| Tankstellenbetreiber sehen hohe Spritpreise als 'Abzocke' |
| 07.03.2026 14:43:00 |
Die Kritik von
Tankstellenbetreibern an den Mineralölkonzernen wegen der stark
gestiegenen Spritpreise reißt nicht ab. "Das ist
Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert und hat mit sozialer
Marktwirtschaft nichts zu tun", sagte der Sprecher des
Tankstellen-Interessenverbands (TIV), Herbert Rabl, der "Stuttgarter
Zeitung".
Er monierte, dass Rohöl zu einem viel günstigeren Preis eingekauft
und raffiniert worden sei und seitdem teilweise in den Tanks unter
den Tankstellen lagere. Nun werde es deutlich teurer verkauft - ein
Preis, mit dem die Konzerne ursprünglich nicht kalkuliert hätten.
Das sei "Abzocke", so Rabl weiter.
Auf die Preise an der Zapfsäule selbst hätten die Pächter keinen
Einfluss. Diese würden von den Konzernen gemacht - den Frust der
Autofahrer bekämen dann die Tankstellenpächter und ihre Angestellten
ab, führte Rabl weiter aus. Die Mineralölwirtschaft rechtfertige die
gestiegenen Preise als Vorsichtsmaßnahme vor dem Hintergrund des
Iran-Kriegs.
Ähnlich hatten sich zuvor auch Tankstellenbetreiber in
Ostdeutschland geäußert. "Die Kollegen an den Kassen kriegen
natürlich schon sehr deutlich den Unmut der Leute mit", hatte
Hans-Joachim Rühlemann, Vorsitzender des Verbands des Garagen- und
Tankstellengewerbes (VGT) Nord-Ost, gesagt. Die Tankstellenpächter
könnten nichts für die Preisentwicklung. Die Preishoheit liege bei
den Mineralölgesellschaften.
Rabl: Kartellamt ist "zahnloser Tiger"
Zudem hätten die gestiegenen Preise auch Auswirkungen auf den
Verkauf in den Tankstellenshops, sagte Rabl. Verärgerte Kunden
würden nach dem Tanken nichts mehr kaufen. Dabei sei der Umsatz im
Shop für die Tankstellenpächter wichtig: Er mache etwa 60 Prozent
des Gesamtumsatzes aus, während auf Einnahmen durch den Verkauf von
Benzin und Diesel lediglich etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes
entfielen.
Auch dem Vorgehen der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche
(CDU) steht Rabl skeptisch gegenüber: Die Prüfung durch das
Kartellamt werde nichts ergeben, da die Preise bislang nicht so hoch
seien, dass von gesetzeswidrigem Wucher gesprochen werden könne. Das
Kartellamt sei in diesem Fall ein "zahnloser Tiger".
Auch ein Tankrabatt, wie ihn die damalige Bundesregierung 2022
zeitweise eingeführt hatte, ist für den Sprecher des
Interessenverbandes keine Option. Es sei nicht sinnvoll, die
Preiserhöhungen der Konzerne zu bezuschussen. Dies hatte Reiche
zuvor auch bereits ausgeschlossen.
Benzin und Diesel kosten teils mehr als zwei Euro
Die Spritpreise in Deutschland sind infolge des Iran-Kriegs seit
Ende Februar 2026 stark gestiegen. Der Dieselpreis überschritt am 4.
März erstmals die Marke von zwei Euro pro Liter. Superbenzin der
Sorte E10 verteuerte sich ebenfalls deutlich und kostete zeitweise
knapp zwei Euro pro Liter./mgn/DP/stk
ISIN FR0000120271 GB0007980591 AT0000743059 GB00BP6MXD84
AXC0038 2026-03-07/14:43
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Autor: - dpa-AFX
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