| Solarbranche: Reiche-Pläne gefährden Zehntausende Jobs |
| 15.03.2026 07:27:00 |
Die Solarbranche sieht wegen geplanter
Einschnitte bei der Förderung neuer, kleiner Solaranlagen
Zehntausende Jobs in Gefahr. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer
des Bundesverbands Solarwirtschaft, sagte der Deutschen
Presse-Agentur: "Sollte es zu den geplanten Einschnitten bei der
Förderung und den Auflagen zur Direktvermarktung eingespeisten
Solarstroms kommen, so würde sich maximal noch jeder Dritte ein
Solardach anschaffen."
Die Nachfrage nach privaten Solardächern dürfte nach Schätzung des
Verbands von derzeit 5 Gigawatt auf unter 2 Gigawatt pro Jahr
einbrechen. "Das würde sich fast 1:1 in Jobverlusten niederschlagen.
Zehntausende Beschäftigte würden der Solarbranche den Rücken kehren.
Das wäre ein weiterer Konjunkturdämpfer und ein herber Verlust für
unsere Branche."
Derzeit gebe es rund 100.000 Jobs in der Solarbranche, davon
entfalle rund die Hälfte auf das Photovoltaik-Heimsegment. Nach
einem vergleichbaren politisch erzeugten Markteinbruch vor 15 Jahren
habe es viele Jahre gedauert, bis sich das Handwerk wieder der
Solarbranche zugewandt habe. "Wenn dieses sich jetzt ein zweites Mal
eine blutige Nase holt, werden viele kleine Mittelständler nicht
mehr in die Solarwirtschaft zurückkehren." Der Wechsel in das
Marktsegment großer ebenerdig errichteter Solarparks wäre für die
Mehrzahl der Betriebe kein Ausweg, da dieses bereits hart umkämpft,
weniger arbeitsintensiv, dafür aber sehr kapitalintensiv sei.
Reiche: Kleine Anlagen rechnen sich
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant, für neue,
kleine Solaranlagen die Förderung abzuschaffen. Bei kleinen
Photovoltaik-Dachanlagen gilt bisher: Wer Solarstrom in das Netz
einspeist, erhält 20 Jahre lang pro Kilowattstunde einen festen
Betrag - dieser ist abhängig etwa von der Anlagengröße und dem
Umfang der Einspeisung ins Netz. Ein Ministeriumssprecher hatte
gesagt, derzeit finanziere die Allgemeinheit über Steuermittel Strom
aus kleinen Photovoltaik-Dachanlagen, die sich bereits ohne
Förderung wirtschaftlich tragen könnten.
Branche sieht Direktvermarktung kritisch
Die geplante Abschaffung der Einspeisevergütung für kleine
Solaranlagen würde vor allem Eigentümer von Ein- und
Zweifamilienhäusern treffen, sagte Körnig. "Problematisch ist auch
der geplante Zwang zur verpflichtenden Direktvermarktung." Momentan
sei das für Anlagen mit einer Leistung von über 100 Kilowatt
vorgesehen. Das seien Gewerbedachanlagen mittlerer Größe. Für eine
Direktvermarktung kleiner Solaranlagen an der Strombörse seien die
technischen Voraussetzungen meist nicht gegeben. Der Einbau
digitaler Stromzähler (Smart Meter) komme nur sehr schleppend voran.
Außerdem gebe es absehbar kaum Anbieter, die eine ungeförderte
Direktvermarktung der kleinen Strommengen für Kunden im Heimsegment
übernehmen würden.
Deutlich längere Amortisationszeiten erwartet
"Derzeit betragen die Amortisationszeiten neuer kleiner Dachanlagen
bei sehr günstiger Konstellation rund 10 Jahre, also im Falle hoher
Eigenverbrauchsquoten infolge des Einsatzes von Wärmepumpe,
Batteriespeicher und E-Auto. Aber selbst bei einem hohen
Eigenverbrauch würden die Amortisationszeiten ohne
Einspeisevergütung auf mindestens 19 Jahre steigen", sagte Körnig.
Für die Mehrzahl potenzieller Investoren wäre dies
unattraktiv./hoe/DP/zb
ISIN DE000ENAG999 DE0007037129 DE000A0DJ6J9
AXC0060 2026-03-15/07:27
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Autor: - dpa-AFX
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