| ROUNDUP 2: Grüne bei Wahl in Baden-Württemberg knapp vor CDU |
| 08.03.2026 19:04:00 |
(mit mehr Details)
STUTTGART/BERLIN (dpa-AFX) - Bei der Landtagswahl in
Baden-Württemberg liefern sich Grüne und CDU ein enges Rennen um
Platz eins. Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF liegen die
Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir knapp vor der CDU von
Landeschef Manuel Hagel.
Die AfD verdoppelt ihr Ergebnis und landet auf Platz drei. Die SPD
stürzt auf ein historisches Tief bei Landtagswahlen bundesweit -
Spitzenkandidat Andreas Stoch zog die Konsequenzen und kündigte
seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an. FDP und Linke
scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde.
Den Hochrechnungen zufolge kommen die Grünen auf 31,7 bis 31,8
Prozent (2021: 32,6 Prozent), die CDU liegt mit 29,3 bis 30,3
Prozent knapp dahinter (24,1). Die AfD erhält 17,6 bis 17,9 Prozent
(9,7). Mit großem Abstand folgt die SPD mit 5,4 bis 5,5 Prozent
(11,0). Die FDP kommt auf 4,5 Prozent (10,5), die Linke ebenfalls
auf 4,5 Prozent (3,6).
Die Grünen erhalten laut Hochrechnungen 44 bis 58 Sitze im Landtag
(2021: 58), die CDU 43 bis 54 (42). Die AfD kommt auf 25 bis 32
Mandate (17), die SPD auf 8 bis 10 (19).
Erstmals durften 16- und 17-Jährige abstimmen
Die Wahlbeteiligung liegt den Hochrechnungen nach bei 70,2 bis 71,5
Prozent (2021: 63,8). Gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte durften ihre
Stimme abgeben - so viele wie nie zuvor.
Erstmals galt ein neues Wahlrecht, auch 16- und 17-Jährige durften
abstimmen. Zudem hatten Bürger zum ersten Mal zwei Stimmen wie bei
der Bundestagswahl. Die Zweitstimme entscheidet über die
Kräfteverhältnisse im Landtag, die Erststimme über den
Direktkandidaten im Wahlkreis.
Nachfolger für Langzeit-Ministerpräsident Kretschmann gesucht
Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen trat nach 15
Jahren nicht mehr an. Der 77-Jährige, bundesweit der erste und
einzige Regierungschef der Grünen, verabschiedet sich in den
Ruhestand. Seit 2016 regierte er mit der CDU, davor mit der SPD. Es
gilt als wahrscheinlich, dass CDU und Grüne erneut zusammen
regieren.
Grünen-Chef Felix Banaszak nannte das starke Grünen-Ergebnis auch
eine Ansage an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und dessen politische
"Orientierungslosigkeit". Co-Vorsitzende Franziska Brantner sprach
von einem "sensationellen Ergebnis".
Erfolgreiche Aufholjagd der Grünen
Über Monate lag die CDU in Umfragen deutlich vor den Grünen, die
aber eine Aufholjagd hinlegten. Als Partei präferierten viele zwar
die CDU, aber als Ministerpräsidenten wollten die Menschen lieber
Özdemir - und weniger den bis zuletzt kaum bekannten CDU-Mann Hagel.
Der 60-jährige Grünen-Kandidat Özdemir ist seit Jahrzehnten in der
Politik - er saß im Bundestag und im Europaparlament, war
Grünen-Chef und auch Bundesminister. Im Wahlkampf ging Özdemir, der
sich einen "anatolischen Schwaben" nennt, auf Abstand zu den
Bundes-Grünen und gab sich ein eher konservatives Profil.
Hagel schwärmte von "rehbraunen Augen" einer Schülerin
Der 37-jährige gelernte Bankkaufmann Hagel ist seit 2021
CDU-Fraktionschef im Landtag und wäre, sollte seine Partei vorn
liegen, der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte. Im
Wahlkampf stand der gläubige Katholik und Jäger in der Kritik wegen
eines Videos: In dem acht Jahre alten Clip schwärmt er von den
"rehbraunen Augen" einer minderjährigen Schülerin.
Auch SPD-Spitzenkandidat Stoch trat in einen "Fettnapf", wie er
selbst sagte: In einem SWR-Porträt ist zu sehen, dass er
ausgerechnet nach einem Besuch in einem Laden der Tafel seinem
Fahrer offenbar aufträgt, im benachbarten Frankreich Pastete
einzukaufen. Auch wenn es zu dem Einkauf nie kam, drückte Stoch sein
Bedauern aus.
Das historisch schlechte SPD-Ergebnis im Südwesten schockt auch die
Bundes-SPD, wo Parteichef Lars Klingbeil mit den Koalitionspartnern
CDU und CSU wichtige Reformen im Renten- und Gesundheitssystem vor
der Brust hat. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bezeichnete den
Ausgang als ein "sehr bitteres Wahlergebnis für uns". Die SPD sei
"total unter die Räder gekommen im Zweikampf zwischen Hagel und
Özdemir", sagte er in der ARD.
AfD: Auch in Baden-Württemberg eine Volkspartei
Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier wird vom
Landesverfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall
beobachtet; keine der übrigen Parteien will mit der AfD koalieren.
AfD-Bundeschef Tino Chrupalla sagte im ZDF, seine Partei sei der
Gewinner des Abends. "Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg eine
Volkspartei."
Die im Südwesten tief verwurzelte FDP zog mit Spitzenkandidat
Hans-Ulrich Rülke ins Rennen. Er sprach im Wahlkampf von der "Mutter
aller Wahlen" für seine Partei. Dass sie nun in Baden-Württemberg
nicht mehr im Landtag sitzen, dürften auch ein Comeback im Bund
erschweren.
Die Linke trat mit drei jungen Frauen als Spitzen-Trio an und setzte
damit einen Kontrapunkt zu den übrigen Parteien. Ins Zentrum rückten
sie die hohen Mieten und die Kluft zwischen Arm und Reich.
Auftakt für das "Superwahljahr 2026"
Die Wahl ist die erste von fünf Landtagswahlen im "Superwahljahr
2026" und die erste unter der schwarz-roten Bundesregierung unter
Kanzler Friedrich Merz (CDU). CDU und SPD debattieren über wichtige
Reformen. Die Wahlergebnisse sind daher wichtig für die Stimmung.
Die nächste Wahl steht am 22. März in Rheinland-Pfalz an. Dort droht
der seit 34 Jahren regierenden SPD der Verlust des
Ministerpräsidentenpostens. Im September wählen Sachsen-Anhalt und
Mecklenburg-Vorpommern - hier kommt die AfD in Umfragen an die 40
Prozent./kli/DP/mis
AXC0089 2026-03-08/19:04
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Autor: - dpa-AFX
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