| ROUNDUP 2: Einmal-täglich-Regel soll Preisanstieg an Tankstelle dämpfen |
| 11.03.2026 15:49:00 |
(neu: Details)
BERLIN (dpa-AFX) - Die Bundesregierung greift angesichts der stark
gestiegenen Spritpreise ein und will Verbraucherinnen und
Verbraucher entlasten. Tankstellen in Deutschland sollen künftig nur
noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen. Dieses aus
Österreich bekannte Modell wolle die Bundesregierung im Hinblick auf
die wegen des Iran-Kriegs enorm gestiegenen Preise so rasch wie
möglich einführen, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche
(CDU) in Berlin. "Dagegen sind Preissenkungen jederzeit zulässig",
erläuterte sie.
Die Frage ist, wie schnell die Änderung kommt und ob sie in der
aktuellen Lage noch wirkt. Das Modell soll zum einen Autofahrerinnen
und -fahrern bei der Suche nach der günstigsten Tankstelle helfen,
ohne dass sie mehrfach täglich Preise vergleichen müssen. Man
erwarte aber auch preisdämpfende Effekte, sagte Reiche. Der ADAC
zeigte sich skeptisch, ob die "Einmal-täglich-Regel" wirklich
Preisanstiege dämpft. Der Tankstellen-Interessenverband begrüßte sie
dagegen.
Reiche sagte weiter, die Regierung prüfe zudem eine Verschärfung der
Missbrauchsaufsicht des Kartellamts beim Kraftstoffsektor, die zu
verschärften Kontrollen bei Kosten und Preisen führen solle.
Sorge vor Knappheit nehmen
Die Bundesregierung plant zudem, wie andere Staaten einen Teil der
nationalen Ölreserve freizugeben. Dies sei ein sichtbares Signal in
den Markt, um hohe Risikoaufschläge und Spekulationsgewinne
einzudämmen, sagte Reiche. "Wenn dem Markt Sorge genommen wird vor
Knappheit, entspannen sich Preise und wir gehen definitiv von einem
dämpfenden Effekt aus."
Rakete und Feder
Reiche sagte, das Bundeskartellamt habe in einer Untersuchung
treffend von einem Rakete-und-Feder-Effekt bei Spritpreisen
gesprochen. Kraftstoffpreise stiegen bei höheren Rohölkosten extrem
schnell an - wie eine Rakete. Bei fallenden Kosten würden sie aber
nur langsam sinken - wie eine Feder. "Diesen Mechanismus wollen wir
durchbrechen."
Die Bundesregierung will sich nun das Modell aus Österreich zum
Vorbild nehmen. Dort dürfen nur einmal am Tag, um 12 Uhr, die Preise
erhöht werden. Gesenkt werden dürfen sie immer. Eine seit 2011
geltende Verordnung ist vor kurzem bis Ende 2028 verlängert worden.
In Deutschland müsse das Kartellrecht geändert werden, um eine
entsprechende Regelung einzuführen, sagte Reiche. Das solle so
schnell wie möglich passieren.
ADAC bezweifelt Preiseffekte
Ein Sprecher des ADAC sagte: "Es ist gut, dass die Bundesregierung
den Handlungsdruck sieht, nachdem die Spritpreisentwicklung viele
Autofahrerinnen und Autofahrer zu überfordern droht. Wichtig ist
auch, dass durch Überlegungen zum Österreich-Modell sichtbar die
Rolle der Mineralölkonzerne hinterfragt wird.
Aus Sicht des ADAC kann aber durch eine Beschränkung auf eine
Preiserhöhung pro Tag nicht vollends ausgeschlossen werden, dass
Gewinne maximiert werden und Preise unangemessen steigen. Wichtig
bleibe unverändert, dass Entlastungen zügig umgesetzt und wirksam
würden. "Dazu bietet sich eine Senkung der Energiesteuer an."
Der Tankstellen-Interessenverband, der die Pächter der
Markentankstellen vertritt, begrüßte den Plan Reiches dagegen. Er
gebe den Autofahrerinnen und -fahrern "endlich Berechenbarkeit und
Verlässlichkeit". "Von dem Preiskampf nach unten profitieren nach
den in Österreich gemachten Erfahrungen die Autofahrer."
So einen "Preiskampf nach unten" sieht der Wirtschaftsverband Fuels
und Energie, der neben Tankstellen auch Mineralölkonzerne und
Raffinerien vertritt, nicht zwangsläufig. Er teilte mit, Erfahrungen
aus anderen Ländern zeigten, dass die Preise zwar weniger
schwankten, aber nicht unbedingt niedriger sein müssten als vorher.
Erste Signale für Beruhigung
Am Mittwoch gab es unterdessen erste Signale, dass sich die
Spritpreise nach zwölf Anstiegen in Folge etwas beruhigen könnten.
Der bundesweite Tagesdurchschnitt des Dienstags lag zwar bei
Superbenzin der Sorte E10 und Diesel mit 2,045 und 2,188 Euro pro
Liter um je 1,7 Cent über dem des Montags. Im Tagesverlauf des
Mittwochs lagen die Preise aber tendenziell niedriger als zu
gleichen Zeitpunkten am Dienstag. Das könnte auf einen leichten
Rückgang hindeuten, Prognosen sind derzeit aber ausgesprochen
unsicher. Seit Kriegsbeginn hat Diesel um rund 44 Cent je Liter
zugelegt, Benzin um rund 27 Cent.
Die Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark
beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den
Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von
Hormus ist praktisch zum Erliegen gekommen. Deutschland selbst
bezieht nur einen geringen Teil seines Öls aus dem Nahen Osten.
Abzocke der Mineralölkonzerne?
Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran
steigen die Preise für Benzin und vor allem Diesel stark. Politiker
mehrere Parteien kritisierten, Pendlerinnen und Pendler würden
"abgezockt", die Preise viel zu früh erhöht. Der Wirtschaftsverband
Fuels und Energie wies die Vorwürfe zurück. Außerdem seien im
Vergleich zu einigen Nachbarländern die Energiesteuern auf
Kraftstoffe in Deutschland deutlich höher./hoe/DP/nas
AXC0263 2026-03-11/15:49
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Autor: - dpa-AFX
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