| ROUNDUP/Wolfsburg räumt auf: Trainer und Sportchef weg, Hecking da |
| 09.03.2026 05:30:00 |
Im Kampf gegen die vorherrschende
Untergangsstimmung und den ersten Bundesliga-Abstieg überhaupt setzt
der VfL Wolfsburg auf eine Club-Legende aus der erfolgreichen
Vergangenheit. Dieter Hecking tritt bei den taumelnden Niedersachsen
die Nachfolge von Trainer Daniel Bauer an, von dem sich der
Tabellenvorletzte nach dem 1:2 gegen den Hamburger SV getrennt
hatte. Neben Bauer stellte der VW-Club auch den schon lange
umstrittenen Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen frei.
"Dieter Hecking bringt genau die Erfahrung mit, die wir in der
aktuellen Situation brauchen. Er kennt den Verein, das Umfeld und
auch die Anforderungen der Bundesliga sehr genau", sagte
Sportdirektor Pirmin Schwegler zur Verpflichtung von Hecking, der
nach zehn Jahren nach Wolfsburg zurückkehrt. "Wir sind überzeugt,
dass er der Mannschaft mit seiner Ruhe, seiner Expertise und seiner
klaren Linie die nötige Stabilität geben wird, um unser gemeinsames
Ziel, den Klassenerhalt, zu erreichen."
Mit den personellen Radikalmaßnahmen holen die Verantwortlichen um
den zuletzt zaudernd wirkenden Aufsichtsratsboss Sebastian Rudolph
das nach, was eigentlich bereits im Anschluss an das desaströse 0:4
beim VfB Stuttgart eine Woche zuvor erwartet worden war. Doch danach
hatte sich Christiansen ein letztes Mal durchsetzen und Bauer noch
ein persönliches Endspiel gegen den HSV verschaffen können.
Chaos nach Niederlage gegen den HSV
Doch auch im brisanten Nordduell gelang dem 43 Jahre alten Coach
nicht die Wende. Stattdessen herrschten nach Schlusspfiff in der
Volkswagen Arena zum Teil chaotische Zustände. Vor der Fankurve des
VfL stiegen schwarze Rauchschwaden auf, auf dem Boden lagen
brennende Pyrofackeln und Fanutensilien. Und eine Ordnerkette
schützte das VfL-Team vor den wütenden Ultras. Es wirkte so, als sei
der VW-Club bereits abgestiegen.
Dass es dazu nicht wirklich kommt, soll nun Hecking verhindern. Der
61-Jährige führte die Wolfsburger 2015 zum DFB-Pokalsieg und in die
Champions League. Jetzt soll er verhindern, dass die Grün-Weißen mit
einem der teuersten Kader der Liga in die Zweitklassigkeit
abstürzen.
"Zum VfL Wolfsburg zurückzukehren, bedeutet mir viel. Ich habe hier
eine intensive und erfolgreiche Zeit erlebt und weiß, welche
Qualität und Energie in diesem Verein steckt", sagte Hecking, der an
diesem Montag offiziell vorgestellt werden soll. Über die
Vertragslaufzeit machte der Club noch keine Angaben. "Jetzt gilt es,
den Fokus voll auf die kommenden Aufgaben zu richten und gemeinsam
alle Kräfte zu bündeln, um in der Bundesliga zu bleiben." Am Samstag
geht es für den VfL nach Hoffenheim.
Christiansen schon lange in der Kritik
Dass die Situation in der VW-Stadt so brenzlig ist und der VfL neun
Spieltage vor dem Saisonende den vorletzten Tabellenplatz belegt,
hat viel mit dem nun freigestellten Geschäftsführer Christiansen zu
tun. Der 51 Jahre alte Däne ist für den völlig falsch
zusammengestellten Kader verantwortlich und lag zudem in der
Trainerfrage zweimal falsch. Der junge Niederländer Paul Simonis war
bei seiner ersten Auslandsstation ebenso überfordert wie dessen
Nachfolger Bauer, der zuvor erfolgreich die U19 des Clubs trainiert
hatte.
Wolfsburgs Aufsichtsratsvorsitzender Rudolph lobte zwar
Christiansens Arbeit für die Fußballerinnen des VfL. "Bei den
Männern fehlten leider die sportlichen Ergebnisse. Deswegen haben
wir entschieden, die Zusammenarbeit mit ihm zu beenden", sagte
Rudolph. Über eine Nachfolge soll zu einem späteren Zeitpunkt
entschieden werden.
Zunächst übernimmt der erst im Dezember verpflichtete Sportdirektor
Schwegler mehr Verantwortung. Auch der im Aufsichtsrat sitzende
frühere Torwart Diego Benaglio könnte sich mehr einbringen. Beide
waren es auch, die nach der Niederlage gegen den HSV im Dialog mit
den frustrierten Fans versuchten, die Wogen zu glätten.
Bauer schafft Wende nicht
Bauer hatte im November des vergangenen Jahres die Nachfolge von
Simonis angetreten und war kurz vor Weihnachten zum Cheftrainer
befördert worden. Zuletzt gab es in den vergangenen sieben Spielen
aber sechs Niederlagen.
"Diese Entscheidung ist uns alles andere als leichtgefallen. Wir
haben gehofft, die Wende gemeinsam hinzubekommen. In der Analyse der
Gesamtsituation sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir der
Mannschaft einen neuen Impuls geben müssen, um den Klassenerhalt zu
schaffen", sagte Schwegler. Bauer verließ am Samstag um 19.14 Uhr
die Arena und wusste da wohl schon, dass seine Zeit abgelaufen war.
Hecking dagegen kennt sich seit Jahren mit allen sportlichen Lagen
aus. Vor und nach seiner ersten Wolfsburger Zeit trainierte er unter
anderem Hannover 96, den 1. FC Nürnberg, Borussia Mönchengladbach
und auch den Hamburger SV. Zuletzt musste er am 15. September jedoch
beim VfL Bochum gehen, weil es nach dem Bundesliga-Abstieg auch beim
Neuaufbau der Mannschaft hakte.
Dass der Neuaufbau in Wolfsburg krachend scheiterte, liegt vor allem
an Christiansen. Als der Däne im Sommer 2024 vom FC Kopenhagen nach
Wolfsburg kam, versprach er eine neue Club-Identität und
Powerfußball. Doch die dafür nötigen Spieler holte er nicht. Die
großen Schwachstellen in Angriff und Abwehr wurden auch in diesem
Winter nicht behoben.
Radikalmaßnahme wie 2011
Nach dem ersten Trainerwechsel im November war erst einmal nur der
Sportdirektor auf der Ebene unter Christiansen ausgetauscht worden:
Der Schweizer Schwegler kam für Sebastian Schindzielorz.
Jetzt aber greift der vom Mutterkonzern Volkswagen dominierte
Aufsichtsrat beim VfL so stark durch wie seit dem Frühjahr 2011
nicht mehr. Damals verloren der Geschäftsführer Dieter Hoeneß sowie
Interimstrainer Pierre Littbarski auf einen Schlag ihre bisherigen
Jobs. Für sie kehrte mitten im Abstiegskampf der Wolfsburger
Meistertrainer Felix Magath noch einmal zurück./lar/DP/zb
ISIN DE0007664039
AXC0025 2026-03-09/05:30
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Autor: - dpa-AFX
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