| Iran-Krieg: Wirtschaftsforschungsinstitute wollen Konjunkturprognosen senken |
| 10.03.2026 18:21:00 |
Wichtige deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute
werden ihre Konjunkturprognosen infolge des Iran-Kriegs
voraussichtlich senken. Ökonomen des Ifo-Instituts, des IMK, des RWI
und des IW Köln sagten dies dem Pro-Newsletter Industrie und Handel
des Nachrichtenmagazins "Politico". Schließlich ist noch völlig
unklar, wie lange der Krieg dauern wird. Die Institute rechnen
derzeit mit einem negativen Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt
(BIP) zwischen 0,2 und 1,0 Prozentpunkten - je nach Dauer des
Kriegs.
"Wir gehen derzeit von einem Anstieg der Inflationsrate auf knapp
2,5 Prozent aus, wenn die Öl- und Gaspreise innerhalb der nächsten
Wochen wieder sinken", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
"Dies würde das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um rund 0,2
Prozentpunkte verlangsamen, sodass wir mit einem Wachstum von 0,8
Prozent in diesem und 1,2 Prozent im nächsten Jahr rechnen." Im
Februar war die Inflationsrate in Deutschland noch auf 1,9 Prozent
gefallen. Die Europäische Zentralbank strebt für die gesamte
Eurozone auf mittlere Sicht eine Inflationsrate von zwei Prozent an.
Sollten die Preise für fossile Energie allerdings für einen längeren
Zeitraum stark erhöht bleiben, hält das Ifo-Institut eine
Inflationsrate von 3 Prozent für möglich. "Dies würde das Wachstum
um weitere 0,2 Prozentpunkte auf nur noch 0,6 Prozent in diesem Jahr
und um 0,4 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent im kommenden Jahr bremsen",
so Wollmershäuser.
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für
Makroökonomie der Hans-Böckler-Stiftung (IMK), sagte: "Bis zum
Kriegsausbruch ging die Tendenz dahin, unsere Erwartung von bisher
1,2 Prozent Wirtschaftswachstum für 2026 noch ein bisschen
heraufzusetzen. Das hat sich jetzt auf jeden Fall erledigt."
Falle der Ölpreis schnell wieder unter 100 Dollar pro Fass, dürften
sich die Folgen in Grenzen halten "und es dürften lediglich ein paar
Zehntel Prozentpunkte Wachstum verloren gehen", so Dullien weiter.
"Hält der Krieg aber länger an und sind die Öl- und LNG-Lieferungen
aus der Region längere Zeit unterbrochen, kann der
Energiepreisschock groß genug sein, um die Erholung in Deutschland
zum Erliegen zu bringen."
Samina Sultan vom IW Köln sagte: "Sollte der Ölpreis über zwei Jahre
bei 100 Dollar oder sogar 150 Dollar liegen, würde das
Bruttoinlandsprodukt in Deutschland 2027 um 0,6 bis 1,0 Prozent
niedriger sein als ohne Steigerung des Ölpreises."
Ähnlich kalkuliert RWI-Konjunkturexperte Torsten Schmid, ist aber
etwas optimistischer: "Wenn die Preise für Öl und Gas bis Ende März
auf dem aktuellen Niveau bleiben und danach langsam wieder sinken,
rechnen wir für das Jahr 2026 mit einem negativen Effekt auf das
Bruttoinlandsprodukt von etwa 0,2 Prozentpunkten."/jsl/stw/mis
AXC0286 2026-03-10/18:21
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Autor: - dpa-AFX
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