| ROUNDUP: Chameneis Sohn wird oberster Führer im Iran |
| 08.03.2026 23:05:00 |
Im Iran ist mitten im Krieg der Sohn des
getöteten Ajatollahs Ali Chamenei zum neuen religiösen und
staatlichen Oberhaupt gewählt worden. Das gab das zuständige
Wahlgremium laut der Nachrichtenagentur Irna und dem staatlichen
Rundfunk Irib bekannt.
Der 56-jährige Modschtaba Chamenei wurde vom sogenannten
Expertenrat, dem wichtigsten religiösen Gremium des Landes, ernannt.
In dem Amt wird er künftig das letzte Wort in allen politischen und
militärischen Belangen haben. US-Präsident Donald Trump hatte jüngst
bereits deutlich gemacht, dass er Modschtaba Chamenei als neues
staatliches Oberhaupt ablehne. Dessen Vater war bei einem
israelischen Luftangriff am 28. Februar in Teheran getötet worden.
Der Expertenrat habe "trotz der akuten Kriegssituation und der
direkten Drohungen der Feinde" keinen Augenblick gezögert, hieß es
in einer von Irna veröffentlichten Mitteilung des Gremiums. Die
Entscheidung sei nach "sorgfältigen und umfassenden Prüfungen"
erfolgt.
Dauer der Amtszeit nicht festgelegt
Der oberste Führer im Iran war bislang die unangefochtene Autorität.
Er vereint die politische Macht und religiöse Legitimation und
bestimmt letztlich die strategische Ausrichtung des Staates. Seine
Macht beruht gemäß der Staatsideologie auf der sogenannten
"Velajat-e Faghih", der Herrschaft eines islamischen
Rechtsgelehrten.
Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, ernennt
Schlüsselpositionen in Justiz und Militär und kontrolliert mächtige
Gremien. Eine feste Amtszeit gibt es nicht. Kritiker sehen in der
Institution eine kaum kontrollierte Machtposition.
Einflussreich, aber meidet die Öffentlichkeit
Modschtaba Chamenei gilt seit langem als einflussreich, trat in den
vergangenen Jahren jedoch kaum öffentlich in Erscheinung. Nur wenige
Bilder von ihm sind bekannt. Viele Insider im Iran spekulieren seit
längerem, dass er im Schatten seines Vaters großen Einfluss ausgeübt
hat. So soll er im Hintergrund unter anderem Angelegenheiten im Büro
des Religionsführers gesteuert haben. Wo er politisch genau steht,
ist jedoch weitgehend unklar.
Der 56-Jährige dürfte den unerbittlichen Kurs seines Vaters aber
zunächst fortsetzen. Er gilt als vertrauter Akteur staatlicher
Unterdrückung, heißt es etwa in einer Analyse der Denkfabrik
Atlantic Council. So soll er während der Grünen Bewegung 2009, die
nach Vorwürfen der Wahlfälschung bei der Präsidentschaftswahl
entstand, eine Schlüsselrolle bei der Niederschlagung der Proteste
gespielt haben.
Trump bezeichnete Modschtaba Chamenei als "inakzeptabel"
Trump machte bereits vor wenigen Tagen in einem Telefongespräch mit
dem Nachrichtenportal Axios klar, dass er den Sohn des getöteten
Chamenei als neues staatliches Oberhaupt nicht gutheißen würde:
"Chameneis Sohn ist für mich inakzeptabel. Wir wollen jemanden, der
Harmonie und Frieden in den Iran bringt". Modschtaba Chamenei sei
ein "Leichtgewicht", sagte er laut Axios.
Noch bevor die Wahl des 56-Jährigen öffentlich bekannt wurde, drohte
Trump dem Iran am Sonntag zudem, sollte Washington nicht in die
Nachfolge des getöteten iranischen Staatsführers einbezogen werden.
Es brauche die Zustimmung der USA, sagte Trump dem Sender ABC News
nach dessen Angaben. "Wenn er unsere Zustimmung nicht erhält, wird
er nicht lang im Amt bleiben."
Kindheit geprägt von Revolution und Krieg
Modschtaba Chamenei wurde 1969 als zweiter Sohn des Ende Februar
getöteten Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei in der
nordöstlichen Pilgerstadt Maschhad geboren. In seiner Kindheit
erlebte er turbulente Jahre und den Sturz der Monarchie, der 1979 in
der Islamischen Revolution mündete.
Mit 18 Jahren trat er in den letzten Jahren des Iran-Irak-Kriegs den
Revolutionsgarden bei. Das Land war zu diesem Zeitpunkt vom Krieg
gezeichnet, weite Teile zerstört. Sein Vater, damals noch Präsident,
hatte sich bereits im iranischen Machtzentrum positioniert.
Religiöse Ausbildung im spirituellen Zentrum Irans
Modschtaba Chamenei entschied sich schließlich für den Weg der
schiitischen Theologie und studierte bei konservativen Gelehrten in
Ghom, dem spirituellen Zentrum des Iran. Rund 90.000 Geistliche
leben in der Stadt, die rund 150 Kilometer südlich von Teheran
liegt. Dort begann er auch später zu lehren. Ein iranischer
Professor im Ruhestand bezeichnete ihn als "zeitgemäßer" als sein
Vater. Doch auch er dürfte Israel als Erzfeind betrachten.
Er trägt den religiösen Titel eines Hodschatoleslam. Ursprünglich
verlangte die iranische Verfassung zur Ernennung zum obersten Führer
einen höheren Rang, den des Großajatollahs. Die Wahl seines Vaters
durch den Expertenrat löste 1989 eine Kontroverse aus, da ihm die
höchste schiitische Gelehrtenautorität fehlte. Mit einer
Verfassungsänderung wurden die Anforderungen an das Amt
gesenkt./arb/DP/zb
AXC0113 2026-03-08/23:05
|
Autor: - dpa-AFX
|
| Copyright dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von dpa-AFX ist nicht gestattet. |
|
|
| DAX | 23.591,03 | -224,72 | -0,94% |
| TecDax | 3.607,48 | -55,89 | -1,53% |
| MDAX | 29.482,78 | -206,18 | -0,69% |
| Dow Jones (EOD) | 47.501,55 | -453,19 | -0,95% |
| Nasdaq 100 | 24.643,02 | -377,40 | -1,51% |
| S & P 500 (EOD) | 6.740,02 | -90,69 | -1,33% |
| SMI | 13.095,55 | -202,75 | -1,52% |
|
| EUR/US$ | 1,1556 | -0,01 | -0,48% |
| EUR/Yen | 183,2273 | -0,03 | -0,01% |
| EUR/CHF | 0,9012 | -0,00 | -0,03% |
| EUR/Brit. Pfund | 0,8673 | 0,00 | 0,09% |
| Yen/US$ | 0,0063 | 0,00 | -0,11% |
| CHF/US$ | 1,2822 | 0,00 | 0,16% |
|
| baha Brent Indication | 90,78 | 6,58 | 7,82% |
| Gold | 5.132,48 | 30,16 | 0,59% |
| Silber | 82,27 | -1,89 | -2,24% |
| Platin | 2.121,91 | -38,48 | -1,78% |
| |
|
|