| ROUNDUP 2: Wacker Chemie hält erneute Verluste in diesem Jahr für möglich |
| 11.03.2026 15:35:00 |
(neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Aktienkurs)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Nach hohen Verlusten 2025 drohen Wacker Chemie
auch in diesem Jahr rote Zahlen. Der oberbayerische
Konzern erwartet 2026 vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen ein
Ergebnis von 550 bis 700 Millionen Euro, wie Vorstandschef Christian
Hartel und Finanzvorstand Tobias Ohler am Mittwoch in München
sagten. Doch ob davon am Ende nach Abzug der Steuern und der übrigen
Kosten unter dem Strich ein Nettogewinn übrig bleiben wird, ist
fraglich: "Es ist noch nicht klar, ob wir eine schwarze Null
schaffen", sagte Ohler. Vom Mittelpunkt des Ziels für den operativen
Gewinn reiche es noch nicht ganz. Trotzdem lag die Wacker-Aktie am
Nachmittag nach zwischenzeitlich noch stärkeren Kursgewinnen zuletzt
mit fast sieben Prozent im Plus.
Der derzeitige Krieg am Persischen Golf und dessen mögliche
Auswirkungen sind in die Prognose noch gar nicht eingerechnet.
Wacker war 2025 mit einem Nettoverlust von 805 Millionen Euro tief
in die roten Zahlen gerutscht. Vorstand und Aufsichtsrat wollen
deswegen in diesem Jahr keine Dividende zahlen. Die deutschen
Standorte einschließlich des großen Stammwerks im oberbayerischen
Burghausen sind nach Ohlers Worten "im Verlust". "Die chemische
Industrie ist 2025 unter enormen Druck geraten", sagte Hartel.
Auch für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einem weiterhin
schwierigen Geschäftsumfeld. "Wir sehen weiterhin keine Trendwende
im Markt", sagte Hartel - bezogen nicht nur auf Wacker, sondern auf
die Chemieindustrie insgesamt. In Deutschland sind die hohen
Energiekosten nach Worten der Manager ein schwerer Nachteil,
besonders weil die chinesische Chemieindustrie große Überkapazitäten
aufgebaut hat und die Preise chemischer Erzeugnisse auf dem
Weltmarkt deshalb fallen.
Erst einmal werde Wacker Chemie schwach ins neue Jahr starten,
warnte der Finanzchef. Der Umsatz werde im ersten Quartal deutlich
unter dem Vorjahreswert liegen, auch wegen der negativen
Wechselkurse. Besser dürfte es für Wacker dann im Jahresvergleich in
der zweiten Jahreshälfte laufen. Im Gesamtjahr 2026 soll der Umsatz
im niedrigen einstelligen Prozentbereich im Vergleich zum Vorjahr
zulegen.
Chetan Udeshi von JPMorgan kommentierte: "Der Ausblick auf 2026
liegt nahe am Konsens und dürfte daher für eine Outperformance der
Aktien sorgen." Er hält allerdings einige Besserung der Geschäfte im
Jahresverlauf für nötig, um die Ziele tatsächlich zu erreichen. So
bleibe ein Fragezeichen, gerade im aktuellen Umfeld.
Umso wichtiger ist es für den Vorstandschef, den von dem Unternehmen
eingeschlagenen Pfad konsequent weiterzuverfolgen. "Deshalb heißt es
für uns mit Blick auf alle Maßnahmen: Tempo, Tempo, Tempo", sagte
Hartel.
Im Herbst 2025 hatte der Chemiekonzern ein Programm zur
Kostensenkung aufgelegt, mit dem er am Ende jährlich mehr als 300
Millionen Euro einsparen will. Dazu zählt auch ein Abbau von mehr
als 1.500 Stellen vor allem in Deutschland. Derzeit verhandelt die
Unternehmensspitze mit den hiesigen Arbeitnehmervertretern über den
Stellenabbau. Weltweit beschäftigte der Konzern Ende 2025 knapp
16.500 Menschen, davon etwa 10.750 in Deutschland. Die Maßnahmen
sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Im Zuge der Einsparungen will sich Hartel auch in den
Chemiebereichen stärker auf die margenträchtigeren Spezialitäten
fokussieren, im Polysilizum-Geschäft auf den Halbleitermarkt und in
der Life-Science-Sparte Biosolutions auf innovative
Biotech-Anwendungen. Mit Blick auf den Industriestandort Deutschland
wiederholte Hartel zuletzt seine Forderung: "Wir brauchen vor allem
international wettbewerbsfähige Energiepreise und einen konsequenten
Bürokratieabbau."
Der Konzern bekommt unter anderem schon länger die Folgen einer
trägen Bauwirtschaft zu spüren. Darunter leidet die Polymer-Sparte
des Unternehmens, die Basis- und Zusatzmaterialien für Klebstoffe,
Bodenbeläge, Farben und Beton herstellt. Und auch die Silikon-Sparte
leidet, die vielfältige Hochleistungskunststoffe etwa für die
Autoindustrie, Elektro- und Medizintechnik, aber auch die
Bauwirtschaft und die Textilindustrie fertigt. Für 2026 erwartet
Wacker Chemie in beiden Bereichen einen Umsatz auf Vorjahresniveau.
Das Geschäft mit dem Halbleitergrundstoff Polysilizium zeigte 2025
abermals unterschiedlichen Trends. Während die Nachfrage nach
hochreinem Polysilizium zur Herstellung von Computer-Chips stark
blieb, lasteten regulatorische Unsicherheiten in den USA weiter auf
dem Geschäft mit Polysilizium zur Herstellung von Solarpaneelen. Mit
einer ähnlichen Entwicklung rechnet der Vorstand auch im laufenden
Jahr. Insgesamt geht er in der Sparte von einem Umsatzplus im
niedrigen zweistelligen Prozentbereich aus.
Das Unternehmen hatte bereits Ende Januar vorläufige Daten zum Jahr
2025 vorgelegt. Unter dem Strich stand wegen Abschreibungen sowie
wegen Aufwendungen im Zusammenhang für das Sparprogramm ein Verlust
von 805 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Wacker noch 261 Millionen
Euro Gewinn erzielt. Der operative Gewinn war um 43 Prozent auf 427
Millionen Euro eingebrochen. Der Umsatz schrumpfte im vergangenen
Jahr derweil um 4 Prozent auf 5,49 Milliarden Euro./mne/cho/niw/stw
ISIN DE000WCH8881
AXC0259 2026-03-11/15:35
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Autor: - dpa-AFX
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