| ROUNDUP: Grüne bei Wahl in Baden-Württemberg knapp vor CDU |
| 08.03.2026 18:25:00 |
Bei der Landtagswahl in
Baden-Württemberg liefern sich Grüne und CDU ein enges Rennen um
Platz eins. Nach den Prognosen von ARD und ZDF liegen die Grünen mit
Spitzenkandidat Cem Özdemir knapp vor der CDU von Landeschef Manuel
Hagel.
Die AfD verdoppelt ihr Ergebnis und landet auf Platz drei. Die SPD
stürzt auf ein historisches Tief bei Landtagwahlen bundesweit. FDP
und Linke scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde.
Den Prognosen zufolge kommen die Grünen auf 31,5 bis 32 Prozent
(2021: 32,6 Prozent), die CDU liegt mit 29,0 bis 30,5 Prozent knapp
dahinter (24,1). Die AfD erhält 17,5 bis 18 Prozent (9,7). Mit
großem Abstand folgt die SPD mit 5,5 Prozent (11,0). Die FDP kommt
auf 4,5 Prozent (10,5), die Linke ebenfalls auf 4,5 Prozent (3,6).
Erstmals durften 16- und 17-Jährige abstimmen
Die Wahlbeteiligung liegt den Prognosen nach bei 69,5 bis 71,5
Prozent (2021: 63,8). Gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte durften ihre
Stimme abgeben - so viele wie nie zuvor.
Erstmals galt ein neues Wahlrecht, auch 16- und 17-Jährige durften
abstimmen. Zudem hatten Bürger zum ersten Mal zwei Stimmen wie bei
der Bundestagswahl. Die Zweitstimme entscheidet über die
Kräfteverhältnisse im Landtag, die Erststimme über den
Direktkandidaten im Wahlkreis.
Nachfolger für Langzeit-Ministerpräsident Kretschmann gesucht
Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen trat nach 15
Jahren nicht mehr an. Der 77-Jährige, bundesweit der erste und
einzige Regierungschef der Grünen, verabschiedet sich in den
Ruhestand. Seit 2016 regierte er mit der CDU, davor mit der SPD. Es
gilt als wahrscheinlich, dass CDU und Grüne erneut zusammen
regieren.
Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stand die Wirtschaftspolitik.
Baden-Württemberg ist ein industrielles Herz Deutschlands - und
abhängig von der Autoindustrie, die einen Strukturwandel durchmacht.
Tausende Jobs stehen zur Disposition, etliche Regionen blicken mit
Sorge auf die Zukunft.
Vorsprung der CDU im Umfragen zuletzt geschrumpft
Über Monate lag die CDU in Umfragen deutlich vor den Grünen, der
Abstand schmolz zuletzt aber stark. Als Partei präferierten viele
zwar die CDU, aber als Ministerpräsidenten wollten die Menschen
lieber Özdemir - und weniger den bis zuletzt kaum bekannten CDU-Mann
Hagel.
Der 60-jährige Grünen-Kandidat Özdemir ist seit Jahrzehnten in der
Politik - er saß im Bundestag und im Europaparlament, war
Grünen-Chef und auch Bundesminister. Im Wahlkampf ging Özdemir, der
sich einen "anatolischen Schwaben" nennt, auf Abstand zu den
Bundes-Grünen und gab sich ein eher konservatives Profil.
Hagel schwärmte von "rehbraunen Augen" einer Schülerin
Der 37-jährige gelernte Bankkaufmann Hagel ist seit 2021
CDU-Fraktionschef im Landtag und wäre, sollte seine Partei vorn
liegen, der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte. Im
Wahlkampf stand der gläubige Katholik und Jäger in der Kritik wegen
eines Videos: In dem acht Jahre alten Clip schwärmt er von den
"rehbraunen Augen" einer minderjährigen Schülerin.
Auch SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch trat in einen "Fettnapf", wie
er selbst sagte: In einem SWR-Porträt ist zu sehen, dass er
ausgerechnet nach einem Besuch in einem Laden der Tafel seinem
Fahrer offenbar aufträgt, im benachbarten Frankreich Pastete
einzukaufen. Auch wenn es zu dem Einkauf nie kam, drückte Stoch sein
Bedauern aus.
Das historisch schlechte SPD-Ergebnis im Südwesten dürfte auch die
Bundes-SPD schocken, wo Parteichef Lars Klingbeil mit den
Koalitionspartnern CDU und CSU wichtige Reformen im Renten- und
Gesundheitssystem vor der Brust hat.
AfD ohne Chance auf Regierung, Schicksalswahl für FDP
Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier wird vom
Landesverfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall
beobachtet. Frohnmaier kandidiert nicht für den Landtag. Der
stellvertretende Fraktionschef im Bundestag will Ministerpräsident
werden - die Aussichten sind allerdings verschwindend gering: Keine
der übrigen Parteien will mit der AfD koalieren.
Die im Südwesten tief verwurzelte FDP zog mit Spitzenkandidat
Hans-Ulrich Rülke ins Rennen. Er sprach von der "Mutter aller
Wahlen" für seine Partei: Starke Verluste in Baden-Württemberg
dürften auch ein Comeback im Bund erschweren.
Die Linke trat mit drei jungen Frauen als Spitzen-Trio an und setzte
damit einen Kontrapunkt zu den übrigen Parteien. Ins Zentrum rückten
sie die hohen Mieten und die Kluft zwischen Arm und Reich.
Auftakt für das "Superwahljahr 2026"
Die Wahl ist die erste von fünf Landtagswahlen im "Superwahljahr
2026" und die erste unter der schwarz-roten Bundesregierung unter
Kanzler Friedrich Merz (CDU). CDU und SPD debattieren über wichtige
Reformen. Die Wahlergebnisse sind daher wichtig für die Stimmung.
Die nächste Wahl steht am 22. März in Rheinland-Pfalz an. Dort droht
der seit 34 Jahren regierenden SPD der Verlust des
Ministerpräsidentenpostens. Im September wählen Sachsen-Anhalt und
Mecklenburg-Vorpommern - hier kommt die AfD in Umfragen an die 40
Prozent./kli/DP/mis
AXC0075 2026-03-08/18:25
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Autor: - dpa-AFX
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