafts- und Umweltverbände gegen Spritpreisbremse
Der starke Preisanstieg seit Kriegsbeginn hat Forderungen nach einer
Neuauflage der Spritpreisbremse aufkommen lassen. Nachdem sich
bereits Wirtschaftsforscher dagegen ausgesprochen haben, lehnten am
Freitag auch die Spitzenverbände der Wirtschaft, BDA, BDI, IHK und
ZDH eine solche Maßnahme ab. Es funktioniere nicht, Probleme mit
Geld zu ersticken, sagte Rainer Dulger, der Präsident des
Arbeitgeberverbands BDA. Sein Kollege Peter Adrian, Präsident der
Industrie- und Handelskammer, betonte: "Die Zeiten, die man damit
verbringen kann, Probleme wegzusubventionieren, sind vorbei."
Die Klimaschutzorganisation Germanwatch und der Verkehrsclub
Deutschland (VCD) äußerten sich ebenfalls kritisch: Steuergelder für
eine Spritpreisbremse aufzuwenden wäre "purer Populismus", sagte der
Klimapolitik-Experte von Germanwatch, Simon Wolf. Wenn die
Bundesregierung etwas zur Entlastung von Energiekosten tun möchte,
sollte sie die Stromsteuer für alle Menschen senken - "so wie
versprochen, aber bisher nicht eingehalten".
Die VCD-Bundesvorsitzende Christiane Rohleder sagte: "Von
Subventionen, die der Staat unabhängig vom konkreten Bedarf mit der
Gießkanne ausschüttet, raten wir ab. Sie sind aus unserer Sicht
nicht zielgerichtet genug und können zu Fehlsteuerungen führen."
Merz will abwarten
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich am Freitag zurückhaltend.
"Wir prüfen die Entwicklung auf den Märkten", sagte er nach einem
Spitzengespräch mit Vertretern der Wirtschaftsverbände in München
auf eine entsprechende Frage. Bevor diese Prüfung nicht
abgeschlossen sei, "können wir dazu keine abschließende
Stellungnahme abgeben".
Am besten wäre es, "wenn dieser Krieg so schnell wie möglich beendet
wird und wir auch die Energiepreise anschließend wieder auf dem
Niveau sehen, das wir vorher hatten", sagte Merz. Vor dem Krieg
seien die Preise an den Tankstellen im Großen und Ganzen akzeptabel
gewesen. "Da wollen wir so schnell wie möglich auch wieder hin."
Autofahrer weichen ins billigere Ausland aus
Unterdessen machen sich Autofahrer häufiger auf den Weg über die
Grenze ins teilweise billigere Ausland. Unter anderem Polen,
Tschechien und Österreich aber auch Luxemburg haben typischerweise
teils deutlich günstigeren Sprit als Deutschland. Hintergrund sind
Unterschiede in der Steuer.
In der polnischen Grenzregion gab es teilweise lange Schlangen an
den Tankstellen, sagte der Leiter für Regionalpolitik der Industrie-
und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg, Robert Radzimanowski. In
Frankfurt (Oder) war an den Tankstellen am Vormittag kaum etwas los,
im benachbarten Slubice dagegen jede Zapfsäule besetzt, wie ein
dpa-Reporter berichtete. Teils hätten Autofahrer noch Kanister mit
Sprit gefüllt.
Frust trifft Tankstellenpächter
Zudem bekommen Tankstellenpächter den Frust der Kunden zu spüren.
"Die Kollegen an den Kassen kriegen natürlich schon sehr deutlich
den Unmut der Leute mit", sagte Hans-Joachim Rühlemann, Vorsitzender
des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes (VGT) Nord-Ost.
Dabei könnten die Pächter gar nichts für die Erhöhungen. Die
Preishoheit liege bei den Mineralölgesellschaften. Diese hatten
zuletzt immer wieder auf gestiegene Preise für Öl und fertige
Kraftstoffe verwiesen.
Besonders in Gegenden, in denen vermehrt Menschen mit wenig Geld
leben, tanken die Menschen laut Rühlemann teils zurückhaltend. "Die
kommen dann schon mal und tanken für fünf Euro, weil sie morgen
unbedingt das und das noch erledigen müssen. Das ist schon ganz klar
festzustellen." Andere Kunden stiegen auf andere Verkehrsmittel um.
"Kann ich mir nicht mehr leisten. Du bist zu teuer. Ich fahre jetzt
mit den Öffis", bekomme man an der Kasse dann zu hören./cho/DP/men
ISIN FR0000120271 GB0007980591 IT0003132476 GB00BP6MXD84
AXC0224 2026-03-06/16:03
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Autor: - dpa-AFX
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