| KORREKTUR/ROUNDUP: Baden-Württemberg streitet nach Wahl um Teilung der Macht |
| 09.03.2026 16:41:00 |
(Berichtigt wird im dritten Absatz, letzter Satz: "Eine Fortführung
der Koalition aus Grünen und CDU ist derzeit die einzig realistische
rpt realistische Regierungsoption."
BERLIN/STUTTGART (dpa-AFX) - Nach dem äußerst knappen Ergebnis der
Landtagswahl in Baden-Württemberg streiten CDU und Grüne über den
Vorschlag einer Teilung der Amtszeit. Wahlgewinner Cem Özdemir hat
Ideen aus der Union, den Posten des Ministerpräsidenten zu teilen,
scharf zurückgewiesen - und den Regierungsanspruch der Grünen
unterstrichen.
Auch wenn es nur eine Stimme mehr gäbe, wäre klar, wer den
Ministerpräsidenten stelle, sagte Özdemir in Stuttgart. Das sei
Tradition. Man werde auch keine Doppelspitze bilden. "Wir machen
erwachsene Politik, die Situation ist einfach zu ernst für Quatsch
aller Art."
56 Mandate für Grüne, 56 Mandate für CDU
Bei der Wahl am Sonntag hatten die Grünen mit 30,2 Prozent knapp
Platz eins vor der CDU mit 29,7 Prozent erreicht. Im neuen Landtag
kommen aber beide Fraktionen auf jeweils 56 Mandate. Die SPD war auf
5,5 Prozent abgesackt. Eine Fortführung der Koalition aus Grünen und
CDU ist derzeit die einzig realistische Regierungsoption.
Zunächst hatte CDU/CSU-Bundestagsfraktionschef Jens Spahn angesichts
der Pattsituation eine Teilung der Amtszeit des Ministerpräsidenten
ins Spiel gebracht. Der Stuttgarter CDU-Oberbürgermeister Frank
Nopper hatte auf Anfrage der "Bild"-Zeitung zudem erklärt, es gebe
in Baden-Württemberg gar "keinen klaren Wahlsieger". Die Grünen
könnten das Ministerpräsidentenamt nicht allein für sich
beanspruchen, so Nopper. Deswegen plädiere er für ein
Rotationsprinzip und für die Besetzung des Amts im Wechsel.
Hagel schließt Teilung der Amtszeit nicht aus
Baden-Württembergs CDU-Chef Manuel Hagel schloss auf Nachfrage eine
Teilung der Amtszeit nicht aus. Grüne und CDU hätten die gleiche
Zahl an Sitzen im Parlament, sagte Hagel nach Sitzungen der
CDU-Spitzengremien in Berlin. Die Pattsituation sei neu und
einmalig. Jede Partei habe die gleiche Zahl an Abgeordneten, daraus
erwachse ein klarer inhaltlicher Anspruch. "Da gehört alles auf den
Tisch, alles auf den Prüfstand." Wie man damit umgehe, werde man in
den zuständigen Gremien der Südwest-CDU am Abend und am Dienstag in
der Fraktion beraten.
Die deutlichen Zugewinne der CDU und die Gleichzahl der Mandate
müssten "in der Regierungspolitik und vorher in einem möglichen
Koalitionsvertrag sich in einer Balance abbilden", sagte Kanzler und
CDU-Bundeschef Friedrich Merz mit Blick auf ein mögliches Bündnis
aus Grünen und Union.
Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner sagte zum Vorschlag
einer Teilung der Amtszeit: "Ich hatte ja bis gestern geglaubt, die
CDU sei gegen Lifestyle-Teilzeit. Also, wir sind für
Vollzeit-Ministerpräsidenten."
CDU treibt den Preis für Koalitionsverhandlungen hoch
Die Südwest-CDU sollte nicht einfach zur Tagesordnung übergehen,
sagte Oberbürgermeister Nopper - "insbesondere nach dem äußerst
unfairen Wahlkampf der letzten Wochen". Eine Koalition kann es nur
geben, wenn die Grünen in dieser Situation starke Zugeständnisse
machten, die weit über eine bessere Ausstattung mit Ministerien
hinausgehen.
Auch Hagel betonte, es gebe keinen Automatismus zur Bildung einer
Landesregierung - und keinen Automatismus zur Übereinstimmung mit
den Grünen. Die Überzeugungen der CDU würden weiterhin gelten, die
hätten sich nicht in Luft aufgelöst. Für eine linke Politik stehe
die CDU nicht zur Verfügung.
Özdemir für Verhandlungen "auf Augenhöhe"
Özdemir betonte, er wolle eine Koalition der Mitte schmieden und die
Regierung anführen. Es brauche nun eine zügige Regierungsbildung.
Die Verhandlungen darüber wolle er auf Augenhöhe führen, sagte
Özdemir. Es werde keine Vorfestlegungen geben - und auch keine
frühen Debatten über die Verteilung von Ressorts und Posten. "Das
kommt am Ende."
Wie schnell sich Grüne und CDU zu Gesprächen treffen, ist noch
unklar. Man sei bereits im Austausch und werde absprechen, wann man
wie welche Gespräche führen werde, sagte Özdemir./poi/DP/stw
AXC0256 2026-03-09/16:41
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Autor: - dpa-AFX
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