| GESAMT-ROUNDUP 3: Ölpreis über 100 Dollar - Klingbeil: Sprit-Preistreiberei |
| 09.03.2026 17:34:00 |
(neu: Klingbeil zu Vorwurf der Preistreiberei)
NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Der Iran-Krieg hat die Ölpreise über die
Marke von 100 US-Dollar katapultiert und schürt Sorgen vor
Rückschlägen beim Wirtschaftswachstum. Für Entspannung sorgte ein
Bericht, wonach die G7-Gruppe der führenden westlichen
Industriestaaten erwägen, ihre nationalen Erdölreserven einzusetzen,
um den Preisanstieg am Ölmarkt zu bremsen. Eine Entscheidung darüber
fiel nach Angaben des französischen Finanzministers Roland Lescure
noch nicht. Derweil wirft Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD)
den Mineralölkonzernen Preistreiberei an den Tankstellen vor und
will ein schnelle Handeln der Bundesregierung.
Der Anstieg der Ölpreise über 100 Dollar löste einen Ausverkauf an
den Börsen aus - insbesondere an den asiatischen Börsen. Anleger
sind besorgt, dass die Inflation steigt und die Konjunktur leidet,
sollte sich der Ölpreis länger auf dem hohen Niveau bewegen.
Die Spritpreise legen am Montag erneut deutlich zu. Nachdem sich ihr
Anstieg über das Wochenende verlangsamt hatte, beschleunigte er sich
am Montag wieder, wie aus Daten des ADAC hervorgeht. Mit dem
Gaspreis ging es ebenso weiter steil nach oben.
Klingbeil sieht Preistreiberei an den Tankstellen
Finanzminister Lars Klingbeil sieht den aktuellen Anstieg der
Spritpreise als ungerechtfertigt an und will ein schnelles Handeln
der Bundesregierung. Wie der SPD-Politiker in Brüssel bei einem
EU-Finanzministertreffen sagte, könnten etwa die
Transparenzpflichten für Mineralölkonzerne erhöht werden, um den
Nachweis von Preistreiberei zu vereinfachen. Zudem warb er dafür,
festzulegen, dass die Spritpreise nur noch einmal am Tag erhöht
werden dürften. Dies könne sehr schnell ohne langwierigen
Gesetzgebungsprozess umgesetzt werden, erklärte er.
"Wir sehen, dass eine Preistreiberei stattfindet, dass die aktuelle
geopolitische Situation ausgenutzt wird, um die eigenen Gewinne nach
oben zu schrauben", sagte er. Er halte es für unanständig, auf dem
Rücken von Pendlerinnen und Pendlern, von Handwerksbetrieben und
Beschäftigten die Gewinne zu maximieren. Da müsse die Politik zügig
handeln. "Wir besprechen jetzt innerhalb der Bundesregierung die
konkreten Maßnahmen", sagte er.
Höchster Stand seit dem Sommer 2022
Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Marke Brent
stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120
Dollar. Dann sank der Preis zwar, er lag im Vormittagshandel aber
mit 107 Dollar immer noch 15 Prozent höher als am Freitag. Damit
kletterte der Preis für die Referenzsorte des Großteils der weltweit
gehandelten Ölsorten auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022.
Seit dem Start des Iran-Kriegs vor etwas mehr als einer Woche
beläuft sich das Plus auf fast 50 Prozent.
Angst vor längerer Sperrung der Straße von Hormus
Die Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark
beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den
Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von
Hormus kam durch den Krieg faktisch zum Erliegen. Es gibt weiter
keine Anzeichen für ein schnelles Ende des Kriegs. Mit den jüngsten
Äußerungen von US-Präsident Donald Trump "nehmen die Risiken für ein
längeres Andauern weiter zu", heißt es bei der Dekabank.
Trump: Geringer Preis für Sicherheit und Frieden
Trump, für den steigende Spritpreise mit Blick auf die wichtigen
Zwischenwahlen im Herbst und die Lebenshaltungskosten seiner
Wählerschaft zum Problem werden könnten, versuchte, den Fokus auf
die langfristige Entwicklung zu lenken: "Die kurzzeitigen Ölpreise,
die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran
rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die
Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt", schrieb er auf
seiner Plattform Truth Social.
"FT": G7-Länder wollen über Freigabe von Notreserven beraten
Wie die "Financial Times" berichtet, wollten die Finanzminister der
G7-Staaten über eine mögliche Freigabe von Erdölreserven unter der
Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) beraten.
Demnach haben bereits drei G7-Staaten, darunter die USA, dem
Vorschlag ihre Unterstützung zugesagt. Die Mitgliedsstaaten der IEA,
ein Interessenverband von Industriestaaten, halten strategische
Reserven als Teil eines Notfallsystems für Ölpreiskrisen.
Eine Entscheidung steht aus. "Soweit sind wir noch nicht", sagte
Frankreichs Finanzminister Roland Lescure auf eine entsprechende
Frage in Brüssel nach einem Gespräch der Finanzminister der
G7-Länder. "Worauf wir uns geeinigt haben, ist, wenn nötig alle
notwendigen Mittel zu nutzen, um den Markt zu stabilisieren - die
mögliche Freigabe von Reserven eingeschlossen." Lescure sagte:
"Worauf wir uns geeinigt haben, ist, wenn nötig alle notwendigen
Mittel zu nutzen, um den Markt zu stabilisieren - die mögliche
Freigabe von Reserven eingeschlossen."
Aus Sicht von Finanzminister Klingbeil steht ein Rückgriff auf die
Reserven derzeit noch nicht an, wie er in Brüssel sagte. Deutschland
ist nach seinen Worten allerdings offen dafür, "in einem
koordinierten Verfahren zum richtigen Zeitpunkt" auf die nationalen
Ölreserven zurückzugreifen.
Bei dem Gespräch der G7-Gruppe führender westlicher Industriestaaten
war auch der Chef der Internationalen Energieagentur IEA, Fatih
Birol, anwesend. Die IEA teilte mit, sie habe über die sich
verschlechternden Bedingungen auf den globalen Ölmärkten berichtet.
Die 32 IEA-Mitgliedsländer verfügten über 1,2 Milliarden Barrel
Notreserven Öl. Hinzu kämen 600 Millionen Barrel Industrievorräte.
Ihre strategischen Ölreserven geben Volkswirtschaften jeweils in
Krisensituationen frei, um den Ölmarkt zu stabilisieren oder auf
Versorgungsengpässe zu reagieren. Zu diesem Mittel wird selten
gegriffen. In Deutschland wurden bisher viermal strategische
Ölreserven freigegeben - jeweils auf Grundlage gemeinsamer
Beschlüsse der IEA-Mitgliedsländer.
Öl-Notreserven im größeren Stil wurden zuletzt im Zusammenhang mit
dem Ukraine-Krieg im Jahr 2022 freigegeben. Die IEA-Mitglieder
hatten zudem während des Golfkriegs 1990/91, nach dem Hurrikan
Katrina 2005 und beim Ausfall libyscher Ölexporte 2011 koordiniert
Reserven freigegeben.
Deutsche Reserven reichen für drei Monate
Deutschland hält strategische Ölreserven für mindestens 90 Tage, um
Versorgungsstörungen auszugleichen. Mit diesen sogenannten
strategischen Ölvorräten könnte laut Bundeswirtschaftsministerium
für drei Monate ein vollständiger Ausfall aller Importe ausgeglichen
werden.
EU-Kommission: Energieversorgung in Europa ist stabil
Die Europäische Kommission sieht die Versorgung mit Öl und Gas
weiter nicht unmittelbar gefährdet. "Europa ist trotz seiner hohen
Abhängigkeit von den globalen Märkten als Nettoimporteur von Energie
gut vorbereitet", sagte eine Sprecherin der Behörde. Europa beziehe
Gas und Öl von verschiedenen Anbietern. Die Öl-Notvorräte seien
gefüllt, und auch die Gas-Vorräte seien hoch genug, um Europa bis
zum Ende der Heizperiode zu versorgen.
Spritpreise steigen nicht mehr so schnell
Benzin und Diesel verteuerten sich über das Wochenende und auch am
Montag weiter. Sowohl Superbenzin der Sorte E10 als auch Diesel
kosteten am Nachmittag um 14.30 Uhr im bundesweiten Durchschnitt
mehr als noch am Morgen. Das ist ungewöhnlich - normalerweise wird
der höchste Spritpreis des Tages etwa um 7.15 Uhr erreicht und fällt
im Laufe des Tages deutlich. Dass sich die Preise in die andere
Richtung entwickeln ist ein starkes Indiz, dass der
Tagesdurchschnittspreis des Montags deutlich über dem des Sonntags
liegen dürfte. Bei E10 könnte unter Umständen sogar die Marke von 2
Euro überschritten werden.
Die ersten Zahlen vom Montag deuteten - trotz des stark gestiegenen
Ölpreises - zunächst eher nicht in Richtung eines starken Anstiegs
beim Sprit. In der üblichen Preisspitze am Morgen ging es am Montag
bei Diesel zunächst bis auf 2,177 Euro, bei E10 bis auf 2,043 Euro.
Diesel war damit nur um 0,4 Cent teuer als zum selben Zeitpunkt am
Sonntag, E10 um 1,1 Cent billiger.
Gaspreis steigt um 30 Prozent
Der Preis für europäisches Erdgas ist dagegen stark gestiegen. An
der Börse in Amsterdam sprang die Notierung für den
richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem
Monat zum Handelsbeginn um rund 30 Prozent auf 69,50 Euro je
Megawattstunde (MWh) nach oben. Im frühen Handel ist der Preis
wieder ein Stück weit zurückgefallen, auf 61,80 Euro. Das sind immer
noch etwa 16 Prozent mehr als am Freitag.
Mit dem aktuellen Preisanstieg hat sich europäisches Erdgas seit
Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran vor mehr als
einer Woche in etwa verdoppelt. Dies ist der stärkste Anstieg seit
Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine von vier
Jahren./kr/jsl/nas/wea/aha/DP/stw
AXC0270 2026-03-09/17:34
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Autor: - dpa-AFX
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