| ROUNDUP: Was der Kanzler jenseits des Polarkreises macht |
| 13.03.2026 07:35:00 |
Der bevorstehende Start einer deutschen
Weltraumrakete, eine Militärübung mit deutscher Beteiligung in der
Arktis sowie U-Boote, Öl und Gas: Das sind die Hauptgründe, warum
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) heute im hohen Norden Norwegens
jenseits des Polarkreises unterwegs ist.
Am Donnerstagabend traf er mit einem Truppentransporter der
Luftwaffe in Andenes auf der Insel Andoya ein. Die
Regierungsmaschinen vom Typ A340 sind zu groß, um auf dem Flughafen
des kleinen Orts mit seinen nur rund 2.500 Einwohnern zu landen. Bei
einem Gespräch mit Ministerpräsident Jonas Gahr Støre gleich nach
seiner Ankunft würdigte Merz die strategische Partnerschaft mit
Norwegen als "äußerst gut" und betonte das "Potenzial für die
Zukunft".
Deutsche Raketen sollen Satelliten ins All schießen
Andenes ist bei Touristen wegen der guten Bedingungen für
Walbeobachtung beliebt. Merz ist aber wegen einer anderen Attraktion
dort, die seit einiger Zeit die europäische Raumfahrtbranche
elektrisiert.
2023 eröffnete der norwegische Kronprinz Haakon den neuen Andøya
Space Port auf der Arktis-Insel, von der bereits seit Anfang der
1960er Jahre Forschungsraketen und -ballons starten. Er soll nun
auch Deutschland als Zugang zum Weltraum dienen.
Vor rund einem Jahr schickte das deutsche Startup Isar Aerospace von
dort aus die Orbitalrakete "Spectrum" in den Himmel, die für den
Transport erdnaher Satelliten in die Umlaufbahn gedacht ist. Nach
nur 30 Sekunden stürzte sie ab. Ein neuer Testflug soll aber nun
folgen - wenn das Wetter mitspielt schon am 19. März.
Grund des großen Interesses in der europäischen Raumfahrtindustrie
an dem Projekt ist die weitgehende Unfähigkeit Europas, Satelliten
mit eigener Technik ins All zu schießen. Seit langem wird die große
Mehrheit der europäischen Satelliten vom Raumfahrtunternehmen Space
X des US-Milliardärs Elon Musk ins All befördert.
1.600 Bundeswehrsoldaten bei Übung in der Arktis
Von Andenes fliegt Merz am Nachmittag mit einem Militärtransporter
vom Typ A400M zum Militärstützpunkt Bardufoss. Dort machen er und
Støre sich zusammen mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney
ein Bild von der Übung Cold Response, an der nach Angaben der
norwegischen Streitkräfte mehr als 32.500 Soldaten aus 14
Nato-Staaten in Norwegen und Finnland teilnehmen - darunter 1.600
Bundeswehrsoldaten.
Die Übung hat in diesem Jahr wegen des Konflikts zwischen den USA
und Europa um Grönland eine besondere Bedeutung. US-Präsident Donald
Trump hat seine Ansprüche auf die zu Dänemark gehörende größte Insel
der Welt mit Sicherheitsdefiziten begründet. Die Europäer halten das
für vorgeschoben, wollen nun trotzdem mehr Präsenz in der Arktis
zeigen.
Dazu gibt es nun die Mission "Arctic Sentry" an der Deutschland mit
Kampfjets und Luftbetankung beteiligt ist. Und auch die Übung Cold
Response soll nun ein entsprechendes Zeichen setzen. Die
US-Streitkräfte sind beteiligt, allerdings nur in geringem Umfang.
Kanada soll bei U-Boot-Projekt mit an Bord geholt werden
Bei dem Treffen von Merz, Støre und Carney wird es auch um ein
milliardenschweres Rüstungsprojekt gehen. Deutschland und Norwegen
kooperieren bereits beim Bau von 73 Meter langen U-Booten und wollen
nun Kanada mit an Bord holen. Die Regierung in Ottawa will in den
nächsten Jahren vier ältere U-Boote ersetzen. Zu den Bietern, die
sich um den Auftrag zum Bau der Nachfolgemodelle bewerben, gehört
auch Südkorea. Eine Entscheidung der kanadischen Regierung soll bald
fallen.
Norwegen wichtigster Erdgas-Lieferant
Und dann ist da noch das Thema Energieversorgung in Zeiten
steigender Öl- und Gaspreise wegen des Iran-Kriegs. Nach Angaben der
Bundesnetzagentur kamen im vergangenen Jahr 44 Prozent der deutschen
Erdgasimporte aus Norwegen. Das Statistische Bundesamt gibt den
Anteil der Öl-Importe für 2025 mit 16,6 Prozent an.
Preisverhandlungen werden beim Merz-Besuch wohl nicht geführt
werden. Es wird eher darum gehen, wie Energieknappheit vermieden
werden kann.
Bei der Bewertung des Iran-Krieges nimmt Norwegen übrigens eine noch
kritischere Rolle als Deutschland ein. Store nannte die Angriffe
Israels und der USA noch am selben Tag völkerrechtswidrig. Die
Bundesregierung verzichtete bislang auf eine rechtliche
Einordnung./mfi/DP/zb
AXC0045 2026-03-13/07:35
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Autor: - dpa-AFX
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