| Frust und Zweifel: Angriffe verunsichern Iraner |
| 09.03.2026 06:10:00 |
Gut eine Woche nach dem Beginn der
israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran wachsen in dem Land
teils Verunsicherung und Frust. Die jüngsten Luftschläge auf
Öldepots sowie Einschläge in Wohngebieten, historischen Stätten und
einer Mädchenschule in Minab im Südiran hätten die Menschen spürbar
verunsichert und vielerorts Unbehagen ausgelöst, schilderten
Beobachter die Stimmung im Land.
Rauch färbte den Himmel dunkel über Teheran am Wochenende, nachdem
Explosionen Öldepots in der iranischen Hauptstadt in Flammen gesetzt
hatten. "Die Leute wachten auf und dachten, es sei noch Nacht",
sagte ein Teheraner. Wie ein apokalyptisches Szenario aus
islamischen Endzeit-Vorstellungen erscheine ihm seine Stadt,
schilderte ein Taxifahrer namens Behsad die Atmosphäre.
Selbst Regierungsgegner zweifeln
Auch, dass in dem Krieg zunehmend die Nachbarstaaten aus dem Iran
beschossen werden, beunruhigt Beobachtern zufolge viele Menschen.
Die Rechtfertigung der iranischen Regierung, dass die Attacken
ausschließlich auf US-Militärbasen zielten, verfängt auch im Iran
längst nicht bei allen. "Wenn auch die uns noch angreifen, dann
wandere ich aus", so Taxifahrer Behsad.
Die jüngsten Angriffe bringen selbst Regierungsgegner ins Zweifeln,
die vor kurzem noch militärischen Druck als einzigen Weg zu einem
Machtwechsel befürwortet hatten. "Es ging um einen Regimewechsel,
nicht um den Kollaps des Landes oder Angriffe auf Schulen",
kritisiert etwa die Architekturstudentin Faranak die als zunehmend
ziellos wahrgenommenen Attacken. Man könne nachts kaum noch schlafen
und sei am nächsten Tag entsprechend gereizt, sagte die 26-Jährige.
Angst und Ungewissheit statt Neujahrsfreude
Der Krieg wird immer mehr zur Belastung im Alltag und bedroht die
wirtschaftliche Existenz der Menschen. "Niemand kauft mehr ein, weil
viele aus Angst vor Angriffen aus den Städten geflohen sind und
unklar ist, wie lange der Alptraum dauern wird", schildert
Amir-Hussein, Supermarktbesitzer aus dem Teheraner Vorort Karadsch,
die Lage nach den jüngsten Angriffen.
Anstelle von Neujahrsfreude herrschten vor Norus, dem persischen
Neujahr am 21. März, Angst und Ungewissheit. "Der Westen sollte ja
alles besser machen, wofür wir ja auch dankbar sind, aber doch nicht
das Land lahmlegen und unsere Existenzen bedrohen", so der
49-Jährige.
Härte als einziger Weg?
Ein im kanadischen Exil lebender iranischer Politologe bewertet die
Lage anders. Gegen ein brutales System wie die iranischen Machthaber
könne nur mit Härte vorgegangen werden, sagte der Professor in
Toronto, der aus Angst um im Iran lebende Angehörige nicht
namentlich genannt werden will.
Die Unterstützung militärischer Maßnahmen bedeute auch nicht, dass
man das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump oder Israels
Regierungschef Benjamin Netanjahu gutheiße. Zudem dürfe man sich
nicht von der Rhetorik der Regierung in Teheran beirren lassen, die
den Tod der Schülerinnen in der bombardierten Schule in Minab
tränenreich beklage. "Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass
noch vor kurzem Zehntausende friedliche Demonstranten vom Regime als
Terroristen diffamiert und brutal ermordet wurden", so der
Akademiker./cmy/DP/zb
AXC0045 2026-03-09/06:10
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Autor: - dpa-AFX
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