| ROUNDUP: Wadephul zu Krisenbesuch in Israel - Solidarität und Warnung |
| 10.03.2026 17:37:00 |
Bei einem unangekündigten Krisenbesuch mitten
im Iran-Krieg hat sich Außenminister Johann Wadephul hinter Israel
gestellt, zugleich aber vor Chaos und einem Auseinanderfallen des
Irans gewarnt. "Niemand kann ein Interesse an Chaos oder Bürgerkrieg
oder dem Zerfall Irans haben", sagte der CDU-Politiker bei einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen Gideon Saar in
Jerusalem. "Die Auswirkungen wären erheblich und würden wir auch in
Europa zu spüren bekommen", fügte Wadephul hinzu.
Gleichzeitig richtete er klare Forderungen an Teheran: Das
militärische Nuklearprogramm und das ballistische Raketenprogramm
des Landes müssten überprüfbar beendet werden. Außerdem dürfe der
Iran künftig keine Gefahr mehr für seine Nachbarn darstellen. Dafür
müsse der Iran die "Unterstützung von Terrorhandlangern wie Huthi,
Hisbollah und Hamas" einstellen.
Es müsse jedoch die territoriale Integrität des Irans gewahrt
werden. Große Teile der Zivilbevölkerung hätten in den vergangenen
Jahrzehnten stark gelitten unter der Unterdrückung. "Wir brauchen
eine regionale Friedensordnung, die die Sicherheit der Staaten und
Menschen in der Region, insbesondere der Seewege, die wichtige
Handelswege sind, gewährleistet", forderte Wadephul.
Raketenalarm während des Besuchs
Der Besuch war aus Sicherheitsgründen bis zu dem Treffen geheim
gehalten worden. Wadephul ist der erste europäische Außenminister,
der das Land seit Kriegsbeginn am 28. Februar besucht. Israel und
die USA hatten den Iran an jenem Tag gemeinsam angegriffen. Israel
fühlt sich durch das iranische Raketen- und Atomprogramm in seiner
Existenz massiv bedroht. Auch die USA verweisen immer wieder auf die
Bedrohung durch die iranische Führung.
Wegen der erhöhten Gefährdungslage angesichts der andauernden und
wiederholten Angriffe aus dem Iran sowie aus dem Libanon von der
Hisbollah-Miliz mit Raketen und Drohnen auf Israel reiste der
Minister nicht wie sonst üblich bei Reisen mit einem Airbus der
Flugbereitschaft der Bundeswehr an, sondern mit einem
Militär-Transportflugzeug der Bundeswehr vom Typ A400M.
Während seines Besuchs gab es tatsächlich auch Raketenalarm in
Israel. Kurz vor seinem Abflug musste Wadephul das Flugzeug am
internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv wegen eines
Voralarms verlassen und sich in Sicherheit bringen. Kurz darauf kam
jedoch die Entwarnung. Beim Wiedereinsteigen sagte Wadephul "Alles
wohlauf hier!" und zeigte mit dem Daumen nach oben. In der Stadt
Beit Schemesch gingen einem Bericht des Nachrichtenportals "ynet"
zufolge Trümmer herunter.
Wadephul besichtigt Zerstörung durch iranische Raketen
Zu Beginn seines Besuchs in Israel informierte sich Wadephul in
ebenjener Stadt westlich von Jerusalem über Zerstörungen durch einen
verheerenden iranischen Raketenangriff. Dabei wurde er von Saar
begleitet. Bei dem Raketeneinschlag in Beit Schemesch wurden am 1.
März neun Menschen getötet und etwa 50 weitere verletzt. Der Angriff
gilt als der mit der höchsten Opferzahl in Israel seit Beginn des
Iran-Krieges.
In Beit Schemesch berichtete eine Frau mit dem Vornamen Smadar über
den Angriff mit einer ballistischen Rakete, bei dem ihr Wohnhaus
zerstört und ein Schutzraum voll getroffen worden war. Die Frau
konnte ihre Kinder retten, ihr Ehemann kam bei dem Angriff ums
Leben. Eindrücklich schilderte sie die Momente der Attacke: "Alles
ist auf uns heruntergefallen. Es war dunkel, wir hatten keine Luft,
um zu atmen." Bei dem Angriff sei nicht nur ihr Haus zerstört
worden, sondern alle Erinnerungen mit ihm, sagte die Frau unter
Tränen. "Alles ist weg, die Erinnerungen, die Bilder, alles ist
verbrannt."
In Israel kamen im Zuge der aktuellen Raketenangriffe vor allem aus
dem Iran insgesamt bislang 13 Menschen ums Leben. Das israelische
Gesundheitsministerium meldete zudem mehr als 2.300 Personen, die in
Krankenhäusern behandelt worden seien. Berichten zufolge sind
darunter neben durch Raketenangriffe Verletzten auch viele Menschen,
die sich auf dem Weg in Schutzräume verletzt haben. Zudem werden
auch Personen gezählt, die wegen Angstzuständen, ausgelöst durch die
Angriffe, behandelt wurden.
Wadphul auf Solidaritätsreise zunächst auf Zypern
Am Vormittag hatte Wadephul auf der Mittelmeerinsel Zypern mit
seinem Kollegen Konstantinos Kombos über die Konsequenzen aus dem
Krieg beraten. Zypern ist der EU-Staat, der der Krisenregion im
Nahen Osten geografisch am nächsten liegt. Die Insel im östlichen
Mittelmeer liegt nur etwa 150 bis 250 Kilometer vom Libanon und
Israel entfernt. Der Nato gehört Zypern nicht an.
Merz hatte vor wachsenden Risiken des Iran-Kriegs gewarnt
Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Freitag erklärt, die
Bundesregierung teile die Ziele der USA und Israels, die das
iranische Nuklear- und Raketenprogramm, Teherans Bedrohung Israels
sowie seine Unterstützung von Terrorismus beträfen. Mit zunehmender
Dauer und Ausweitung der Kämpfe sehe man aber auch wachsende
Risiken. Ein endloser Krieg sei nicht in deutschem Interesse. Merz
warnte vor weitreichenden Folgen für Europa, unter anderem in den
Bereichen Sicherheit, Energieversorgung und Migration.
In der Bundesregierung gibt es unter anderem Sorgen angesichts der
sprunghaft gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Krieges. Zudem
fürchtet man, dass hohe Energiepreise die Wirtschaftsentwicklung
negativ beeinflussen./bk/rme/cir/le/DP/mis
AXC0278 2026-03-10/17:37
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Autor: - dpa-AFX
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