| WDH/WOCHENAUSBLICK: Iran-Krieg hält die Dax-Anleger in Atem |
| 09.03.2026 06:20:00 |
(Technische Wiederholung. Im ersten Absatz wurde die Dax-ISIN
eingefügt.)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die durch den Iran-Krieg geweckten Inflations-
und Konjunktursorgen bleiben auch in der neuen Woche der Dreh- und
Angelpunkt für die Aktienmärkte. Die vergangene Woche war für den
deutschen Leitindex Dax die schwächste Woche seit dem
US-Zollgewitter im April 2025; er knickte um fast sieben Prozent
ein. Zum Wochenstart dürfte der Druck wegen der zum Wochenstart
weiter rasant steigenden Ölpreise anhalten.
Der Broker IG taxierte den Dax am Montag gegen 5.45 Uhr auf rund
22.770 Punkte - das wären dann noch mal 3,6 Prozent weniger als am
Freitag. Sollte der Dax im regulären Handel auf dieses Niveau
fallen, wäre es der niedrigste Stand seit dem Frühjahr vergangenen
Jahres. Im Vergleich zum Rekordhoch von etwas mehr als 25.500 Punkte
wäre es ein Minus von elf Prozent.
Noch vor dem Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump eine
"bedingungslose Kapitulation" des Iran gefordert. Am Wochenende
griffen die USA und Israel das Land weiter massiv an.
Wirtschaftsdaten rückten in diesem Umfeld bereits in der alten Woche
ein Stück weit in den Hintergrund, abgesehen vom monatlichen
US-Arbeitsmarktbericht, der einige Zweifel an der konjunkturellen
Verfassung des Landes aufkommen ließ.
Zwar erschwerten verzerrende Effekte etwa durch Streiks die
Interpretation der Jobdaten, positiv sind sie in Summe aber nicht,
erklärte Experte Tobias Basse von der NordLB. In jedem Fall stehe
die US-Notenbank unter Handlungsdruck, zügigere Zinssenkungen seien
möglich.
Dem gegenüber stehen die Ungewissheiten mit Blick auf die Eskalation
des Nahost-Konflikts und die dadurch gestiegenen Öl- und Gaspreise.
Die bringen Inflationsgefahren mit sich, was in der Tendenz gegen
niedrigere Zinsen spricht. Ein schnelles Kriegsende würde daher
deutliche Erleichterung an die Finanzmärkte bringen, entsprechend
große Risiken birgt ein längerer Konflikt.
Irans Kampfkraft ist nach US-Einschätzung infolge der Attacken durch
die USA und Israel zwar erheblich geschwächt, dennoch versucht die
iranische Führung, den Krieg im gesamten Nahen Osten auszuweiten,
Öl- und Gasinfrastruktur der Golfstaaten werden ins Visier genommen.
Auch ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus - einem
Nadelöhr des globalen Öl- und Gashandels - laut der
Marineberatungsgruppe Joint Maritime Information Center (JMIC)
mittlerweile nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.
"Eine knappe Woche nach Beginn des Iran-Kriegs ist sein Ende nicht
absehbar", schreiben die Volkswirte Christoph Balz und Marco Wagner
von der Commerzbank in ihrer Markteinschätzung. Zwar gehen sie in
ihrem "Basisszenario" davon aus, dass der Krieg und damit die
Behinderungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus nur
wenige Wochen andauern werden.
"Angesichts des von der US-Regierung und der israelischen Regierung
immer wieder genannten Ziels eines "Regime-Wechsels" besteht
allerdings das Risiko, dass sich die Angriffe der USA und Israels
über einige Monate hinziehen und damit auch den Transport von Öl und
Gas länger behindern werden", so die beiden Experten.
Im Extremfall könnte nach ihrer Einschätzung sowohl bei Öl als auch
bei Flüssiggas ein Fünftel der weltweiten Produktion nicht mehr auf
den Weltmarkt kommen. Der Ölpreis könnte dann auf 100 US-Dollar je
Barrel (159 Liter) steigen. Zum Vergleich: In der nun endenden Woche
legte der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im
Mai bereits um rund ein Viertel auf zuletzt um die fast 91 Dollar
zu.
Ein fortgesetzter und vor allem nachhaltiger Ölpreisanstieg würde
die Inflation wohl wieder nach oben treiben. Im Euroraum wäre dann
eine Teuerungsrate von 3 Prozent denkbar, die das
Wirtschaftswachstum bremsen würde, so Balz und Wagner. Die
Europäische Zentralbank würde in Zugzwang geraten.
Wie Finanzkontrakte an den Terminmärkten zeigen, rechnen Investoren
denn auch bereits mit einer Leitzinserhöhung durch die EZB um 0,25
Prozentpunkte im zweiten Halbjahr.
Allerdings ist es noch längst nicht so weit. So geht auch Robert
Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, in seinem
Basisszenario von einem eher kurzen, höchstens dreimonatigen Krieg
aus. "Ein viel schnelleres Kriegsende erscheint uns weniger
realistisch, eine viel längere Dauer mit etwa einer monatelangen
Schließung der Straße von Hormus Stand heute ebenfalls." Die
Ölpreise - und damit auch die Inflation - wären dann auch nur kurz
erhöht.
Wenngleich die Februar-Daten die Nahost-Krise noch nicht
widerspiegeln, werden die Finanzmarktakteure ihre Blicke zur
Wochenmitte auf Inflationsdaten aus den USA richten. Auf den ersten
Blick ließ der Inflationsdruck zuletzt deutlich nach und die für
Februar erwarteten Daten würden normalerweise wohl auf ein
weitgehendes Erreichen des Inflationsziels der US-Notenbank Fed
deuten, so Balz. Das liegt bei 2 Prozent.
Eigentlich, betont Balz. Denn: Die für Januar noch nicht
veröffentlichte sogenannte PCE-Kernrate - das bevorzugte
Inflationsmaß der Fed - dürfte mindestens bei 3,1 Prozent liegen.
"Folglich sollte auch ein relativ günstiger Bericht zu den
Verbraucherpreisen mit Vorsicht interpretiert werden. Der immer
einige Wochen später veröffentlichte PCE-Deflator sollte ein
ungünstigeres Bild zeichnen."
Auf der Unternehmensseite geht indes die Berichtssaison weiter.
Neben den Resultaten für 2025 interessiert Anleger vor allem, wie
die Unternehmen auf das neue Jahr blicken und ob sie bereits
mögliche Folgen des Iran-Krieges abschätzen können. Am Dienstag
öffnet der Autobauer Volkswagen seine Bücher, in den
USA blicken Anleger zudem auf Quartalszahlen des Soft- und
Hardwarekonzern Oracle und dessen Fortschritte bei
seiner KI-Offensive.
Zur Wochenmitte folgen aus dem Dax der Konsumgüter-
und Klebstoffkonzern Henkel und das
Rüstungsunternehmen Rheinmetall , bevor sich am
Donnerstag der Online-Modehändler Zalando , der
Energiekonzern RWE , der Lkw-Bauer Daimler Truck
sowie der Rückversicherer Hannover Rück
zur Geschäftsentwicklung äußern
werden./mis/ag/men/jha/
ISIN DE0008469008
AXC0046 2026-03-09/06:20
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Autor: - dpa-AFX
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