| POLITIK: Polens Präsident blockiert EU-Rüstungskredite für sein Land |
| 12.03.2026 20:51:00 |
Polens Präsident Karol Nawrocki hat per Veto
ein Gesetz gestoppt, das seinem Land Milliarden aus einem
EU-Rüstungsprogramm sichern soll. "Die Sicherheit Polens darf nicht
von fremden Entscheidungen abhängen", sagte Nawrocki zur Begründung
seines Schritts. "Nur ein Volk, das es schafft, sich selbst um seine
Sicherheit zu kümmern, bleibt wirklich frei."
Die EU stellt im Rahmen des Safe-Programms 150 Milliarden Euro
günstiger Kredite zum Ausbau der Verteidigungsfähigkeit ihrer
Mitglieder zur Verfügung. Polen sollte mit knapp 44 Milliarden Euro
größter Nutznießer sein. Ende Februar hatte das Parlament mit den
Stimmen der Mitte-Links-Koalition von Regierungschef Donald Tusk das
Gesetz zur Umsetzung des EU-Programms gebilligt. Tusk betonte
seinerzeit, mehr als 80 Prozent der Gelder wolle man in Aufträge für
polnische Rüstungskonzerne stecken, 12.000 einheimische Firmen
würden davon profitieren.
Doch der europakritische Nawrocki zeigte sich von Anfang an
skeptisch. "Der Präsident hat eine Chance vertan, sich wie ein
Patriot zu verhalten", kommentierte Tusk nun das Veto auf X. Er
berief für Freitagmorgen eine außerordentliche Regierungssitzung
ein.
Polens Rechte: "Wollen nicht unter den deutschen Stiefel"
Der Streit ist bezeichnend für die Frontstellung in Warschau seit
Nawrockis Wahl 2025. Der wichtige EU- und Nato-Staat spricht seitdem
in strategischen Fragen nicht mehr mit einer Stimme. Denn der von
der rechtskonservativen Oppositionspartei PiS unterstützte Präsident
und Regierungschef Tusk stammen aus verfeindeten politischen Lagern.
Seit Wochen macht der mächtige PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski Front
gegen das Safe-Programm und verbreitet ein deutschlandfeindliches
Narrativ. Demnach ist das EU-Rüstungsprogramm Teil eines Plans, die
EU unter deutscher Dominanz enger zusammenzufügen. Profitieren
sollten hauptsächlich deutsche Rüstungskonzerne, behauptete
Kaczynski. "Man schlägt uns ein Polen unter deutschem Stiefel vor,
und diesen deutschen Stiefel lehnen wir ab."
Nawrocki stellt alternatives Programm vor
Um die EU-Kredite ablehnen zu können, aber trotzdem in Polens
Aufrüstung zu investieren, hatte Nawrocki kürzlich gemeinsam mit
Nationalbankchef Adam Glapinski einen alternativen Plan mit dem
Namen "Safe 0 Prozent" vorgestellt. Er sieht vor, dass ein
Rüstungsprogramm in etwas gleicher Größenordnung zinsfrei aus den
Devisen- und Goldreserven der Nationalbank finanziert werden soll.
Details blieben im Nebel, und Finanzexperten warnen vor den Risiken.
"Dieses Projekt bedeutet eine starke Armee ohne Verschuldung über
Generationen", warb Nawrocki in seiner Rede. Er appellierte an alle
politischen Kräfte, diesen Plan zu unterstützen. Zur Umsetzung
braucht er allerdings die Zustimmung der Regierung von Tusk. Und der
hat bereits klargemacht, dass er diese nicht erteilen wird.
Das Kreditprogramm Safe von 2025 soll den EU-Staaten mehr Mittel für
Rüstungskäufe gegen ein aggressiver auftretendes Russland geben.
Polen will nach Planung des Verteidigungsministeriums damit
Abwehrwaffen gegen Drohnen und Raketen, Hubschrauber und Boote
kaufen. Deutschland nutzt die EU-Kredite nicht, sondern stützt sich
auf eigene Mittel./dhe/DP/mis
AXC0336 2026-03-12/20:51
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Autor: - dpa-AFX
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