| ROUNDUP: Pilotenstreik bei Lufthansa fällt kleiner aus |
| 11.03.2026 16:03:00 |
Der für Donnerstag und Freitag geplante
Pilotenstreik bei der Lufthansa könnte für die
Passagiere deutlich glimpflicher verlaufen als zunächst erwartet.
Laut Lufthansa soll an beiden Tagen mindestens die Hälfte der
geplanten Flüge stattfinden. Auf der Langstrecke könnten sogar 60
Prozent der Flüge starten, teilte die Fluggesellschaft am Vortag des
Streiks mit. Bei der Frachttochter Lufthansa Cargo müsse nur rund
jeder fünfte Flug gestrichen werden.
Das Unternehmen will auf den Verbindungen größere Flugzeuge
einsetzen, Lufthansa-Flüge von nicht bestreikten Konzernairlines
erledigen lassen und zudem freiwillige Crews einsetzen. Ihnen dankte
Lufthansa-Manager Francesco Sciortino für ihren Einsatz. Auf dem
Frankfurter Flugplan waren dennoch für den Donnerstagmorgen
zahlreiche Flüge annulliert.
Von Ausfällen betroffene Gäste würden aktiv per E-Mail
benachrichtigt, so das Unternehmen. Gäste, die nicht kontaktiert
werden, könnten vorerst davon ausgehen, dass ihr Flug nicht
betroffen ist.
Gewerkschaft sieht veränderte Situation
Zuvor hatte bereits die zum Streik aufrufende Gewerkschaft
Vereinigung Cockpit erklärt, dass der Streik diesmal kleiner
ausfallen werde als bei der ersten Welle vor einem Monat. Rund 300
Flüge pro Tag werden voraussichtlich ausfallen, sagte VC-Präsident
Andreas Pinheiro in einer Video-Botschaft an die Beschäftigten. Bei
der ersten, auf einen Tag beschränkten Streikwelle am 12. Februar
waren rund 800 Flüge und damit mehr als das Doppelte ausgefallen.
Die Situation an diesem Donnerstag und Freitag sei eine andere,
erklärte der VC-Präsident. So stehe in dieser Woche mehr Personal
zur Verfügung und die Kabinengewerkschaft Ufo beteilige sich dieses
Mal nicht. Das sei für die VC aber "okay".
Nahost bleibt ausgenommen
Die VC hatte wegen der Krisensituation in Nahost in der vergangenen
Woche von Streiks abgesehen und nun etliche Ziele in der Region vom
Streik ausgenommen. "Wegen uns bleibt kein Passagier im Krisengebiet
hängen", sagt dazu die VC-Vizepräsidentin Katharina Diesseldorff.
Laut Lufthansa ist im Streikzeitraum genau ein Flug ins saudische
Riad geplant. Nach Ansicht der Piloten hat sich die Situation
zuletzt entspannt, auch weil die Golf-Airlines ihren Betrieb wieder
aufgenommen hätten.
Die Gewerkschaft hat die mehr als 5.000 Piloten der Flugbetriebe
Lufthansa, Lufthansa Cargo und Lufthansa Cityline zu einem
48-Stunden-Streik aufgerufen, der um Mitternacht beginnen soll.
Während es bei der Regionaltochter Cityline um eine Anhebung der
Gehälter geht, streiten die Tarifpartner bei der Cargo und der
Kerngesellschaft um höhere Betriebsrenten. Man erwarte in beiden
Konflikten ein verhandlungsfähiges Angebot, so die VC.
Viele Lufthansa-Airlines werden nicht bestreikt
Personalvorstand Michael Niggemann hat den neuerlichen Streik als
unnötige Eskalation verurteilt. Der Streikaufruf sei nicht
nachvollziehbar. "Vor allem nicht in einer Zeit, in der wir mit dem
Iran Krieg ein neues Ausmaß geopolitischer Unsicherheit erleben und
Passagiere weltweit davon betroffen sind."
Nicht bestreikt werden die Flugbetriebe Discover Airlines und
Lufthansa City Airlines sowie die Tochter Eurowings und sämtliche
ausländische Gesellschaften der Gruppe wie Austrian, Air Dolomiti
oder Swiss. In der Folge sind die Flughäfen außerhalb der deutschen
Drehkreuze weniger stark betroffen, da dort voraussichtlich nur
Verbindungen von und nach Frankfurt und München entfallen.
Das große Ganze
Für die Erhöhung der Betriebsrenten fehlten bei der ertragsschwachen
Lufthansa-Kerngesellschaft schlicht die Mittel, erklärte Niggemann
erneut. Er bot der VC Gespräche über eine Gesamtlösung an. "Vielmehr
sollten wir, statt die Entwicklungsmöglichkeiten der Lufthansa
Classic durch Streiks weiter zu verschlechtern, Gespräche über die
Modernisierung und die zukünftige Flottengröße aufnehmen, was sich
direkt und unmittelbar auf die Karriereperspektiven von Pilotinnen
und Piloten auswirkt."
Derartige Verhandlungen über eine strategische Ausrichtung
sämtlicher Flugbetriebe sind schon mehrfach gescheitert.
Grundsätzlich wenden sich die VC und auch die Kabinengewerkschaft
Ufo gegen Bestrebungen des Managements, neue Flugbetriebe mit
geringeren Tariflöhnen aufzubauen. Diese wachsen derzeit deutlich
schneller als die tariflich abgesicherten Airlines./ceb/DP/nas
ISIN DE0008232125
AXC0268 2026-03-11/16:03
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Autor: - dpa-AFX
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