| ROUNDUP 2: Chemiebranche fürchtet Lieferkettenengpässe wegen Iran-Krieg |
| 13.03.2026 15:47:00 |
(Neu: Mehr Hintergrund ergänzt)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutsche Chemieindustrie warnt vor
Störungen in den Lieferketten wegen des Kriegs im Iran. Grund sei
die Blockade der Straße von Hormus, die längst nicht nur die Öl- und
Gasversorgung betreffe. "Es besteht die Sorge ernster, zunehmender
Versorgungsengpässe bei Rohstoffen - zum Beispiel bei Ammoniak und
Phosphat, Helium und Schwefel", berichtet der Verband der Chemischen
Industrie (VCI) in Frankfurt. Es gebe erste Hinweise auf Störungen
bei internationalen Lieferketten.
Düngemittel betroffen
Betroffen von der Blockade der Straße von Hormus seien etwa
Düngemittel, denn 20 Prozent des Welthandels mit Ammoniak würden aus
Nahost durch die Meerenge geliefert, sagte Hauptgeschäftsführer
Wolfgang Große Entrup. Bei Schwefel verlaufe 50 Prozent des
Seehandels durch die Straße von Hormus. Schwefelsäure ist essenziell
etwa für Düngemittel und Chemikalien. "Bei Helium hat die
Chipindustrie bereits erhebliche Sorgen, weil 40 Prozent des
weltweiten Heliums aus Katar kommt", sagte er. "Hier geht es um
Elektronikindustrie, Halbleiterfertigung und Luft und
Raumfahrttechnik."
Je länger der Krieg dauere, desto heftiger seien die Folgen. Die
hohen Preise und die anhaltende Unsicherheit brächte viele Betriebe
an ihre Grenzen, sagte Große Entrup. "Strategische Planung ist immer
weniger möglich. Stattdessen fahren die Unternehmen auf Sicht."
Krieg verschärft Lage
Der Iran-Krieg trübt die Aussichten für die seit Jahren schwächelnde
Chemiebranche, die unter hohen Energiepreisen, Überkapazitäten am
Weltmarkt und der schwachen Wirtschaft leidet. Der VCI zog seine
Prognose für 2026 zurück. Zuletzt hatte er eine stagnierende
Produktion in der Chemie- und Pharmaindustrie erwartet und für die
Chemie allein einen Rückgang um ein Prozent. In den vergangenen vier
Jahren seien in Europa bereits rund zehn Prozent der chemischen
Produktionskapazitäten stillgelegt worden, sagte Große Entrup.
Viele Chemiekonzerne haben wegen der Krise Sparprogramme aufgelegt.
So baut Branchenführer BASF Tausende Jobs ab: Rund
4.800 Beschäftigte haben den Konzern zwischen Ende 2023 und Ende
2025 verlassen.
2025 litt die Chemie- und Pharmabranche mit 478.000 Beschäftigten
unter Nachfrageschwäche und billiger Konkurrenz aus China. Der
Umsatz fiel um 1,4 Prozent auf 219,6 Milliarden Euro. In der
konjunktursensiblen Chemie sank die Produktion um 3,3 Prozent, in
der Pharma-Branche stieg sie dagegen um 4,5 Prozent.
IG BCE warnt vor Kahlschlag in der Chemie
Die Gewerkschaft IG BCE warnt vor einem Kahlschlag in der deutschen
Chemieindustrie wegen Überkapazitäten. Es bestehe die Gefahr eines
"unkontrollierten Kapazitätsabbaus" in der chemischen
Grundstoffproduktion, sagte der IG-BCE-Vorsitzende Michael
Vassiliadis. Damit drohe der Verlust kompletter Industriecluster.
Viele Grundstoffhersteller erwägen laut der Gewerkschaft
Schließungen von Anlagen, weil sich am Weltmarkt Überkapazitäten bei
Grundchemikalien von geschätzt 20 Prozent gebildet haben. In der
Chemie, wo Grundchemikalien als Ausgangsstoffe für Folgeprodukte wie
Kunststoffe, Medikamente und Farbstoffe dienen, sorgt das für
Preisdruck. Vassiliadis appellierte an Bundeskanzler Friedrich Merz
(CDU), sich für die Branche einzusetzen./mne/als/DP/mis
ISIN DE000BASF111 DE0005470405 DE000WCH8881 DE000EVNK013 DE000A2YNT30
AXC0218 2026-03-13/15:47
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Autor: - dpa-AFX
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