| Deutsche fahren trotz teurem Sprit nicht weniger Auto |
| 14.03.2026 06:59:00 |
Obwohl Autofahrer in ganz Deutschland über die
hohen Spritpreise klagen, fahren sie offenbar nicht messbar weniger.
Eine Analyse des Verkehrsdatenspezialisten TomTom für die Deutsche
Presse-Agentur ergab keinen relevanten Rückgang der Fahrleistung. Im
Gegenteil: Es wurde sogar noch etwas mehr gefahren - allerdings aus
anderen Gründen.
"Unsere Daten liefern keinen Hinweis darauf, dass die Fahrleistung
in der Hochpreisphase spürbar zurückgegangen ist", sagt ein
TomTom-Sprecher. "Stattdessen lag sie in den betrachteten Zeiträumen
tendenziell höher. Das könnte mit der typischen saisonalen Belebung
der Mobilität im Frühjahr zusammenhängen. Falls die höheren
Spritpreise überhaupt einen kleinen dämpfenden Effekt hatten, ist er
in den Daten jedenfalls nicht erkennbar."
Ähnlich wie zu Beginn des Ukraine-Krieges
Offenbar reiche der Anstieg der Preise nicht aus, um eine echte
Veränderung im Verhalten auszulösen. Das deckt sich mit einer
ähnlichen Untersuchung aus der Zeit kurz nach Beginn des
Ukraine-Krieges, als die Spritpreise ebenfalls massiv gestiegen
waren. Damals hatte sich auch in den auf der Autobahn gefahrenen
Geschwindigkeiten kein relevantes spritsparendes Verhalten erkennen
lassen.
Basis der Betrachtung sind die von mehreren Millionen Fahrzeugen
zurückgelegten Strecken, deren Daten TomTom anonym erfasst. Am 5.,
9. und 10. März - also zu Zeiten, als die Spritpreise bereits massiv
angezogen hatten - zeigte sich dabei ein um einige Prozent höheres
Fahraufkommen als am 26. Februar vor Kriegsbeginn sowie dem 2. und
3. März, an denen die Preise noch bei weitem niedriger waren. Das
gilt sowohl für den Vergleich der drei Tage zusammen, als auch für
den Vergleich der jeweils zusammenpassenden Wochentage.
Bahn verzeichnet höhere Nachfrage
Die Deutsche Bahn verzeichnet derzeit allerdings vor allem im
Fernverkehr eine gestiegene Nachfrage und führt das auf die
gestiegenen Spritpreise zurück. "Auch wenn die Nachfrage tagesweise
stark schwankt, stellen wir fest, dass die Buchungen in den letzten
Tagen deutlich über den bisherigen Prognosen liegen", teilte der
bundeseigene Konzern mit. "An einzelnen Tagen sogar bis zu 10
Prozent über Vorjahr."
Im Regionalverkehr der Deutschen Bahn hingegen sei die Entwicklung
schwieriger zu messen - auch, weil dort der Wettbewerb mit anderen
Verkehrsunternehmen auf der Schiene deutlich größer sei als im
Fernverkehr. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) teilte
mit, für eine bundesweite Einschätzung der Nachfrage im
Regionalverkehr infolge von Spritpreisen sei es noch zu früh.
Der Berliner Carsharing-Anbieter Miles verzeichnet bislang hingegen
keine höhere Nachfrage, die sich direkt auf die gestiegenen Benzin-
und Dieselpreise zurückführen lasse. "Grundsätzlich ist ein solcher
Effekt aber denkbar", teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.
"Gerade in Zeiten, in denen der Unterhalt eines eigenen Pkw durch
steigende Versicherungs-, Werkstatt- und Energiekosten zunehmend
schwer kalkulierbar wird, sehen wir Carsharing als eine
wirtschaftlich sinnvolle Alternative für viele Menschen in der
Stadt."/ruc/DP/zb
AXC0005 2026-03-14/06:59
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Autor: - dpa-AFX
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