| AKTIEN IM FOKUS: Rüstungswerte im schwachen Markt robust - Debüt von Gabler |
| 09.03.2026 13:44:00 |
Die weiter verschärfte Lage im Nahen Osten im
Zuge des inzwischen rund einwöchigen Iran-Kriegs hat am Montag die
Rüstungsbranche wieder in den Fokus gerückt. Im tiefroten
Marktumfeld zeigten diese Papiere europaweit relative Stärke. Am
deutschen Aktienmarkt wurden zudem die Anteilsscheine von Hensoldt
von einer Kaufempfehlung beflügelt. Darüber hinaus
feierte der Lübecker Marinetechnik-Spezialist Gabler einen
erfolgreichen Börsengang.
Während der Markt in der Breite von der fortgesetzten Ölpreis-Rally
belastet wurde, zogen im Dax Rheinmetall
um mehr als 2 Prozent auf 1.629 Euro an. Sie waren
damit - wie Hensoldt im MDax - Index-Favorit. Die
Aktien des Radarspezialisten profitieren mit gut 6 Prozent Plus auf
78,20 Euro obendrein von einer Kaufempfehlung des Analysehauses
Jefferies. Renk und TMKS verloren immerhin weniger
als der sehr schwache MDax.
Im deutschen Rüstungssektor fand zum Wochenstart auch der Börsengang
des U-Boot-Zulieferers Gabler im Scale-Segment der
Frankfurter Wertpapierbörse Beachtung. Der Ausgabepreis war mit 44
Euro bereits in der oberen Hälfte der Angebotsspanne von 37 bis 47
Euro festgelegt worden. In den ersten Handelsminuten kletterten sie
am Morgen nun auf 49,50 Euro, näherten sich aber am Mittag wieder
dem Ausgabepreis.
In Paris legten Thales und in London BAE Systems
zu. Thales entwickelt unter anderem Radarsysteme und
unterstützt Streitkräfte bei der Sicherung kritischer Infrastruktur.
BAE stand zuletzt vor allem als Zulieferer für die
THAAD-Raketenabwehr der US-Armee im Fokus. In Mailand waren Aktien
von Leonardo stark. Der Technologiekonzern stellt
Hubschrauber und Militärflugzeuge sowie elektronische
Überwachungssysteme her.
Allgemein belastet derzeit die Sorge um die weltweite Ölversorgung
durch die Blockade der Straße von Hormus die Stimmung. Daher
reduzieren Anleger weiter Risiken und verkaufen Aktienbestände. Nach
Einschätzung von US-Kriegsbeobachtern ist der Schiffsverkehr in der
für den internationalen Energiehandel extrem wichtigen Meeresenge um
etwa 90 Prozent zurückgegangen. Die einzige Verbindung des
Persischen Golfs mit den Weltmeeren passieren normalerweise täglich
rund ein Fünftel der globalen Öltransporte.
Die geopolitischen Spannungen spielen den Rüstungswerten aber in die
Karten - nach dem seit Jahren anhaltenden Ukraine-Krieg nun auch der
Iran-Krieg. Die Hoffnung so mancher Kriegsbefürworter auf einen
schnellen Sieg der USA und Israel, ähnlich dem Sechstage-Krieg, hat
sich zerschlagen. Aktuell geht das Weiße Haus von einer Kriegsdauer
von vier bis sechs Wochen aus. Auch der Einsatz von Bodentruppen
wird nicht gänzlich ausgeschlossen. Der Iran berief unterdessen den
Sohn des bei einem israelischen Luftangriff getöteten obersten
Führers Ajatollah Ali Chamenei zu dessen Nachfolger. US-Präsident
Donald Trump allerdings hatte erst kürzlich dem Nachrichtenportal
Axios gesagt, dass der 56-jährige Modschtaba Chamenei für ihn
"inakzeptabel" sei.
Der Krieg dürfte also weitergehen, was den Blick von Investoren auch
auf weiter steigende Rüstungsausgaben und hier insbesondere auf
Raketenabwehrsysteme lenkt, wie Citigroup-Analyst Charles Armitage
kürzlich schrieb. Profitieren könnten hierzulande vor allem
Hersteller und Zulieferer wie Diehl Defence mit seinem
bodengestützten Abwehrsystem Iris-T SLM, für das Hensoldt ein
wichtiger Zulieferer ist, oder auch das Skyranger-System von
Rheinmetall.
Für Hensoldt ist Jefferies-Experte Ben Brown, der die Bewertung der
Aktie nun von Analystin Chloe Lemarie übernommen hat, sehr
optimistisch. Vor dem Hintergrund der eingehenden Aufträge aus
Deutschland wirkten die Jahresziele für den freien Finanzmittelfluss
konservativ, schrieb er. Dabei verwies Brown unter anderem auf die
Rekordnachfrage nach Luftverteidigungssystemen und darauf, dass sich
der Auftragseingang auch 2026 fortsetzen werde. Hensoldt hatte erst
Ende Februar zur Vorlage seiner Jahreszahlen mit seinem Ergebnisziel
und dem Dividendenvorschlag für 2025 enttäuscht.
Obwohl das Management eine Erhöhung der Investitionsausgaben
signalisiert hatte, hauptsächlich wegen der neuen Sensoranlage und
dem neuen Optronik-Reparaturzentrum, erscheint dem
Jefferies-Experten die prognostizierte Free-Cashflow-Rate von 204
bis 209 Millionen Euro angesichts der hohen Anzahlungen zu niedrig.
Da zudem die Bewertung der Hensoldt-Aktie nach dem Rückgang des
Prämienaufschlags für deutsche Rüstungswerte inzwischen attraktiver
sei, hob er das Anlageurteil von "Hold" auf " Buy". Das Kursziel
beließ er unverändert bei 90 Euro./ck/ag/nas
ISIN DE0007030009 DE000HAG0005 DE000RENK730 DE000TKMS001 DE000A421RZ9
AXC0194 2026-03-09/13:44
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Autor: - dpa-AFX
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