| ROUNDUP 2: Russell gewinnt Action-Auftakt - 'Neuordnung der Werte' |
| 08.03.2026 10:35:00 |
(Neu: weitere Details)
MELBOURNE (dpa-AFX) - Mit Konfettiregen in den australischen
Nationalfarben vor Augen ließ Mercedes-Pilot George
Russell nach dem Start in die neue Ära der Formel 1 die
Champagnerkorken knallen. Der Engländer wehrte beim Auftaktrennen in
Melbourne nach der größten Regelreform in der Geschichte der
Motorsport-Königsklasse sogar einen Raketenstart von Ferrari-Fahrer
Charles Leclerc ab und beflügelte die Hoffnungen der
Silberpfeile auf die Rückkehr in eine eigene glorreiche
Zeitrechnung.
"Ich mag dieses Auto, ich mag diesen Motor", schwärmte Russell nach
seinem sechsten Grand-Prix-Sieg, ehe Konfetti in Gold und Grün über
die Start-Ziel-Gerade auf dem Albert Park Circuit flatterte. "Du
bist Wahnsinn", entgegnete die Box von Mercedes und durfte damit
auch Kimi Antonelli meinen, der mit seinem zweiten Rang den 61.
Doppelerfolg der Silberpfeile in der Formel 1 perfekt machte.
T-Shirts mit der Aufschrift "P1"
"Da ist so viel Zufriedenheit in diesem Team", meinte
Mercedes-Teamchef Toto Wolff und erinnerte an die vergangenen vier
"sehr schwierigen" Jahre. "Wir haben den Kampf um die WM in unseren
Händen. Das ist das beherrschende Gefühl." Verdient streiften sich
die Silberpfeil-Angestellten dann auch T-Shirts mit der Aufschrift
"P1" über.
Der Mercedes-Auftritt war ein kraftvolles Zeichen. Leclerc (+15,5
Sekunden) und Teamkollege Lewis Hamilton (+16,1 Sekunden) konnten
das Spitzentempo nicht mitgehen. Ganz zu schweigen vom
abgeschlagenen Weltmeister Lando Norris, dem als Fünften schon 51,7
Sekunden auf Russell fehlten. Dabei steuert der Engländer einen
McLaren mit Mercedes-Motor.
Liegen die Ferrari-Strategen daneben?
Die Fans Down Under bekamen eine spektakuläre Ouvertüre geboten mit
vielen Überholmanövern und fünf Ausfällen. Das befürchtete
Tohuwabohu etwa wegen der veränderten Startabläufe blieb aber aus.
Eine "gewisse Neuordnung der Werte", erkannte die "Gazzetta dello
Sport" in Italien.
Dafür leistete sich Ferrari am Kommandostand mal wieder fragwürdige
Entscheidungen. Ein vorgezogener Reifenwechsel hätte der Scuderia
vielleicht zum Auftakterfolg verhelfen können. "Wir müssen
analysieren, ob das doch besser gewesen wäre", äußerte
Rekordweltmeister Hamilton, der im zweiten Ferrari direkt hinter
seinem frisch verheirateten Teamkollegen Leclerc als Vierter das
Podium knapp verpasste.
Verstappen flüchtet sich in Sarkasmus
Der viermalige Weltmeister Max Verstappen war bedient. Nach
Startplatz 20 arbeitete sich der Niederländer im Red Bull aber
immerhin noch bis auf Rang sechs vor. Seinen Ärger über die neue
Auto-Generation kaschierte er mit sarkastischen Aussagen auch nicht
groß. "Es war super viel Spaß. Es war eigentlich ein Toprennen",
sagte Verstappen grinsend.
Um die Rennen zumindest für ihn unterhaltsamer zu machen, müsse man
vieles ändern - eigentlich die gesamte Identität der neuen Wagen.
Verstappen zieht die Vollgasfahrt dem Rasen mit Kalkül einfach vor.
Hülkenberg als Zuschauer
Der Red-Bull-Star muss mit seinem Rennstall nun anpacken.
"Letztendlich spielt es keine Rolle, ob man der drittschnellste oder
viertbeste ist. Wir streben die Spitze an", sagte Verstappen. "Ich
hoffe, dass wir im Laufe der Saison den Rückstand aufholen, denn
momentan ist er noch recht groß."
Audi musste bei seiner Premiere als Werksteam ein Aus noch vor dem
Start von Nico Hülkenberg verkraften. Technische Probleme zwangen
den Rheinländer in die Garage. Aber auch von dort konnte der einzige
deutsche Fahrer im Feld nicht Gas geben.
91 Tage zwischen Alt und Neu
Vor den Augen von Audi-Boss Gernot Döllner war es zunächst ein
frustrierender Start. Doch dafür schaffte es der Brasilianer Gabriel
Bortoleto als Neunter gleich in die Punkte. "Ich bin unheimlich
stolz auf das, was wir erreicht haben", sagte Teamchef Jonathan
Wheatley. "Das ist ein historischer Tag für uns."
91 Tage lagen zwischen dem Abschied vom alten Reglement beim Finale
von Abu Dhabi und dem Aufbruch am anderen Ende der Welt. Leclerc
nutzte die neue Startphase mit fünf Sekunden Puffer, ehe die Roten
Ampeln erloschen, am besten, um auf die richtige Drehzahl zu kommen.
Noch vor der ersten Kurve zog er an Russell vorbei, der in der
Qualifikation noch souverän seine achte Pole Position errungen
hatte.
Desaster für Lokalheld Piastri
"Es war ein irrer Kampf", meinte Russell über diese furiose
Anfangsphase, als sich die beiden Piloten an der Spitze
abwechselten. "Jeder, der gesagt hat, es hat zu wenig Show, wurde am
Anfang eines Besseren belehrt", befand Mercedes-Teamchef Wolff. "Es
war super", meinte auch Hamilton. "Es war sehr spaßiges Rennen
direkt vom Start weg."
Oscar Piastri war da längst Zuschauer. Der WM-Dritte von 2025 kam
auf dem Weg in die Startaufstellung in Kurve vier auf den Randstein,
verlor die Kontrolle über seinen McLaren und krachte in die
Streckenbegrenzung. Ein Schock für den gebürtigen Melbourner
Piastri, seine Familie und Fans. Einen Australier auf dem Podium des
Heim-Grand-Prix gibt es damit weiter nicht.
50 Prozent Verbrenner, 50 Prozent Batterie
Es war ein Auftakt, der sich sehen lassen konnte. Schließlich hat
die Formel 1 die größte Regelrevolution ihrer Geschichte mit neuen
Motoren und neuen Autos ausgerufen. Da fast 50 Prozent der Leistung
von einer Batterie kommen, sind die Fahrer zu permanentem
Energie-Management gefordert. Sie müssen die richtige Balance
zwischen Aufladen und Angreifen finden. So sollen die Rennen
unberechenbarer werden.
Die erste Virtuelle Safety-Car-Phase nutzten Russell und Antonelli
zum Boxenstopp. Anstatt sich aber ebenfalls harte Reifen
aufzuziehen, handelte der Kommandostand von Ferrari nicht.
"Wenigstens einen von uns hättet ihr reinholen sollen", reagierte
Hamilton ungläubig.
An der Spitze drehten dann Russell und Antonelli cool ihre Runden.
Leclerc und Hamilton konnten das führende Duo nicht mehr einfangen.
"Mercedes hatte ein bisschen mehr Geschwindigkeit als wir", räumte
Leclerc ein. Das dürfte auch in Shanghai beim nächsten Rennen am
kommenden Sonntag so bleiben./mom/DP/zb
ISIN DE0007100000 NL0011585146
AXC0049 2026-03-08/10:35
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Autor: - dpa-AFX
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