| ROUNDUP: China überrascht mit deutlichem Plus im Außenhandel |
| 10.03.2026 06:39:00 |
China hat zum Jahresbeginn überraschend deutlich
mehr importiert und exportiert als erwartet. Wie die Zollbehörde in
Peking mitteilte, stiegen die Exporte im Januar und Februar in
US-Dollar berechnet um 21,8 Prozent verglichen mit dem gleichen
Vorjahreszeitraum. Die Importe legten demnach ebenfalls deutlich um
19,8 Prozent zu. Daraus ergab sich ein Handelsüberschuss von 213,6
Milliarden US-Dollar (fast 184 Milliarden Euro).
Vorab hatten Analysten lediglich mit einem Zuwachs von 7,1 Prozent
bei den Exporten in den beiden ersten Monaten des Jahres verglichen
mit demselben Vorjahreszeitraum gerechnet. Für Chinas Importe
erwarteten die Marktbeobachter ein Plus von 6,3 Prozent. Die
Volksrepublik veröffentlicht wegen des Frühlingsfestes und der
folgenden Feiertage, die dieses Jahr im Februar lagen, seine
Außenhandelszahlen für die beiden ersten Monate des Jahres zusammen,
um Verzerrungen zu vermeiden.
Auswirkungen des Iran-Konflikts
Der rasante Anstieg im Außenhandel fiel noch in die Zeit vor dem
US-amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran, durch den die
Schifffahrt in der Region, vor allem in der Straße von Hormus, stark
beeinträchtigt wurde. Erste Auswirkungen könnten sich in den
März-Daten für Chinas Außenhandel zeigen. Die Volksrepublik
importiert vor allem Öl aus dem Iran.
Vor einem Jahr stand Chinas Außenhandel noch unter dem Eindruck der
Zölle von US-Präsident Donald Trump, was in einen Schlagabtausch mit
Aufschlägen und Gegenaufschlägen der beiden größten
Volkswirtschaften der Welt gemündet war. Trump wird Ende März in
China erwartet. Der Zollstreit, in dem noch eine Pause herrscht,
sowie das Handelsverhältnis beider Länder dürfte weit oben auf der
Agenda stehen.
Laut Pekings Zolldaten gingen Chinas Exporte in die USA im Januar
und Februar um 11 Prozent verglichen mit demselben Zeitraum 2025
zurück. Die Importe aus den Vereinigten Staaten sanken sogar um 26,7
Prozent.
Schere im Handel mit Deutschland
Nach Deutschland stieg der Wert ausgeführter Waren im selben
Vergleichzeitraum dagegen um 31,3 Prozent. Chinas Einfuhren aus der
Bundesrepublik nahmen nur um 4,9 Prozent zu. Die deutsche
Auslandshandelskammer (AHK) in China sieht den Anstieg der Importe
positiv mit Blick auf deutsche Firmen in der Volksrepublik.
"Aber die Schere der Handelsbilanz klafft auch zum Jahresbeginn
zunehmend auseinander: angesichts eines starken Anstiegs der Exporte
nach Deutschland und in die EU werden die Stimmen lauter werden, die
sich für defensive handelspolitische Instrumente einsetzen", sagte
Oliver Oehms, AHK-Chef in Nordchina.
Oehms sieht zudem keine echte Trendwende in China. "Der Preisdruck
für deutsche Unternehmen in China bleibt hoch, und damit stehen auch
die Margen weiter unter Druck", sagt er. Die Maßnahmen Pekings für
einen nachhaltigeren Wettbewerb griffen noch nicht. Kurzfristig sei
keine Entspannung zu erwarten, erklärte Oehms.
China will Nachfrage stärken
In Peking tagt parallel noch Chinas Nationaler Volkskongress. Die
Regierung stellte für dieses Jahr und den Fünfjahresplan bis 2030
Maßnahmen in Aussicht, um den schwachen Konsum zu stützen.
Allerdings lieferte Peking kaum Details dazu, weshalb Beobachter
skeptisch sind, ob Chinas exportgetriebene Wirtschaft ihre
Abhängigkeit von Ausfuhren in die Weltmärkte aufgeben wird.
Die geringe Nachfrage hatte im vergangenen Jahr die Importe im
Vergleich zu den Exporten kaum steigen lassen, was auch deutsche
Firmen in ihrem China-Geschäft zu spüren bekamen. Am Ende erreichte
China einen historischen Handelsüberschuss von 1,2 Billionen
US-Dollar.
Rekordüberschuss Dorn im Auge der Handelspartner
Handelsminister Wang Wentao hatte während des Volkskongresses zum
Rekordüberschuss gesagt, Peking habe den Standpunkt seiner
Handelspartner zur Kenntnis genommen. China will Wang zufolge eine
ausgewogene Entwicklung von Importen und Exporten umsetzen.
China hatte sich für dieses Jahr mit "4,5 bis 5 Prozent" das
niedrigste Wachstumsziel seit Jahrzehnten gesetzt. Dies könnte
darauf hindeuten, dass sich Peking in Zukunft auf eine schwächere
Konjunktur einstellt. Jahrelang hatte eine boomende Baubranche zu
hohen Wachstumsraten beigetragen. Doch die Branche steckt schon
länger in einer Krise.
Weiter Probleme im Inland
Immobilienbesitzer sind wegen fallender Wohnungspreise verunsichert.
Das geschwächte Konsumvertrauen lässt die Menschen mehr sparen.
Hinzu kommt eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und ein schwach
ausgebautes soziales Sicherungssystem, weshalb Familien Geld für
schlechte Zeiten zurücklegen.
Unternehmen in der Volksrepublik konkurrieren parallel in Branchen
wie der Autoindustrie in einem ruinösen Preiskampf, der die Margen
vieler Hersteller dahinschmelzen lässt. Manche versuchen, im Ausland
ihre Waren loszuwerden, oder verkaufen zu billigen Preisen, um
Bestände abzubauen. Die Regierung will 2026 das Problem solcher
Überkapazitäten anpacken und verspricht, den sich
verselbstständigenden und unfruchtbaren Wettbewerb intensiv zu
regulieren. Monopole und Marktverzerrungen sollen stärker bekämpft
werden, heißt es darin./jon/DP/zb
AXC0030 2026-03-10/06:39
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Autor: - dpa-AFX
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