| ROUNDUP 2: Merz' eisige Botschaft aus der Arktis an Trump |
| 13.03.2026 17:21:00 |
(neu: Details.)
ANDENES/NORWEGEN (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
verschärft den Ton gegenüber US-Präsident Donald Trump und seiner
Regierung im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg weiter. Bei seinem
Besuch in der norwegischen Arktis kritisierte er die befristete
US-Erlaubnis für den Kauf russischen Öls mit deutlichen Worten.
"Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das
halten wir für falsch", sagte der CDU-Chef bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Ministerpräsident Jonas Gahr Støre auf der Insel
Andoya.
Er warf Trump vor, die USA damit in der G7-Gruppe führender
westlicher Wirtschaftsmächte isoliert zu haben und bemängelte
erneut, dass es keine Strategie zur Beendigung des Krieges gebe.
Merz in Flecktarn beim arktischen Manöver
Am Nachmittag reiste Merz zusammen mit Støre weiter nach Bardufoss,
wo 1.600 Bundeswehrsoldaten an dem Militärmanöver "Cold Response"
von 14 Nato-Staaten teilnehmen. Zusammen mit dem kanadischen
Premierminister Mark Carney verfolgten sie die Übung, an der unter
anderem Leopard-2-Kampfpanzer teilnahmen. Merz kam in einer
Flecktarnjacke auf das zum großen Teil vereiste Übungsgelände.
Aus deutscher Sicht ist auch diese Übung ein Signal an Trump in dem
immer noch schwelenden Streit über Grönland. Der US-Präsident hatte
seine Ansprüche auf die zu Dänemark gehörende Insel mit
Sicherheitsdefiziten begründet. Die Europäer halten das für
vorgeschoben, wollen nun trotzdem mehr Präsenz in der Arktis zeigen.
Im Weißen Haus waren sich Merz und Trump noch weitgehend einig
Anfang vergangener Woche war die Stimmung zwischen Merz und Trump
beim Besuch des Kanzlers im Weißen Haus noch freundlich. Merz zeigte
sich weitgehend einig mit Trump in den Kriegszielen im Iran und
wurde für die deutsche Haltung gelobt. Die scharfe Kritik des
US-Präsidenten an Spanien, das sich von Anfang an gegen die Angriffe
Israels und der USA gestellt hatte, konterte er nicht.
Seitdem verschärft der Kanzler seine Kritik an dem Krieg Stück für
Stück. Mit seiner Lockerung der Sanktionen gegen Russland bestätigt
Trump aus Sicht der Europäer die Befürchtung, dass die Bemühungen um
ein Ende des Ukraine-Kriegs im Zuge der Iran-Offensive unter die
Räder kommen könnten.
US-Finanzminister Scott Bessent hatte in der Nacht zu Freitag auf
der Plattform X mitgeteilt, dass Länder zeitweise russisches Öl
kaufen dürften, das sich bereits auf Schiffen befinde. Ziel sei, das
Angebot auf dem Weltmarkt zu verbessern. Die befristete Ausnahme von
US-Sanktionen soll bis 11. April gelten.
"Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges"
Merz warf den USA vor, sich damit gegen alle anderen G7-Staaten zu
stellen. Er verwies auf eine Schalte der Staats- und Regierungschefs
führender demokratischer Wirtschaftsmächte mit Trump am Mittwoch.
"Es gab eine sehr klare Meinung von sechs Mitgliedern der G7, dass
dies nicht das richtige Signal ist. Wir haben dann heute Morgen
erfahren, dass sich die amerikanische Regierung offensichtlich
anders entschieden hat", sagte Merz und machte damit klar, dass die
Entscheidung nicht abgesprochen war.
Auch einem Militäreinsatz in der Straße von Hormus erteilte Merz
eine Absage. Es gebe im Augenblick "keine Veranlassung, über eine
militärische Absicherung der Seewege nachzudenken", sagte er auch
mit Blick auf eine mögliche deutsche Beteiligung. "Ich will es noch
einmal sehr deutlich sagen: Deutschland ist nicht Teil dieses
Krieges und wir wollen es auch nicht werden", betonte Merz. "Und
insofern sind alle unsere Bemühungen darauf gerichtet, den Krieg zu
beenden."
Auch der norwegische Ministerpräsident Støre sagte, es gebe keine
Pläne für einen Militäreinsatz. Die Idee eines internationalen
Einsatzes wird vor allem vom französischen Präsidenten Emmanuel
Macron verfolgt. Er hatte nach einer Schalte der G7-Staats- und
Regierungschefs davon gesprochen, dass die Staatengruppe eine solche
Mission zur Eskortierung von Öltankern und Frachtschiffen durch
Kriegsschiffe vorbereiten wolle. Die Voraussetzungen dafür seien
derzeit zwar noch nicht gegeben, aber "diese Arbeit muss organisiert
werden".
Merz am Tor zum Weltraum für Deutschland
Merz war am Donnerstagabend mit einem Truppentransporter der
Luftwaffe in Andenes auf der Insel Andoya 300 Kilometer nördlich des
Polarkreises eingetroffen. Zusammen mit Støre besichtigte er dort am
Morgen den neuen Andoya Space Port, der auch für Deutschland das Tor
zum Weltraum ist. Vor rund einem Jahr schickte das deutsche Startup
Isar Aerospace von Andoya aus die Orbitalrakete "Spectrum" in den
Himmel, die für den Transport erdnaher Satelliten in die Umlaufbahn
gedacht ist. Nach nur 30 Sekunden stürzte die Rakete ab, das
Unternehmen zeigte sich wegen wertvoller Ergebnisse des Testflugs
trotzdem zufrieden.
Am 19. März soll es nun ernst werden. Erstmals soll eine der 30
Meter langen "Spectrum"-Raketen mit fünf Satelliten ins All starten
- wenn das Wetter mitspielt. Grund des großen Interesses in der
europäischen Raumfahrtindustrie an dem Projekt ist die weitgehende
Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu
schießen. Seit langem wird die große Mehrheit der europäischen
Satelliten vom Raumfahrtunternehmen Space X des US-Milliardärs Elon
Musk ins All befördert.
"Dies ist jetzt die Stunde Europas", sagte Merz beim Besuch des
Weltraumbahnhofs. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Ministerien
und Industrie beider Länder soll nun die Möglichkeiten für eine noch
engere Kooperation ausloten./mfi/DP/men
AXC0248 2026-03-13/17:21
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Autor: - dpa-AFX
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